Steuerparadies Fondspolice

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Für Fondspolicen gibt es ein traumhaftes Verkaufsargument: Abgeltungssteuerfreiheit. Um auch Fondssparer vom Policenmantel zu überzeugen, müssen die Versicherungen allerdings flexibler werden. DAS INVESTMENT fragte unabhängige Vermittler, wie eine solche Police aussehen sollte

Während Fondsgesellschaften und Zertifikatehäuser sich die Haare raufen, freuen sich die Versicherer. Denn der Finanzminister hat der Assekuranz ein Verkaufsargument geliefert, das kaum zu toppen ist: die Abgeltungssteuer. Eine Studie des Marktforschers Psychonomics ergab, dass mehr als ein Drittel der Kunden, die sich über die Abgeltungssteuer informiert haben, noch in diesem Jahr eine private Rentenversicherung abschließen will. Das riecht nach Steuerschlussverkauf wie im Jahr 2004, als das Steuerprivileg für Kapitallebensversicherungen fiel. Dabei gibt es diesmal gar keinen Stichtag, bis zu dem der Versicherungsvertrag abgeschlossen werden muss. Doch jetzt ist die Abgeltungssteuer in aller Munde: Über die Hälfte der Bundesbürger will sich, so die Psychonomics- Studie, noch in diesem Jahr über die steuerlichen Änderungen informieren lassen.

Versicherungskunden gegenüber Fondssparern im Vorteil

Im Gegensatz zu normalen Fondsdepots müssen Anleger innerhalb einer Fondspolice ihre Zins- und Dividendenerträge künftig nicht jährlich versteuern, und bei Fondswechseln sind auch keine Kursgewinne steuerpflichtig. Der Fiskus greift erst bei Ablauf der Police zu. Der Versicherungskunde ist dann ein weiteres Mal im Vorteil, wenn er bei Vertragsende mindestens 60 und seine Police mindestens zwölf Jahre alt ist. Dann muss er nur die Hälfte des Ertragsanteils mit dem persönlichen Steuersatz abgelten. Nur wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, ist der pauschale Abgeltungssteuersatz auf den gesamten Ertrag fällig.
Mit diesen Vorteilen werben die Versicherer jetzt unermüdlich. Versprechen können die Gesellschaften jedoch viel, es bleibt aber die Frage, was eine Fondspolice können muss, damit nicht nur der „typische“ Versicherungskunde, sondern auch die durch die Abgeltungssteuer vergrätzten Fondssparer zum Versicherungsvertrag greifen.
DAS INVESTMENT hat 26 unabhängige Vertriebsunternehmen und Maklerpools nach ihrer Meinung gefragt, 19 haben geantwortet. Die fünf Fragen etwa nach dem optimalen Fondsangebot oder der Bedeutung von Garantien waren offen gestellt, vorgefertigte Antworten zum Ankreuzen gab es nicht. Die Vermittlungsgesellschaften konnten also selbst formulieren und betonen, was ihrer Ansicht nach bei Fondspolicen besonders wichtig ist.
Einig sind sich die Vertriebsgesellschaften, dass die Abgeltungssteuer das wichtigste Verkaufsargument für fondsgebundene Policen in den kommenden Monaten ist. „Selbstverständlich, unbedingt“, sagt etwa Thomas Heß, Vertriebsvorstand bei Jung, DMS & Cie. „Keine Frage – durch die Abgeltungssteuer wird die Fondspolice generell attraktiver“, stimmt AWDSprecher Stefan Suska zu. Und zwar „immer dann, wenn der Anleger langfristig Kapital aufbauen möchte“, so Roderich Münker, Produktmanager beim bayrischen Finanzvertrieb Magus. „Die Historie hat gezeigt, dass aufgrund veränderter Lebensbedingungen immer wieder Änderungsbedarf für den Kapitalaufbau besteht. Dem kann der Kunde im Rahmen einer Fondspolice wunderbar flexibel und steuerunschädlich begegnen.“ Zustimmungsquote 100 Prozent, das nennt man einstimmig.
Differenzen gibt es aber bei der Frage nach der Ausgestaltung einer solchen Police, etwa was die Anzahl der Fonds angeht. Über die Hälfte der Befragten hält eine „breite“ Fondspalette für notwendig, um dem Kunden möglichst viel Flexibilität bei der Auswahl seiner Investmentstrategie zu ermöglichen. „Je höher die Zahl der Fonds und der abgedeck- Vermittten Anlageklassen auch im Hinblick auf Nischenfonds ist, desto besser für den Anleger“, so Telis-Finanz-Chef Freddy Singer.
Auf konkrete Zahlen legten sich nur wenige Teilnehmer fest: Für mindestens 20 Fonds plädierten die Frankfurter Vermittlergesellschaft EFC sowie der Hamburger Maklerpool Netfonds, der Maklerverbund Consensus forderte eine Palette von mehr als 100 Fonds. Dabei sollten alle Anlageklassen abgedeckt werden, findet beispielsweise Jan Meister, Chef des Investment Researchs beim Maklerpool Argentos: „Dazu gehören globale Aktienfonds sowie Länderfonds etwa aus Europa, Asien und den USA. Auf der Rentenseite müssen Staats- und Unternehmensanleihen aus den USA und Europa verfügbar sein und idealerweise Produkte mit kürzerer wie längerer Laufzeit zur Verfügung stehen.“
Meister ist auch einer der fünf Befragten, die sich explizit für das Angebot von Nischenprodukten wie Infrastruktur- oder Biotechnologiefonds aussprechen, um die Police auch für Individualisten attraktiv zu machen. Drei Gesellschaften äußerten außerdem Wünsche, was die Anbieter der Fonds angeht: Etablierte Kapitalanlagegesellschaften sollten es sein, deren Produkte sich über mehrere Jahre und in Kapitalmarktkrisen bewährt haben.
Viele Vermittler verfügen aber nicht über genügend Fonds- und Kapitalmarktwissen oder über die Zeit und Lust, um eine eigene Anlagestrategie zu entwickeln. Deshalb hält jede dritte befragte Gesellschaft es für wichtig, dass es auch mehrere gemanagte Strategien mit unterschiedlichen Risikostrukturen gibt. „In der Praxis fassen viele Makler und Endkunden die Police nach Abschluss nie wieder an“, sagt Dirk Schröer, bei Netfonds Produktmanager für Einmalbeitragspolicen. „Deshalb sollten auch immer kostengünstige gemanagte Varianten zur Verfügung stehen.“
Sehr unterschiedlich sind die Meinungen zum Thema Switch und Shift. Gut ein Drittel der Teilnehmer halten ein bis zwei Fondswechsel oder Umschichtungen des Vermögens in andere Fonds pro Jahr für absolut ausreichend. Sechs Gesellschaften fordern unbegrenzte Tauschmöglichkeiten. „In der Verkaufsphase sind viele kostenlose Wechsel in der Fondsanlage ein gutes Verkaufsargument“, sagt Theodor Storkamp. „Aber kaum ein Kunde nutzt später diese Möglichkeiten“, so der Leiter des Teams Lebensversicherung bei dem Maklerpool PMA.

