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Wachtendorf-Kolumne Steuern sparen ja – aber nicht auf Kosten der Rendite

Beleuchtet die Schattenseiten des Steuersparens
Beleuchtet die Schattenseiten des Steuersparens: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf.

Lass Dir Dein Lehrgeld zurückgeben“ – eine Redewendung aus Zeiten, in denen es noch üblich war, für eine möglichst gute Ausbildung als Investition in die Zukunft zu bezahlen. Wer mit einem solchen Spruch bedacht wird, sollte ihn also keinesfalls als Kompliment auffassen, und mit Blick auf ein per Ende 2021 beendetes Investment würde ich ihn mir am liebsten selbst achtkantig um die Ohren schlagen.

Worum es geht? Um ein Steuerspar-Instrument, nach dem sich manch Spätgeborener heute alle zehn Finger lecken würde: eine vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Fondspolice, die alle Mindestanforderungen hinsichtlich Todesfallschutz, Beitragszahlungsdauer und Vertragslaufzeit erfüllt und somit nach heutiger Rechtslage steuerfreie Erträge bis ins Jahr 2103 ermöglicht. Ausgestattet mit mehr als 120 Fonds-Bausteinen, die miteinander kombiniert und gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr beliebig oft getauscht werden können.

Das klang beim Abschluss Ende 2004 gut, und auf den ersten Blick klingt es auch heute noch gut. Trotzdem bin ich mit dieser Police nie wirklich glücklich geworden. Aus mehreren Gründen. Erstens: Die große Mehrzahl der angebotenen Fonds-Bausteine empfand ich von Beginn an als eher zweite Wahl – sie sind in den vergangenen 17 Jahren in keinem anderen von mir geführten Depot zum Einsatz gekommen. Zweitens: Die über die normalen Fondskosten hinaus zusätzlich in Rechnung gestellte Verwaltungsgebühr hat sich im Laufe der Jahre auf eine mittlere vierstellige Zahl summiert. Drittens: Wer es gewohnt ist, seine Depots online zu führen, dem erscheint die im Kontakt mit dem Versicherer noch bis vor kurzem gängige Methode, erst mit drei Tagen Verzögerung umgesetzte Tauschaufträge per Fax zu versenden, als vorsintflutlich.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann, dass die Liste der verfügbaren Bausteine im August 2021 erneut angepasst wurde. Seither ist ein weiterer Fonds für Zukunftstechnologien enthalten, aber kein einziger mehr für Goldminenaktien. Mit der Folge, dass die im Frühjahr 2020 eingegangene Position in diesem aktuell etwas schwächelnden Sektor nicht weiter ausgebaut werden kann. Der Kündigung folgte die Bilanz, und die fiel ernüchternd aus: Von Dezember 2008 an, dem Monat der letzten Ratenzahlung, beläuft sich die Rendite auf gerade einmal 5,5 Prozent.

Nun wäre es angesichts der beschriebenen Nachteile ein Leichtes, die Schuld für diese blamable Vorstellung auf das Produkt abzuwälzen. Doch so einfach ist es – leider – nicht. Das zeigt ein simpler Vergleich mit dem Status quo vor 13 Jahren. Hätte ich jene damals enthaltenen fünf Fonds (der sechste, ein Geldmarktfonds, hätte ziemlich genau die seit 2009 angefallenen Kosten abgedeckt) einfach weiterlaufen lassen, die Rendite wäre mit 8,4 Prozent fast 3 Prozentpunkte höher ausgefallen. Peinlicher noch: Hälftig aufgeteilt auf zwei 2008 im Rahmen des Angebots verfügbare globale Fondsklassiker hätte das Investment 10,4 Prozent pro Jahr abgeworfen, nach Kosten und steuerfrei. Ein beeindruckender Beleg für die These, dass es gerade in turbulenten Zeiten häufig besser ist, einfach nichts zu tun, und zweifellos eine kleine Ehrenrettung für das Instrument Fondspolice.

Warum ich trotzdem gekündigt habe? Weil an der Börse ein Blick in den Rückspiegel bekanntlich wenig über die Zukunft verrät und ein mit Technologie-Titeln wie Alphabet, Apple und Microsoft gespickter Fondsklassiker in künftigen Vergleichen durchaus auch einmal den Kürzeren ziehen kann. Und weil das Gefühl, lediglich einen Baustein zweiter oder dritter Wahl im Depot zu haben, die Bereitschaft, in kritischen Marktphasen an ihm festzuhalten, deutlich verringert. Auf den Punkt gebracht: Lieber zahle ich künftig für eine erstklassige Rendite Steuern, als dass ich eine bestenfalls mittelmäßige Rendite steuerfrei kassiere.

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