Frauen & Geld Podcast | Folge 15 Steuererklärung und Emotionen – wie passt das zusammen?

Podcast-Host Anissa Brinkhoff mit den beiden Gästinnen Laura und Steffi
Zu Gast in Folge 15: Laura und Steffi von Money, Mind and Soul
© Katharina Brösing – mjnt.
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Anissa: Ihr habt wahnsinnig beeindruckende Werdegänge hinter euch. Könnt ihr euch nacheinander noch mal vorstellen und ein bisschen von euch erzählen?

Laura: Ich bin Laura. Ich bin 44 und ursprünglich Juristin – ich war mal Richterin. Fünf Jahre lang habe ich für den Staat gearbeitet und mich dann irgendwann dazu entschieden, dem Staat den Rücken zuzuwenden, weil ich mich nach Freiheit gesehnt habe und ich einfach anders arbeiten wollte, als es mir dort möglich war. Also habe ich beschlossen, noch mal eine Steuerberaterausbildung zu machen. Das war aber gar nicht so eine richtig freie Entscheidung, sondern das hatte was damit zu tun, dass auch mein Vater schon Steuerberater war, ich das also schon sehr gut kannte. Das ist jetzt ungefähr sieben, acht Jahre her. Dann bin ich erst mal mein Vater gestartet, der hatte schon 40 Jahre eine Kanzlei in Hamburg.

Irgendwann bin ich da raus und bin dann meinen eigenen Weg gegangen mit meiner eigenen Kanzlei. Da habe ich dann eine Weile alleine mit ein, zwei Mitarbeitern gearbeitet und bin aufgrund von einer Trennung in eine echte Lebenskrise gerutscht, die mich ziemlich durchgeschüttelt hat. Ich habe wirklich alles in Frage gestellt, was ich bis dahin gemacht hatte. Sowohl privat, als auch beruflich. Und so ist der Gedanke der Spiritualität in mein Leben getreten. Ich bin da letztendlich über Meditation und die Beschäftigung mit meinem Inneren hingekommen. So ist es dann auch gekommen, dass ich auch diesen kleinen Magie-Laden eröffnet habe. Und das ist jetzt Status Quo Kanzlei und Magie-Laden. 

Anissa: Das ist eine so superspannende Kombination. Wie war das bei dir, Steffi

Steffi: Ich bin Steffi, 35 Jahre alt und ich habe damals meine berufliche Karriere im Finanzamt begonnen. Dort habe ich ein duales Studium gemacht und eigentlich schon nach ein paar Monaten gemerkt: Das ist irgendwie falsch. Aber ich habe es bis zum Ende durchgezogen, war dann ganz kurz noch mal beim Ministerium in NRW und habe dann ähnlich wie Laura auch gemerkt, dass mich diese Beamtenwelt sehr einschränkt. Ich bin so ein freiheitsliebender Mensch. Ich habe dann auch gesagt: Ich muss hier raus. Anfang 2013 bin ich zum Steuerberater gegangen, habe dann in einem Konzern gearbeitet, dort mein Examen gemacht, aber auch gemerkt: Ich bin auch hier irgendwie total falsch. Es war eine riesengroße Welt und es ging immer höher, schneller, weiter und das ist gar nicht meins 

Ich bin tatsächlich über Yoga zu dem Holistischen gekommen. Während meines Examens habe ich immer ganz viel Yoga gemacht und als ich dann fertig war, habe ich ein Retreat gemacht. Da haben wir eine Meditation gemacht. Da habe ich gemerkt: Ich bin eigentlich irgendwo, wo ich gar nicht so sein möchte. Und mir war unterbewusst schon lange klar, dass ich lieber mit den Menschen arbeiten möchte, als nur die Steuererklärung fertig zu machen. Und da ich auch sehr feinfühlig bin, habe ich jeden Tag gemerkt, wie extrem die Menschen von Steuerrecht überfordert sind. Es ist irgendwie etwas anderes, was wichtig ist. Damals war ich erst mal an dem Punkt, wo ich für mich erst geguckt habe: Okay, wie will ich mich jetzt orientieren, was möchte ich genau machen und habe dann halt auch einfach noch ganz viele Sachen gemacht – eine Coaching Ausbildung, eine Trainerausbildung zur gewaltfreien Kommunikation, Yoga und diese ganzen Sachen.