Ablaufmanagement ist wichtig

Deshalb plädieren auch über zwei Drittel der Vertriebsgesellschaften für ein optionales Ablaufmanagement im Rahmen der Police. Dabei wird zum Ende des Vertrags das Vermögen des Kunden von risikoreichen Produkten wie Aktienfonds in sichere Rentenfonds umgeschichtet, um Kapitalverluste in dieser Zeit möglichst zu begrenzen. „Das Ablaufmanagement ist wichtig, es sollte aber nicht statisch sein“, erklärt Miriam Michelsen, Bereichsleiterin Vorsorge beim Vermögensberater MLP. Es gilt also, starre Anfangszeiten für das Umschichten zu vermeiden. „Der Zeitpunkt sollte vom Kunden wählbar sein“, so Michelsen.
Garantie-Optionen sind bei Fondspolicen für fast alle befragten Vertriebe ein Muss. Drei Viertel der Befragten fordern mindestens ein Element für sicherheitsorientierte Kunden, sei es etwa ein Höchststandsicherungsfonds, eine bestimmte Rentengarantiezeit oder eine Beitragsgarantie. Über die Hälfte macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass Garantien zulasten der Rendite gehen. Und gerade eine Fondspolice, die als Alternative für ein direktes Fondsinvestment daherkommen will, sollte möglichst günstig sein, sagten vier Vermitttenlergesellschaften. Zudem seien bei einer langfristigen Anlage Garantien nicht unbedingt notwendig. „Die breite Risikostreuung, die durch das vielfältige Fondsangebot in modernen Policen möglich ist, und ein Ablaufmanagement stellen in der Regel ausreichende Sicherheitsinstrumente dar“, sagt Finum-Chef Reinhard Schutte.
Flexibilität und Wahlmöglichkeiten sollten sich aber nicht nur auf die Kapitalanlage beziehen. Bei der Frage, welche Punkte sie noch für wichtig halten, nannten die Gesellschaften vor allem großzügige Gestaltungsmöglichkeiten für den Versicherungsmantel. Der Maklerpool Maxpool etwa fordert ständige Zuzahlungs- und Entnahmemöglichkeiten. Zudem wünschen sich die Befragten die Möglichkeit zu Beitragspausen, Prämienerhöhungen oder -senkungen, die Wahl zwischen Kapitalauszahlung, lebenslanger Rente oder der Übertragung von Fondsanteilen bei Ablauf der Police und eine zusätzliche Absicherung der Hinterbliebenen. „Die Flexibilität sollte so groß wie möglich sein“, fasst Mathias Clemens, Vertriebschef der auf Versicherungen spezialisierten Vertriebsgesellschaft Domcura, zusammen.
Einige Versicherer haben mit ihren Policen, die sie als Antwort auf die Abgeltungssteuer aufgelegt haben, die Wünsche der Vertriebe zumindest zum Teil schon umgesetzt. Beispiel: Aspecta. Ende 2007 startete der Versicherer unter dem Motto „So viel Direktanlage wie möglich – so wenig Police wie nötig“ die fondsgebundene Rentenversicherung Depot Invest. Das Produkt bietet eine Auswahl von 60 Fonds verschiedener Anbieter und unterschiedlicher Anlageklassen plus neun gemanagte Varianten. Fondswechsel sind an jedem Börsentag kostenlos möglich, ein optionales Ablaufmanagement ist vorgesehen. Allein bei den Beiträgen hapert es ein wenig, Zuzahlungen ab 200 Euro sind zwar möglich, der Tarif ist aber nur gegen einen Einmalbeitrag von mindestens 5.000 Euro zu haben. Damit dürfte das Produkt für ehemalige Monats- Fondssparer wohl ausscheiden.
Anders ist das bei der Lebensversicherung von 1871, die die Fondspalette ihrer Steuer- Spar-Police Performer Flexx im Juli nahezu verdreifachte: 50 Fonds von zehn Anbietern stehen jetzt zur Wahl, Einmalbeiträge und Monatsraten sind möglich. Das ist generell die gängige Lösung bei den Gesellschaften, die die steueroptimierten Policen anbieten. Weitere Gesellschaften stehen in den Startlöchern: Zurich etwa will ab September ihr neues Produkt anbieten.


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