Stimmen zum Euro-Gipfel: „Drei Billionen statt eine Billion nötig“

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Ob es der große Wurf war, werden Geschichtsschreiber erst im Rückblick  entscheiden können. Jedenfalls schnürten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre europäischen Kollegen vergangene Nacht ein Maßnahmenbündel, das es in sich hat: Die Ergebnisse des Euro-Gipfels umfassen einen Schuldenschnitt für Griechenland um 50 Prozent, eine höhere Eigenkapitalquote für Europas Banken ab Juli 2012 und  einen Hebel für den Rettungsschirm EFSF, der dessen Kapitalvolumen auf eine Billionen Euro anschwellen lässt.

Die Märkte regierten nahezu euphorisch. Der Euro Stoxx 50 legte um 6,1 Prozent, der Dax um 5,4 Prozent zu und erreichte ein Dreimonatshoch. Am Handelsende stand er bei 6.337 Punkten. Auch der Euro ging gestärkt aus dem Handel heraus. Dazu stimmen aus der Branche:

Mark Burgess, Threadneedle: „Der Umfang der Ergebnisse des Euro-Gipfels stimmt und den Politikern sollte applaudiert werden. Der Zusammenbruch Europas ist vom Tisch.”

Hans-Peter Burghof, Universität Hohenheim:
„Dieser Gipfel hat kein Problem gelöst und nur Zeit gewonnen. Die Krise geht natürlich weiter. Europa hat eine Hängematte für die Schuldenländer aufgespannt, die sich auch prompt hineinwerfen werden – und nach wie vor gibt es keine Sanktionsmöglichkeit, um sie zu bestrafen."

Max Otte, Leiter des Instituts für Vermögensentwicklung: „Die Randstaaten Spanien, Griechenland und Portugal gehören einfach nicht in die Eurozone. Die Griechen stehen in spätestens zwei bis drei Jahren wieder auf der Tagesordnung."

Anja Mikus, Universal Investment: „Die Ergebnisse sind weitreichend und entsprechen dem, was der Markt erwartet hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vom großen Wurf kann allerdings keine Rede sein.“

Michael Kappeler, LGT Capital Management: „Eine dauerhafte, umfassende Lösung brachte der EU-Gipfel nicht. Zwar ist die Gefahr einer europäischen Bankenkrise vorerst gebannt, aber die strukturellen Probleme sind nicht gelöst. Eine noch stärkere Beteiligung privater Gläubiger würde ich künftig nicht ausschließen.“

Steen Jakobsen, Saxo Bank: „Die Summe, um die der Rettungsschirm gehebelt werden soll, steht noch immer nicht fest. Um einen ausreichend großen zu schaffen, ist ein Betrag von 3 Billionen statt eine Billion Euro nötig.“

Philipp Häßler, equinet Bank: „Ich sehe die aktuellen EU-Beschlüsse als positive Nachricht für die deutschen Banken. Wichtig wird allerdings in den nächsten Wochen sein, dass sich vor allem Italien zu weiteren Reformen und Sparbemühungen durchringen wird - ohne diese Maßnahmen ist eine dauerhafte Beruhigung der Märkte unwahrscheinlich.“

Frank Fischer, Shareholder Value Management: „Die Einigung von Brüssel setzt einen Impuls, der viel Cash in die Märkte zurücktreiben wird. Dem massiven Druck zu investieren dürfte sich so kurz vor Jahresende kaum ein festangestellter Fondsmanager entziehen können. Wer es doch tut, geht ein echtes Job-Risiko ein.“

Johannes Müller, DWS, gegenüber der FAZ:
„Ob sich eine andauernde Rally am Aktienmarkt an die Gipfelbeschlüsse anschließt, hängt natürlich von den Details ab. Außerdem gibt es für diese Anlageklasse Gegenwind aus dem sich tendenziell abschwächenden Wachstum diesseits wie jenseits des Atlantiks.“

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