Es kam aber immer wieder auf Steuer und Emotionen in Kombination zurück. Ganz viele haben mich immer gefragt: Hey, ich mach mich selbstständig. Kannst du mir da weiterhelfen? Auch in den Ausbildungen. Die meisten, die mit mir Coachings gemacht haben, haben immer gesagt: Ja, ich möchte mich selbstständig machen. Das war viel berufliche Neuorientierung, aber es ging auch immer um Emotionen. Also ich habe also viel im gefühligen Bereich gemacht, wie Reiki zum Beispiel. Und eigentlich ging es in den Sessions immer um eine Kernaussage: Ich bin überfordert. Da habe ich gedacht, das muss man doch irgendwie zusammen bekommen. Irgendwann habe ich Laura kennengelernt und wir hatten eigentlich beide so ein bisschen diese kombinierende Vision und so ist dann Money, Mind and Soul entstanden.

Holistische Steuerberatung – mehr als nur Zahlen

Anissa: Ihr bietet holistische Steuerberatung an. Was ist denn das eigentlich? Könnt ihr das einmal erklären? Also bis wohin geht das und wohin vielleicht auch nicht? 

Laura: Holistisch bedeutet für uns in erster Linie ganzheitlich. Die Basis dessen bilden Körper, Geist und Seele. Diesen Ausdruck, alle Seiten zu betrachten, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele, das haben wir so ein bisschen auf Money, Mind and Soul übertragen und haben gesagt, wir wollen auch da nicht nur einfach Steuern und Finanzen an sich betrachten, sondern wir wollen viel mehr mit einbinden. Wir wollen auch den Geist mitnehmen und die Seele und das, was unsere persönliche Aufgabe ist. Wo sind unsere Blockaden? Wo sind unsere Ängste?  

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Anissa: Könnt ihr ein Beispiel nennen, vielleicht aus eurer Beratungspraxis, wie ihr all das vereinbart. 

Laura: Vielleicht kein Beispiel, aber einen Vergleich. Wir haben immer häufiger darüber nachgedacht, dass man das mit einem Arztbesuch ganz gut vergleichen kann. Folgende Situation: Ich gehe zum Arzt, ich habe ein Symptom und ich möchte einfach irgendein Medikament verschrieben bekommen, das ist für viele nicht mehr denkbar. Sie wollen gesehen werden. Ihre persönliche Situation soll gesehen werden, ihre Ängste, ihre Vergangenheit, das, was ihnen widerfahren ist. Und so ist es letztendlich für uns genauso. Wir wollen nicht einfach nur, dass jemand zu uns kommt und sagt: Macht was aus unseren Zahlen und macht eine Steuererklärung für uns, sondern wir wollen den Menschen dahinter sehen und was er für Herausforderung hat, und wollen ihm dabei helfen. Und das macht das so ganz deutlich, was wir wollen.  

Anissa: Ich finde es krass, wie solche harten Themen wie Steuern inzwischen auch auf so einer Ebene besprochen werden – sehe da aber auch total den Need. Ich merke das ja auch bei mir selber, wenn ich an dieses Thema denke. Das Erste, was hochkommt sind Emotionen, keine positiven im Zweifelsfall. Und vielleicht könnt ihr das noch mal erklären, was haben denn Gefühle und Steuern miteinander zu tun und welche Gefühle sind das, mit denen ihr da konfrontiert seid?

