Themen
TopThemen
Fonds
Datentools
Mediathek
Märkte
Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender Finanz-Charts Globale Märkte Krypto-Kurse (in Echtzeit) Währungen (in Echtzeit)
Reisende mit Atemschutzmasken an Bahnhof in Peking: Rund um das chinesische Neujahrsfest verreisen traditionell viele Menschen in China. | © Getty Images Foto: Getty Images

Stimmen von Finanzprofis

Wie sich das Coronavirus auf die Wirtschaft auswirkt

An dem neuartige Coronavirus sind in China laut aktueller Zahlen mehr als 100 Menschen gestorben, etwa 4.500 haben sich infiziert. Die Volksrepublik hat drastische Maßnahmen ergriffen, um die Krankheit einzudämmen. So wurden mehrere Millionenstädte unter Quarantäne gestellt. Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus schlägt sich bereits an den Börsen nieder.

„Die chinesische Wirtschaft befindet sich derzeit ohnehin – wie auch die Weltwirtschaft insgesamt – in einer Schwächephase. Je länger der Ausnahmezustand – sprich: das Reiseverbot in China – anhält und je weiter sich das Virus ausbreitet, desto gravierender werden die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sein“, schreiben dazu die Commerzbank-Ökonomen Christoph Balz, Bernd Weidensteiner und Marco Wagner. Die weltweite Vernetzung und der Tourismus tragen zu einer schnellen Verbreitung des Virus bei. Gleichzeitig geben die Analysten aber Entwarnung: Die medizinischen Möglichkeiten seien besser als bei Pandemien der Vergangenheit. Zudem habe die chinesische Regierung rasch reagiert. „Daher rechnen wir derzeit nicht damit, dass es zu gravierenden und anhaltenden ökonomischen Folgen kommt“, so das Fazit der Ökonomen.

Experten von Union Investment befürchten, dass sich die chinesischen Makrozahlen durch die Ausbreitung des Virus weiter verschlechtern. Üblicherweise seien die privaten Konsumausgaben an den Feiertagen rund um das chinesische Neujahrsfest besonders hoch. Die in dem Land getroffenen Maßnahmen lassen das Union Investment Committee, das die Kapitalmarktstrategie der Gesellschaft festlegt, aber davon ausgehen, „dass es zu keiner massiven globalen Epidemie kommen sollte“. Nach einem insgesamt freundlichen Jahresstart an den Kapitalmärkten zeige sich aber, dass die globalen Aktienmärkte sehr anfällig für Korrekturen geworden seien. Erstmals seit Ausbruch des Virus konnten in der vergangenen Woche die IT-Schwergewichte trotz guter Quartalsergebnisse den Gesamtmarkt nicht weiter nach oben ziehen oder zumindest stabil halten, so die Analyse.

„Mit der Verbreitung des Coronavirus ist aktuell eine weitere potenzielle Belastung der Weltwirtschaft hinzugekommen“, urteilt auch Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Je nach Verbreitung des Virus, könnten die jüngsten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung in Deutschland, der Eurozone und China größere Rückschläge erleiden, so Mumm weiter.

Die Ausbreitung in China nehme „besorgniserregende Ausmaße“ an, schreibt der Vermögensverwalter Quant Capital Management. Für die Volkswirtschaft sei das eine ernste Bedrohung, die das ohnehin schwache Wachstum weiter herunterziehen könnte. Das könne weltweite Folgen haben „Für die chinesische Wirtschaft ist der Zeitpunkt in etwa so, als käme im Westen das Weihnachtsgeschäft zum Erliegen“, sagt Geschäftsführer Ivan Mlinaric. Das betrifft vor allem Einzelhandel, Reisebranche und Unterhaltungsindustrie. „Das BIP-Wachstum ist in China mit 6,1 Prozent bereits so niedrig wie seit fast 30 Jahren nicht mehr“, so Mlinaric. Das Risiko für eine wirtschaftliche Ansteckung der gesamten Welt sei hoch, urteilt der Quant-Capital-Chef.

„Kurzfristig werden die Märkte weiter vom Nachrichtenfluss rund um das sich weiter ausbreitende Coronavirus getrieben“, sagt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Der private Konsum in China, der in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Stütze des Wachstums geworden sei, könne aufgrund des Virus und der Quarantäne für mehr als 40 Millionen Menschen im ersten Quartal spürbar schwächer ausfallen als befürchtet. „Sollte Chinas Regierung dies zum Anlass nehmen, um fiskalpolitisch gegenzusteuern, wäre wohl zumindest der negative Einfluss des Virus auf die Finanzmärkte nicht nachhaltig“, so Herrmann.

nach oben