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Steuerprozess um Uli Hoeneß, dritter Tag Vertrauen verspielt, Zoff mit Verteidiger

Gab es am ersten Prozesstag noch Menschen, die Uli Hoeneß glaubten, dürfte sich das spätestens am zweiten Tag erledigt haben. Nachdem gestern Nachmittag die Bombe platzte, stand da die nur schwer greifbare Summe von 27,2 Millionen Euro nicht gezahlter Steuern. Heute Vormittag haben Hoeneß‘ Verteidiger die Summe als sachgerecht akzeptiert, es gebe keine Zweifel.

Zustande kam die neue Zahl durch eine Steuerfahnderin aus Rosenheim, die als Zeugin stundenlang die Handelsgeschäfte auf den geheimen Konten von 2003 bis 2009 aufdröselte. Der zwischenzeitlich höchste Kontostand lag über 155 Millionen Euro im Jahr 2005. Am Ende stand der Steuertacho bei 23,7 Millionen Euro. Hinzu kommen noch jene 3,5 Millionen Euro aus der Anklageschrift (siehe auch Spiegel-Online). Damit hätte sich die hinterzogene Summe mal eben versiebenfacht. Ist das schon das Ende der Skala? Inzwischen schwer zu glauben. „Wer bietet mehr?“, fragt denn auch gleich mal die "TAZ".

Kaum jemand glaubt noch, dass Hoeneß ohne Gefängnisstrafe davonkommt. Nun gut, ein Twitterer namens Jürgen H. schlägt vor: Hoeneß muss nicht in den Knast, wenn der FC Bayern München auf den Meistertitel verzichtet. Das ist sicher eine Überlegung wert, wird aber wohl nicht klappen. Da werden sich die Spieler sträuben. Immerhin spekuliert Die „Welt“ schon mal darüber, wie der Verein ohne Hoeneß aussehen könnte.

Offenbar glaubt das Gericht noch immer daran, den Prozess morgen abschließen zu können. Zwei Zeugen seien noch zu vernehmen. Einer ist Hoeneß‘ Betriebsprüfer, der andere ist ein EDV-Techniker vom Finanzamt Rosenheim. Wenn keine weiteren Anträge und Zeugen hinzukommen, könnte der Zeitplan tatsächlich noch klappen.

Rätsel gibt auch das Verhältnis zwischen Hoeneß und seinen Verteidigern auf. Zweimal grätschte Staranwalt Hanns W. Feigen seinem Mandanten gestern ins verbale Dribbling. Feigen vertritt unter anderem auch Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen und gilt als schwer belehrbarer harter Hund. Und gestern machte er mehrmals deutlich, was er von einigen Aussagen seines Mandanten hielt. Ein lesenswertes Porträt gibt es auf der Webseite der „FAZ“.

Mehr unter:

Der Hoeneß-Prozess, Tag 1

Der Hoeneß-Prozess, Tag 2
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