Steffi: Also im Prinzip, was du gerade auch schon gesagt hast. Also bei den meisten ist es so, wenn du jetzt mal kurz die Augen zu was und wirklich dieses Thema oder das Wort einfach nennst. Steuererklärung. Bei ganz vielen macht das sofort der Hals zu oder sie kriegen Bauchschmerzen oder denen wird schlecht. Oder sie sagen: Nee, komm, lass mal. Bei mir war es auch damals so, ich habe beim Finanzamt gestartet und ich weiß noch ganz genau, mein allererster Tag sind wir durch alle Abteilungen durchgegangen. Dann waren wir beim Personal Ratsvorsitzenden und er hat uns gesagt: Mädels, ihr könnt euch mal ein dickes Fell anwachsen lassen, weil die Leute werden euch hassen. Da war ich irgendwie gar nicht darauf vorbereitet, hatte ich mir vorher gar nicht so Gedanken drüber gemacht. Aber das war halt was, was du in der Ausbildung auch immer wieder gesehen hast. Also diese starken Gefühle, weil du auch irgendwo in dieser Position bist. Die Leute denken, du nimmst ihnen etwas weg. Es geht immer um Geld und Geld ist mit so vielen Emotionen behaftet. Und dann gleichzeitig dieses Thema Behörde. Da stecken noch so viele Sachen hinter mit Macht, Bestrafung, Schuld, Scham. Ganz viele, die zu uns kommen, sagen auch: Ich habe das Gefühl, ich stehe mit einem Bein im Gefängnis, wenn ich etwas falsch mache. Also es ist halt wirklich auch ein sehr emotionales, aufgeladenes Thema und ganz häufig in der Arbeit, die wir machen, kommt dann halt aber raus: Meistens ist es gar nicht das Thema an sich, sondern da steckt irgendwas anderes noch dahinter. Und sich das anzugucken ist total wertvoll.

Offen sein für neue Ansätze

Anissa: Was macht ihr mit dem, was ihr dahinter entdeckt? Also wie fangt ihr das auf oder wie verarbeitet ihr das? Wie wandelt ihr das um in was Positives?

Steffi: Also da arbeiten wir mit verschiedenen Tools, das kommt immer darauf an, was die Leute gerade brauchen. Am Anfang steht meistens erst mal ein Gespräch. Wir starten ganz normal in ein Coaching und dann habe ich aber auch noch eine Methode, mit der ich gut mit dem Unterbewusstsein arbeiten kann. Da geht man über die Gehirnwellen rein, ins Unterbewusstsein und wenn dann Sachen hochkommen, wird es in einem guten Rahmen aufgefangen. Ich gehe auch nie weiter als ich muss. Dann kriegen sie aber auch von uns viele Tools an die Hand für den Alltag mit Finanzen und Steuern. Für den Körper, fürs Nervensystem und wie sie sich da auch noch beruhigen können. Und diese Kombi auch einfach, dass sie auch noch Wissen mit an die Hand bekommen, wo sie dann merken: Oh, im Prinzip ist es gar nicht so schlimm und jetzt habe ich so einen roten Faden, jetzt habe ich einen Fahrplan. Das bringt bei vielen ganz viel Entlastung und Ruhe ein.

Anissa: Ich bin jetzt zum Beispiel überhaupt nicht spirituell veranlagt, gleichzeitig klingt das doch irgendwie bei mir an, was ihr jetzt erzählt. Wenn ich da jetzt aber noch kritisch gegenüberstehen würde, wie würdet ihr mich überzeugen, von dieser Art und Weise das Steuerthema zu betrachten?

Laura: Ja, spannende Frage. Überzeugen wollen wir letztendlich niemanden. Also das ist wirklich ganz klar. Wir wollen ein Angebot schaffen für diejenigen, die offen sind. Menschen, die Interesse daran haben, sich weiterzuentwickeln. Und wenn jemand merkt, ich habe da eine Blockade und ich habe Widerstand, wiederholt sich das ja auch häufig wieder. Das kommt an vielen Stellen in deinem Leben hoch und einfach Menschen sagen, ich habe Lust, das zu bearbeiten und ich möchte mich wirklich weiterentwickeln. Für die Menschen sind wir da. Also das setzt schon so ein bisschen voraus, dass der erste Schritt, sage ich mal, von unseren Kunden kommt. Wir stehen jederzeit bereit, aber wir wollen niemanden überzeugen, weil wir auch wissen, dass unser Ansatz sehr besonders ist und dass man das wollen muss.

