Stille Verlierer

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Wie viele Fonds haben 2007 ihr qualitatives Rating eingebüßt?

Ein neuer Stern, ein neuer Buchstabe, eine neue Medaille – kaum ein Fondsanbieter lässt sich die Gelegenheit entgehen, durch gute Leistungen erworbene Auszeichnungen an die Öffentlichkeit zu tragen. Um­gekehrt hängt keine Gesellschaft es an die große Glocke, wenn einer ihrer Fonds im Urteil der Analysegesellschaften herabgestuft wird.
Dies gilt umso mehr, wenn es sich um ein qualitatives Rating handelt. Anders als beispielsweise die bis zu fünf Sterne von Morningstar basieren die Gütesiegel von Standard & Poor’s (A, AA oder AAA) und Sauren Fonds-Research (bis zu drei Goldmedaillen) nicht allein auf der risikoadjustierten Performance, sondern auch auf der Beurteilung des Fondsmanagers und seines Teams. Senken die Tester den Daumen, geht es meist um mehr als um einen vorübergehenden Durchhänger: Entweder reagieren sie damit auf einen Managerwechsel, oder sie haben das Vertrauen in dessen Fähigkeit verloren, auch künftig Top-Ergebnisse zu erwirtschaften.
Im vergangenen Jahr hat S&P insgesamt 126 Rating-Abstufungen vorgenommen, 37 Fonds wurde das Rating komplett entzogen. Zu erkennen ist dies am alarmierenden Kürzel NR für Not Rated, mit dem die Analysten das jeweilige Produkt in ihren Veröffentlichungen zwölf Monate lang belegen. Prominente Opfer sind unter anderem der Fidelity European Aggressive, der MLIIF European von Blackrock, der Pictet Small Cap Europe und der Uni Favorit Aktien. Beim letztgenannten Fonds war der Wechsel des preisgekrönten Managers Olgerd Eichler von Union Investment zu Main First ausschlaggebend.
Anders als bei S&P verschwindet bei Sauren Fonds-Research ein nicht mehr mit einem Rating bedachter Fonds sofort von der Liste. Abgänge sind folglich nur durch einen Abgleich mit älteren Ausgaben zu identi­fizieren. Im Lauf des Jahres 2007 mussten dort insgesamt 22 Manager ihre zuvor erworbenen Medaillen abtreten – überwiegend, weil sie wie Lilian Co (ehemals Barings), John Botham (Henderson) oder ganz aktuell Murdo Murchison (Franklin Templeton) keinen in Deutschland erhältlichen Fonds mehr betreuen. In weiteren zwölf Fällen nahm Sauren eine Abstufung vor. Statt mit drei dürfen sich beispielsweise Jürgen Kirsch (Griffin Eastern European) und Tom Stubbe Olsen (Nordea European Value) nur noch mit zwei Medaillen schmücken. „Selbst das ist jedoch immer noch ein hervorragendes Urteil“, betont Firmengründer Eckhard Sauren. Mit dem Fidelity Euro­pean Aggressive und dem GAM Star American Equity gibt es nur zwei Fonds, die 2007 sowohl ihr S&P- als auch ihr Sauren-Rating verloren haben. Das liegt zum Teil an der  unterschiedlichen Abdeckung des Fondsuniversums, zum Teil aber auch an konträren Auffassungen. Beispiel: Der Nebenwertefonds Ennismore European Smaller Companies, bei S&P von A auf NR herabgestuft, ist Sauren weiter drei Goldmedaillen wert.
Im langfristigen Vergleich seit der Auflage Anfang 1999 betrachtet, hinterlässt der überwiegend von Geoff Oldfield und Arne Vigeland betreute Fonds einen exzellenten Eindruck. Seit 2003 verlor er gegenüber dem Durchschnitt seiner Vergleichsgruppe jedoch mehr und mehr an Boden. „Wir haben uns in einem persönlichen Gespräch überzeugen lassen, dass der Ansatz nach wie vor funktioniert“, verteidigt Sauren das Festhalten an der Bestnote. Darüber hinaus sei der Fonds aufgrund seines Absolute-Return-Charakters nur sehr bedingt mit anderen europäischen Nebenwertefonds vergleichbar.

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