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Steuer-Geschmäckle Luxemburgs Vorliebe für Euro-Scheine

Die Luxemburger Zentralbank hat im Jahr 2013 15 Prozent mehr Euro-Banknoten herausgegeben. Damit war das Volumen fast um das Doppelte höher als das Bruttoinlandsprodukt des kleinen Landes. Das geht aus einem Bericht von Europol mit Sitz in Den Haag hervor. In Italien verharrte die Banknotenausgabe in dem Jahr bei neun Prozent vom BIP und in Frankreich ging sie von fünf auf vier Prozent vom BIP zurück.

Die beste Erklärung für den Luxemburger Ausreißer könnte sein, dass die Franzosen, Deutschen und Belgier mit Konten im Großherzogtum ihre Geldbestände in bar abgehoben haben. Denn die Luxemburger Regierung stand kurz davor, das Bankgeheimnis zu lockern und bereitete den automatischen Austausch von Steuerdaten mit anderen Ländern vor, wie Mark Van Thiel, früherer Vize-Direktor der Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei, meint. Banknoten hinterlassen kaum Spuren für die nationalen Steuerbehörden und wenn lokale Banken Stapel von Geldscheinen aushändigen, sei das mehr schlechte Presse für Luxemburg, so Van Thiel.

Die Europäische Union untersucht bereits, ob die geheimen Steuervereinbarungen, die Luxemburg mit Konzernen wie Amazon.com getroffen hat, gegen Gesetze verstoßen. Die Regierung des Großherzogtums wurde zu der Zeit von Jean-Claude Juncker geleitet, der nun Präsident der EU-Kommission ist.

Die Steuervereinbarungen mit Unternehmen „haben viel schlechtes Licht auf die luxemburgische Regierung unter Herrn Juncker geworfen“, sagt Van Thiel, jetzt Chef von ICQM, einer Beratungsgesellschaft für Compliance in Zürich. „Wenn nun zumindest die Statistik auf die Möglichkeit hinweist, dass Luxemburg Geldabflüsse von Konten erlaubte, die aufgelöst wurden, ist das nicht die beste Nachricht.“

Die Schweizerische Bankiervereinigung empfiehlt ihren Mitgliedern, genau hinzuschauen, wenn es um die Auflösung von Konten und die Barauszahlung von mehr als 25.000 Dollar geht, wobei einige Schweizer Banken die Grenze niedriger ansetzen. Der luxemburgische Bankenverband wollte sich zur Vorgehensweise bei Kontenauflösungen nicht äußern.

Pierre-Henri Conac, Jura-Professor an der Universität von Luxemburg, ist auch der Ansicht, dass die logischste Erklärung für die Zunahme der Geldscheine ist, dass Ausländer ihre Konten auflösen, bevor ihre Daten und Details an ihre nationalen Steuerbehörden übermittelt werden.

Es drehe sich um „die Auflösung von Bankkonten, wahrscheinlich mit relativ kleinen Guthaben, durch Ausländer“, vor dem Stichtag, so Conac.
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