Schlechter Indikator Risikoklasse 2 – die scheinbare Sicherheit

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„Defensive Fonds leiden derzeit stark“, bestätigt auch Björn Drescher, der mit seinem Unternehmen Drescher & Cie. den Fondsmarkt genau beobachtet. „Das Grundrauschen aus den Zinskupons ist nicht mehr da, deshalb ist es eine sehr undankbare Aufgabe geworden, risikoarme Erträge zu erwirtschaften.“

                                      Quelle: Morningstar

Undankbar deshalb, weil Fondsmanager entweder einen jährlichen Verlust ausweisen oder höhere Risiken eingehen müssen. Letzteres kann entweder über leicht länger laufende Anleihen passieren oder aber über schwächere Kreditschuldner, die bekanntlich höhere Zinsen für Kredite zahlen müssen als Premiumschuldner. Beides bringt höhere Renditen, also wieder zählbares Grundrauschen. Stichworte: Zinskurve und Rating-Leiter. Zurzeit können sie das auch noch machen, ohne gleich in eine höhere Risikoklasse aufzusteigen. Ein beliebtes Beispiel sind sogenannte Short-Duration-High-Yield-Fonds, die Hochzinsanleihen mit kurzen Restlaufzeiten enthalten.

Das funktioniert nicht zuletzt deshalb, weil die EZB über ihre Geldpolitik und jahrelange Anleihekäufe sämtliche Anleihemärkte in ein kollektives Koma versetzt hat. Die Volatilitäten liegen historisch extrem niedrig (siehe Chart). Doch das geht vorbei. Die EZB kauft schon deutlich weniger Anleihen als noch vor einem Jahr. Die Renditen sind bereits sichtlich gestiegen, die Kurse starteten turbulent ins Jahr 2018. Und werden die Vola steigen lassen.

Rein aus schwankungstechnischen Gründen gehen zumindest Kurzläufer hoher Qualität (Investment Grade) sicherlich in Ordnung. Gemessen an einem Anleihe-Index erreichten solche Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von einem bis drei Jahren selbst in der Finanzkrise eine Volatilität von lediglich 2,5 Prozent.

                                        Quelle: Morningstar

Heikel wird es schon bei Hochzinsanleihen. Hier gibt es einen währungsgesicherten Index für Durationen von null bis zwei Jahren, der 2008 mit mehr als 11 Prozent fieberte. Das wäre dann RK 5 und nicht mehr im Sinne einer sehr defensiven Anlage. Es ist also eine sehr wichtige Frage, wie der Fondsmanager dosiert und welche Sicherungssysteme er in der Hinterhand hat.

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