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in Kommentare der RedaktionLesedauer: 5 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Strategiefonds: Flexibel, dynamisch – und ernüchternd

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Je mehr Freiheiten, desto bessere Ergebnisse? Diese Erwartung findet DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf bei der langfristigen Analyse von Multi-Asset- und Strategiefonds nicht bestätigt. | Foto: DAS INVESTMENT

Karminrot und rabenschwarz – das sind zweifellos die Modefarben des Anlagejahres 2022. Erstere steht für das unter dem Strich satte Minus bei nahezu sämtlichen eingegangenen Investments, letztere für die kurz- und mittelfristigen Prognosen der meisten Analysten. Der Krieg in der Ukraine, Chinas stotternde Wirtschaft, Inflation und Rezession lassen auch für 2023 nur wenig Gutes erwarten.

Wie wenig Verlass freilich auf Prognosen ist, wenn Rahmenbedingungen sich plötzlich ändern, haben die vergangenen zwölf Monate anschaulich gezeigt. Einer Ende 2021 durchgeführten „Handelsblatt“-Befragung unter 19 führenden Banken und Vermögensverwaltern zufolge sollte der Dax in den kommenden Wochen eigentlich auf den Jahresendstand von 17.068 Punkten zusteuern. Und anders als von den meisten Experten angenommen boten Anleihen 2022 keinen Schutz vor abstürzenden Aktienkursen. Im Gegenteil: Der Renten-Index Rex fiel zwischen Januar und Oktober zeitweise um mehr als 12 Prozent. Besonders hart traf es Langläufer wie eine noch bis 2120 laufende Anleihe der Republik Österreich, die mit einem Kurs von 86 Prozent ins neue Jahr ging und Mitte Oktober bei 39 Prozent notierte.

Neben Aktien und Anleihen verloren auch Kryptos und Immobilien an Wert. Von Tagesgeldkonten oder dem traditionellen Sparbuch ganz zu schweigen, an denen die im Oktober auf über 10 Prozent gestiegene Inflation beständig nagt. Abgesehen von extrem zyklischen Energiefonds oder auf Exoten-Märkte wie die Türkei zugeschnittene Spezialitäten gab es dadurch im Fondsbereich überhaupt nur zwei Segmente, die 2022 nennenswert zulegen konnten: Auf US-Dollar lautende Geldmarktfonds sowie Short-Produkte, die jedes Minus am Aktien- oder Rentenmarkt spiegelbildlich in ein Plus verwandeln.

Auf den Dollar hätte man kommen können, auf Gegenwind für die Börsen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine sowie fallende Anleihekurse aufgrund der rasant anziehenden Inflation auch. Wohl dem also, der sich Ende Februar entsprechend positioniert hat. Eine Ausgangslage, wie gemacht für flexible Strategiefonds, deren Manager alle nur erdenklichen Freiheiten genießen – sollte man meinen. Tatsächlich zogen einige in den Kategorien „Multi-Asset-Strategie Makro dynamisch“ oder „Multi-Asset-Strategie systematisch dynamisch“ beheimatete Manager alle Register und schafften seit Januar einen Wertzuwachs von zum Teil deutlich über 50 Prozent. Hedgefonds-Veteran Crispin Odey konnte beim Spitzenreiter Odey Swan Fund den Anteilspreis binnen zehn Monaten sogar mehr als verdoppeln.

Blickt man jedoch auf den Durchschnitt der im jeweiligen Sektor vertretenen Fonds, kehrt schnell wieder Ernüchterung ein. Den nämlich ziehen Rohrkrepierer wie der D&R Best-of Multiple Opportunities (minus 19,6 Prozent seit Jahresbeginn) oder der AS Dynamic Multi Asset Growth (minus 18,5 Prozent) in höchst mediokre Gefilde. Über fünf Jahre liegen beide Fonds ebenfalls im Minus, genauso wie die milliardenschweren Publikums-Lieblinge Invesco Balanced-Risk Allocation und JPM Global Macro Opportunities. Und der 2022 so überragend gelaufene Odey Swan Fund? Dort steht zwar für fünf Jahre unter dem Strich ein dickes Plus. Wer jedoch bereits bei der Auflegung im März 2013 dabei war, muss immer noch die zwischen 2015 und 2021 aufgelaufenen Verluste aufholen. Anfang November fehlten noch gut 11 Prozent zum Einstandswert.

Verspürt angesichts derartiger Zahlen irgendjemand das Bedürfnis, aktuell einen ganz frisch gestarteten Strategiefonds wie den Ansa Global Q Equity Market Neutral oder den Sturdza Strategic Long Short ins Portfolio zu nehmen? Ich für meinen Teil halte für 2023 lieber Ausschau nach solide gemanagten Long-Only-Fonds, vorzugsweise aus von vielen Marktteilnehmern gnadenlos abverkauften Kategorien wie „Aktien Deutschland“ oder „Aktien Europa Nebenwerte“. Und schaue in fünf Jahren gern nach, welche Strategie die erfolgreichere war.

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