Stiftung Öko-Test schießt gegen Kapitallebensversicherungen

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Die Renditen von Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen bleiben hinter den Erträgen aus Bundesanleihen der gleichen Laufzeit zurück. Auf dieses Ergebnis einer aktuellen Studie der Stiftung Öko-Test weist die Verbraucherzentrale Hamburg nun hin.

Stiftung Öko-Test hatte die Ablaufleistungen von 83 Versicherungen mit Kapitalbildung ausgewertet und eine durchschnittliche Jahresrendite von 3,73 Prozent errechnet. Selbst wenn man die als Risikorücklage einbehaltenen Prämienanteile herausrechnet, kommt die Stiftung auf lediglich 4,2 Prozent Rendite. Die Kombination einer Risikolebensversicherung, die einfach nur den Todesfall versichert, mit Bundeswertpapieren gleicher Laufzeit als Geldanlage, hätte eine Rendite von 5,81 Prozent im Jahr gebracht.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass die Stiftung Öko-Test offenbar auch Fondspolicen betrachtet hat, bei denen die Versicherung nicht für die Geldanlage verantwortlich ist, sondern ein Fondsmanager. Außerdem werden Bundesanleihen in absehbarer Zeit ihre hohen Renditen nicht wiederholen können. Die aktuelle Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,88 Prozent (Stand 29. August).

„Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus scheint das auf den ersten Blick akzeptabel“, kommentiert Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg die Studienergebnisse. „Weil die Verträge aber meist über Jahrzehnte und auch in Hochzinsphasen liefen, ist es das keinesfalls.“

Zahlt ein Sparer 100 Euro monatlich über 30 Jahre hinweg in eine Kapitallebensverischerung ein, steht er am Ende der Laufzeit mit 71.178 Euro da. Das Ergebnis mit Bundesanleihen liegt 23,466 Euro darüber, bei 94.644 Euro. Je nach Versicherer entfernt sich die Differenz von den angenommenen Durchschnittsrendite von 3,73 Prozent.

Tendenziell schnitten Verträge weniger schlecht ab, je länger deren Rückzahlungstag zurückliegt.. „Das wundert uns nicht. Die Versicherer kürzen zum Nachteil der Anleger seit Jahren massiv die Überschüsse“, so Edda Castelló und fügt hinzu: „Endlich liegen erstmals die wirklichen Renditen echter regulär ablaufender Verträge vor und die von der Versicherungsbranche regelmäßig veröffentlichen, geschönten Zahlen werden widerlegt.“

Noch kritischer blickt die Verbraucherzentrale in die Zukunft: Wegen gekürzter Schlussüberschüsse und gefährdeter Bewertungsreserven könnten die künftigen Renditen noch weiter absacken. Da zudem drei von vier Lebensversicherungskunden noch vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen, sei die Lage für die Meisten noch ernster, denn die Rückkaufswerte führten häufig direkt zu Verlusten. Daher empfiehlt die Verbraucherzentrale, abgelaufene Policen keinesfalls erneut in Rentenversicherungen anzulegen, sondern stattdessen zu klassischen Sparformen zu greifen.

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