Steffi: Da geht es auch wirklich darum, dass die Leute sich bewusst dazu entscheiden. Wir wollen wirklich auch Kunden haben, die sagen: Okay, ich merke da, bei dem Thema ist bei mir irgendwie was und ich möchte da hinschauen, aber ich krieg's alleine nicht hin. Und die auch wirklich Lust haben, so selbstbestimmt mit Steuern umzugehen. Persönliche Weiterentwicklung hört halt nicht im Business auf, sondern bei den Zahlen oder bei den Steuern ist es eigentlich noch mal etwas, wo es so richtig rund gehtund genau da möchten wir begleiten.

Wissen ist gleich Macht

Anissa: Wieso fühlen sich denn Steuerthema jetzt eigentlich so blöd an oder warum lösen die solche Gefühle bei uns aus? Warum fühle ich mich überfordert oder habe so eine Assoziation: Ich stehe mit einem Bein im Knast.

Laura: Also ich glaube Vieles resultiert aus diesem Machtverhältnis, was auch ein Steuerberater letztendlich hat. Aus diesem überlegenen Wissen, was auch gerade Steuerberater für sich beanspruchen und sich auch in dieser Rolle sehen wollen. Und das suggeriert natürlich meinem Gegenüber: Du bist vielleicht ein bisschen doof oder nicht in der Lage. Und das soll häufig gar nicht ausgelöst werden. Das ist gar nicht gewünscht.

Anissa: Ich kenne das aus anderen Finanzbereichen und Finanzthemen. Das sind einfach Fachbereiche, das haben Menschen studiert und die sitzen da mit ihrem Wissen und ich als ungelernte Person auf dem gegenüberliegenden Platz fühle mich total lost und auch ausgeliefert. Wenn ich jetzt diese Podcastfolge höre und noch nie eine Steuererklärung gemacht habe oder ich mich damit noch nicht so auseinandergesetzt habe, wie kann ich das Thema dann überhaupt mal grundsätzlich für mich angehen, dass es sich erst mal nicht mehr so blöd anfühlt?

Steffi: Da gibt es immer zwei Wege. Also wenn wir jetzt so ein bisschen mit unserem Ansatz gucken, würde ich auf jeden Fall den Tipp geben, dass du vielleicht mal rein spürst, was kommt da eigentlich hoch, was sind das für Emotionen? Emotionen sind wie Wellen, die wollen fließen und die darf man auch fließen lassen. Da kann man, sofern es eben möglich ist, mal sagen, okay, ich guck jetzt mal bewusst hin. Was ist das für eine Emotion? Woher kenne ich die vielleicht aus meinem Leben und was möchte die mir sagen? Ich arbeite auch viel mit Bildern und ich sage auch immer: Stell dir mal deine Emotion wie eine Figur vor, die sich mit dir auf dir hinsetzt und die dir dann eine Botschaft mitbringt. Um zu gucken, was die dir sagen will. Dann finde ich auch immer wichtig, dass man auch selber noch mal nach seinen eigenen Bedürfnissen guckt. Was brauche ich eigentlich gerade und wie kann ich mir sozusagen diese Bedürfnisse erfüllen? Also wenn das Sicherheit ist, wie kann ich mir gerade Sicherheit schaffen, auch im gegenwärtigen Moment und wie kann ich mich darauf fokussieren? Vielleicht habe ich auch Angst vor Unbekanntem. Wie kann ich Wissen mir aneignen? Was brauche ich eigentlich, damit ich mich gut fühle? Und das ist halt auch leider etwas, was wir nicht so lernen. Und das auch einfach so dann darauf zu übertragen, ist glaube ich auch nicht schlecht.

Das restliche Interview mit Laura und Steffi könnt ihr [hier] hören.  

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