Stellenabbau bei Investmentbanken

Erträge sinken schneller als Kosten

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Bei den größten Investmentbanken weltweit stehen weitere Kostensenkungen und Stellenstreichungen an. In diesem Monat hat JPMorgan Chase bereits mit dem Abbau von Arbeitsplätzen begonnen. Mit den Einsparungen reagieren die Banken auf einen Rückgang bei den Erträgen in der ersten Jahreshälfte, der deutlich stärker ausfiel als die bisher umgesetzten Kostensenkungen.

Bei sieben der neun größten Investmentbanken ist der Vorsteuergewinn in den Bank- und Handelssparten im ersten Halbjahr gesunken, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Gleichzeitig haben die Institute zusammengenommen die Kosten um weniger als 1 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode reduziert. Die Erträge gingen um 5 Prozent zurück, belastet von den schlechtesten Ergebnissen im Handel für ein erstes Halbjahr seit der Finanzkrise.

In den vergangenen Jahren haben sich die Banken auf Kostensenkungen konzentriert, während höhere Eigenkapitalanforderungen und ein Einbruch bei den Erträgen im Anleihehandel an den Gewinnen zehrten.

JPMorgan, die größte Bank in den USA, streicht Hunderte von Stellen im technischen Support der Investmentbank, wie informierte Kreise berichteten. Vergangene Woche kündigte die Credit Suisse Group an, Kosten zu senken, indem sie sich aus dem Rohstoffhandel zurückzieht und das Devisen- und Zinsgeschäft verkleinert.

“Auf dem Tiefpunkt des Zyklus’ hat man immer zu viele Mitarbeiter und auf dem Höhepunkt zu wenige”, sagt Jason Goldberg, Bankenanalyst USA bei Barclays Plc New in York. “Es ist ein schwieriges Gleichgewicht zwischen Kostensenkungen und dem Wunsch, genug Mitarbeiter zu haben, wenn Volatilität und Aktivität anziehen.”

Im Juni hat der Handel nach Angaben der Banken wieder angezogen, nachdem sich die Volatilität im April und Mai Rekordtiefs genähert hatte. Die Erholung habe sich im Juli allerdings nicht gehalten, das Handelsumfeld ähnele eher April oder Mai, sagt Goldberg. Bank-Manager, darunter Jamie Dimon, der Vorstandschef von JPMorgan in New York, rechnen nicht mit einer schnellen Wende.

“Wir erwarten, dass die Schwierigkeiten bei Handelsvolumina und Volatilität kurz- und mittelfristig andauern werden” sagte Anshu Jain, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, diese Woche in einer Telefonkonferenz. “Ich erwarte, dass der Gegenwind anhält.”

Die Zahlen über Kostensenkungen und Erträge


JPMorgan begann mit dem Stellenabbau, nachdem die Kosten im Unternehmenskunden- und Investmentbankengeschäft in der ersten Jahreshälfte um 2 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zurückgingen, während die Erträge um 12 Prozent fielen.

Bei der Schweizer Großbank UBS kam bei einem Anstieg der Kosten im Investmentbanking um 6 Prozent auf einen Einbruch der Erträge um 11 Prozent.

Morgan Stanley mit Sitz in New York hat als einzige Bank die Kosten in der Investmentbank gesenkt, während die Erträge zulegten. Bei Bank of America Corporation stiegen die Kosten in der Sparte Global Banking and Markets um 4 Prozent, die Erträge lagen 5 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Die Zahlen über Kostensenkungen und Erträgen hat Bloomberg zu Goldman Sachs sowie den Investmentbanking- und Handelssparten von Bank of America, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, JPMorgan, Morgan Stanley und UBS zusammengestellt. Die Zahlen der einzelnen Banken sind möglicherweise nicht direkt vergleichbar, weil in den Sparten unterschiedliche Bereiche zusammengefasst sind. Die neun größten Investmentbanken haben laut Bloomberg-Daten in der ersten Jahreshälfte 2014 rund 62 Milliarden Dollar an Handelserträgen erzielt, verglichen mit etwa 84 Milliarden Dollar in den ersten sechs Monaten 2010. Gegenüber der Vorjahresperiode senkten die Banken ihre Kosten im ersten Halbjahr 2014 um insgesamt 613 Millionen Dollar.

Die Einsparungen haben im Denken der Banker eindeutig Priorität. In der Telefonkonferenz der Credit Suisse mit Analysten vergangene Woche erwähnten die Manager die Worte “Kosten” und “Aufwand” mehr als 50 Mal. “Wachstum” kam nur elfmal vor.

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