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Stresstest: 10 Prozent der Versicherer bräuchten im Krisenfall 4,4 Milliarden Euro

Das Eigenkapital der europäischen Versicherungsgesellschaften liegt zusammengerechnet weit über den Mindestanforderungen. Das ergab der zweite Versicherungs-Stresstest, den die EU-Aufsichtsbehörde Eiopa durchgeführt hat.

Insgesamt nahmen 58 Versicherungskonzerne und 71 Einzelunternehmen, deren Marktanteil bei 60 Prozent liegt, an der Simulation teil. Die Aufsichtsbehörde spielte drei Risikoszenarien durch, deren Annahmen zum Teil mit denen des Stresstests für Europas Banken identisch sind.

Zu den Annahmen gehörten ein scharfer Zinsrückgang sowie ein Einbruch an den Aktienmärkten und bei den Immobilienpreisen. Auch die Entwicklung bei einem inflationären Schock oder einem Wertverlust beziehungsweise Ausfall von Staatsanleihen aus bestimmten Ländern wurden untersucht. Naturkatastrophen, Pandemien und der mögliche Ausfall von Rückversicherern wurden ebenfalls in die Krisenszenarien einbezogen.

Die beteiligten Gesellschaften weisen laut Eiopa ein Kapital von insgesamt 577 Milliarden Euro auf. Die Mindestkapitalanforderung beträgt jedoch nur 152 Milliarden Euro. Somit liegt der sogenannte Solvenzüberschuss bei 425 Milliarden Euro. Sollten die erwarteten Stressszenarien eintreten, würden die Gesellschaften davon laut Berechnungen zwischen 33 und 150 Milliarden Euro einbüßen.

Ein weniger optimistisches Bild ergibt sich, wenn man die einzelnen Gesellschaften betrachtet. Während viele der untersuchten Unternehmen über genügend Reserven für den Notfall verfügen, müssten 10 Prozent der europäischen Versicherer im Fall einer schweren Krise insgesamt etwa 4,4 Milliarden Euro an frischem Geld auftreiben oder ihr Geschäftsmodell ändern.

Welche Versicherer das sind, gibt Eiopa, anders als beim Banken-Stresstest, nicht preis. Laut Medienberichten soll das bei künftigen Tests nach Einführung der Eigenkapitalregeln Solvency II ab 2013 anders werden.
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