Zwanzig Jahre an der Börse sind wie eine Achterbahnfahrt mit Loopings und unerwarteten Wendungen. Stephan Hornung, Gründer des Squad Value Fonds, fährt seit 20 Jahren mit und hat dabei eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. In diesem Interview nimmt er uns mit auf eine Reise durch zwei Jahrzehnte Finanzmarkt-Turbulenzen, von der Dotcom-Blase bis zur KI-Revolution.

Er erzählt von seinen besten Investments, den dunkelsten Momenten und was ihm damals Kraft und Zuversicht gab. Und er spricht über die Kunst, auch dann Chancen zu ergreifen, wenn andere den Kopf in den Sand stecken. Er verrät, weshalb er froh ist, „nicht immer den gleichen Einheitsbrei kaufen zu müssen“, und wieso er trotz des Aufstiegs von ETFs und Algorithmen optimistisch in die Zukunft blickt.

DAS INVESTMENT: Herr Hornung, was hat Sie vor 20 Jahren dazu bewogen, den Squad Value Fonds zu gründen? Fühlte sich das damals nach Wahnsinn oder Weitsinn an?

Stephan Hornung: Meine Leidenschaft für Aktieninvestments! Ich war davor ja fünf Jahre bei Dr. Jens Ehrhardt tätig und arbeitete die letzten beiden Jahre dort als Dachfondsmanager. Dies war auch spannend und lehrreich, aber mein Herz schlug immer für Aktien! Deshalb wollte ich mich verändern und die gute Ausbildung bei der DJE Kapital AG zusammen mit einem finanziellen Polster aus den Neuen-Markt-Zeiten ermöglichten den Schritt in die Selbstständigkeit. Nach einer Kurshalbierung und einem Dax-Stand von nur rund 4.000 Punkten war dies natürlich etwas waghalsig, aber die tiefen Kurse und Bewertungen, vor allem bei Nebenwerten, ließen auch ein paar gute Börsenjahre erwarten. Dies kann man durchaus als Weitsinn bezeichnen.

Können Sie sich noch an den Tag der Fondsauflage am 29. September 2004 erinnern? Was genau ging Ihnen durch den Kopf?

Hornung: Da die Fondsauflage des Squad Value länger als erwartet gedauert hat, brannten mein Mitgründer Christian Struck und ich darauf endlich unsere Aktienideen für den Fonds kaufen zu dürfen. Die Aktienmärkte hatten sich bereits 1,5 Jahre gut entwickelt, aber bei Nebenwerten gab es noch viele Schnäppchen zu kaufen, da immer noch Neuer Markt- und Nebenwerte-Fonds nach dem Platzen der Internetblase aufgelöst wurden. Deshalb fühlten wir uns wie Rennpferde in der Startbox, die nur darauf warteten losgelassen zu werden.

Blicken wir auf Ihre Investmentphilosophie in den letzten zwei Jahrzehnten: Ist diese eher wie ein guter Wein gereift oder wie ein Diamant unter Druck entstanden?

Hornung: Beides! Der gute Wein ist unsere grundlegende Anlagephilosophie und unser Fondskonzept. Dies hat sich über die 20 Jahre nur wenig verändert und wir können mit unserem klassischen Value-Ansatz über verschiedene Anlage- und Konjunkturzyklen hinweg erfreuliche Renditen erzielen. Aber in den letzten 20 Jahren gab es auch unzählige Krisen wie Lehman-Pleite, europäische Bankenkrise, Deglobalisierung, Klimakrise, Ukraine-Krieg oder Zinswende. Und dieser Druck hat sicherlich noch unser Risikobewusstsein und unsere Analysequalität geschärft und verbessert.

Der Squad Value Fonds konzentriert sich auf drei Investmentthemen: Value-Investing, Deep Value und Events. Können Sie das genauer erläutern?

Hornung: Gerne. Der Aktienmarkt und einzelne Segmente bewegen sich immer in Zyklen. Und diese sind zeitlich oft unterschiedlich. Deep Value (Aktien unter Substanzwert) ist eine relativ marktunabhängige Strategie und man findet hier Investmentchancen tendenziell nach Kursrückschlägen.

Weitere Informationen
Quelle Fondsdaten: FWW 2025

Als Value-Investing bezeichnen wir Aktien die vereinfacht gesagt mit einem tiefen KGV notieren. Dies funktioniert gut bei einer guten Konjunktur. Als Events bezeichnen wir Übernahmesituationen oder Spezialanleihen. Diese sind eher bei hohen Zinsen attraktiv und profitieren von Zinssenkungen infolge einer schwächeren Konjunktur.

Somit finden wir je nach Situation den ein oder anderen Bereich spannender und können unabhängig von einzelnen Markttrends attraktive Investments für den Squad Value finden. 

 

Was hebt den Squad Value Fonds in Ihren Augen von den vielen anderen Multi-Asset-Fonds ab?

Hornung: Unsere Stockpicking-Expertise und unsere Unabhängigkeit sowohl von Indizes und Unternehmensgröße. Dazu noch unsere drei unterschiedlichen Value-Strategien wie eben beschrieben. Dies bietet nicht nur eine hohe Flexibilität und attraktive Renditechancen, sondern auch ein unterdurchschnittliches Risiko. Und dies ist bei Aktieninvestments, besonders bei größeren Kursrückgängen, sehr wichtig. Denn es ist sehr schwer hohe Verluste wieder aufzuholen.

Erzählen Sie uns von Ihrem größten Investment-Coup - Sie wissen schon, der eine, bei dem Sie sich wie Gordon Gekko gefühlt haben.

Hornung: Ich war bereits ein Jahr bei der DJE Kapital AG als Werkstudent tätig und startete am 1.4.1999 als Analyst. Quasi zum Start entdeckte ich die Aktie von Distefora in der Schweiz. Diese notierte zu Nettobarmitteln und hatte dazu noch ein kleines Kabelnetz, eine Navigationssoftware und drei Internetservice-Provider (ISP) in ihrem Besitz. Zu damaligen, euphorischen Zeiten des Neuen Marktes ein relativ sicherer Vervierfacher nach meiner Analyse. Was dann jedoch folgte, war nur noch verrückt! Distefora kaufte einige ISPs zu und brachte diesen Bereich an den Neuen Markt. Genau nach einem Jahr erfolgte das IPO der Ision Internet AG und die Distefora-Aktie hatte sich von 20 Schweizer Franken auf 1.000 Schweizer Franken verfünfzigfacht und dies nur innerhalb von 12 Monaten!