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»Stillstand ist keine Option«

Christian Machts, Geschäftsführer und Head of Wholesale Deutschland, Fidelity International
Christian Machts, Geschäftsführer und Head of Wholesale Deutschland, Fidelity International | Foto: Fidelity

DAS INVESTMENT: Sie sind verchippt – Wie lebt es sich mit einen Chip unter Ihrer Haut?
Christian Machts: Hervorragend, ich bin immer bereit, neue Dinge zu probieren und neue Technologien zu testen. Der Chip ist im Alltag nicht spürbar, eröffnet aber viele Möglichkeiten und zeigt, was mal machbar sein wird. Das ist wirklich spannend.

Warum haben Sie das machen lassen?
Machts: Aus Neugier. Wir alle sollten offen für neue Technologien sein, sie verstehen und gegebenenfalls nutzen. Voreingenommenheit oder gar Angst kann in manchen Bereichen dazu führen, dass man den Anschluss verliert.

Wie stehen Sie dem technologischem Fortschritt gegenüber?
Machts: Offen, aber immer mit gesundem Menschenverstand. Nicht alles, was geht, muss auch sein. Der Fortschritt sollte uns helfen, uns unterstützen und unser Leben einfacher machen. Dann stehe ich Innovationen auch sehr offen gegenüber. Es ist keine Option, sich pauschal zu verschließen…

Was kann man denn kritisch sehen?
Machts: Für mich ist technologischer Fortschritt immer verbunden mit der Vereinfachung und Erleichterung unseres Lebens. Ob jede Entwicklung wirklich in diese Richtung geht, kann man diskutieren.

Schauen Sie manchmal neidisch gen USA? Wir wollen Altersteilzeit, die ein ewiges Leben und Ferien im Weltall?
Machts: Das ewige Leben ist ein Menschheitstraum, warum soll es also nicht
möglich sein, sich mit dieser Frage zu beschäftigen? Deutschland kann von
den Vereinigten Staaten viel lernen und aufgeschlossener und visionärer in vielen Bereichen sein. Die USA sind sicher auch bedingt durch die unfassbaren Profite, die bisher im Bereich Technologie erzielt wurden,
für diese Offenheit belohnt worden. Diese Profite zu reinvestieren, um Innovationen und Fortschritt in anderen Sektoren zu realisieren, halte ich für absolut richtig.

Das großartigste Land ist? Sie müssen für Kultur, Lage, Sehenswürdigkeiten, Essen, Menschen und gesellschaftliches Leben jeweils bis zu 10 Punkte verteilen. Welches Land sammelt am meisten ein und hat unterm Strich die meisten Punkte?
Machts: Für mich Deutschland, hier bin ich aufgewachsen, das Land hat mir viele Chancen ermöglicht und mir einen stabilen Rahmen gegeben. Die reiche Geschichte entdecke ich gerne, wie auch Essen und Trinken. Ich gebe aber zu, dass kulinarisch Italien schon noch etwas mehr zu bieten hat.

Wo gab es besonders viele Punkte?
Machts: Bei den Menschen. Die meisten Menschen, die mir wichtig sind, leben hier. Zwischenzeitlich gibt es auch viele Freunde in UK, in den USA und anderenorts auf der Welt, aber die Menschen machen den Unterschied für mich.

Was ist denn für Sie besonders wichtig im gesellschaftlichen Zusammenleben?
Machts: Leben und leben lassen, friedlich miteinander auskommen und dabei persönliche Freiheiten ausleben, soweit das machbar ist. Auch Vertrauen und eine positive Vision von der Zukunft sind für mich zentrale Elemente.

Könnten Sie sich vorstellen, mal für sechs Monate in eine WG zu ziehen? Großes Haus mit mehreren Familien?
Machts: Ja, absolut. Letztlich ist es doch egal, wo und wie man wohnt, solange man glücklich ist, geliebte Menschen um sich hat und seine innere Ruhe findet – ganz einfach und doch so schwer.

Vorteile und Nachteile an diesem etwas alternativen Leben?
Machts: Ich bin gerne mit Menschen zusammen, tausche mich aus, höre mir
an, was sie zu erzählen haben, und hole mir Rat. Ich könnte mir vorstellen, kleine Ruheoasen zu finden, was in so einer Konstellation manchmal schwer ist.

Denken Sie manchmal über solche Lebensmodelle
nach?
Machts: Ich denke, wir sollten niemals stillstehen und uns über jedes Modell
und das Leben aktiv Gedanken machen, nur so entwickelt man sich weiter, bleibt Christian Machts in einer Lernkurve und baut damit sein
Potenzial aus, ist somit offen in viele Richtungen. Aber ich muss gestehen, für die Gründung des eigenen Unternehmens hat mir bisher die zündende Idee gefehlt.

Mit wem würden Sie gern mal ein paar Tage tauschen? Lebende Person? Historische Person und warum?
Machts: Ich würde sehr gerne mal ein paar Tage mit Jeff Bezos tauschen. Er hat einen Weltkonzern aus dem Nichts aufgebaut, hat eine alte Industrie ersetzt und bleibt bis heute ein Visionär. Ich könnte viel von ihm lernen über Einstellung, Grenzen im Denken und Leadership.

Kommen Sie zum Lesen?
Machts: Ja, aber leider nicht oft genug.

Was liegt denn auf dem Nachttisch oder
am Sessel?
Machts: Neben dem neuen Buch von Frank Schätzing („Was ist, wenn wir einfach die Welt retten“), lese ich derzeit „Die Zukunft ist dezentral“, denn wir alle sollten die Grundlagen von DeFI verstehen.

Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?
Machts: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert von Yuval Noah Harari, ein beein beeindruckendes Buch, auch beängstigend von der Zukunftsvision her, die er aufzeigt, ein Buch, was mir nachhaltig in Erinnerung
geblieben ist.

Haben Sie eine Lebensweisheit aus der Corona-Krise gezogen?
Machts: Hinterfrage dich selbst und prüfe, ob das, was gerade ist, noch passt oder ob es nicht einer Änderung bedarf, beruflich wie privat. Ich bin nicht sicher, ob das allein mit Corona in Verbindung steht, aber es gab doch einfach viel Zeit, um zu reflektieren …

Vielen lieben Dank für das Gespräch. Zum Schluss noch ein paar Quickies.
Arbeiten Sie lieber mit Windows oder Mac?
Machts: Mac

Elektro, Hybrid oder Verbrenner?
Machts: Hybrid

Lieber ans Meer oder auf den Berg?
Machts: Meer

Lieber Menü oder Currywurst?
Machts: Menü

Buch oder Kindle?
Machts: Buch.

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