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Gewinne eingebrochen Studie: Asset Manager müssen sich auf härtere Zeiten einstellen

Wolken über dem Finanzviertel von New York
Wolken über dem Finanzviertel von New York: Dort haben auch große, weltweit tätige Investmenthäuser ihren Sitz. | Foto: Imago Images / Design Pics

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Asset Manager von der Nullzins-Politik der Zentralbanken profitiert, die globale Märkte angetrieben hat und die Gewinne der Branche steigen ließ. Damit war 2022 Schluss: Die Zinsen gingen rauf, Aktien- und Anleihewerte brachen ein. Wie stark das vergangene Jahr Asset Managern rund um den Globus zugesetzt hat, verdeutlicht eine Auswertung der Beratungsfirma Boston Consulting Group. Demnach ist das weltweit verwaltete Vermögen der Investment-Gesellschaften im Vorjahresvergleich um 10 Prozent auf 98 Billionen US-Dollar gefallen. Die Gewinne gingen sogar um 27 Prozent zurück – von 73 Milliarden US-Dollar auf 53 Milliarden US-Dollar.

„Die Vermögensverwaltungsbranche ist an einem Wendepunkt angelangt“, sagt Chris McIntyre, BCG-Geschäftsführer und Partner, einer der Verfasser der Marktanalyse. Unternehmen müssten ihre Arbeitsweise überdenken, wenn sie an das Gewinnwachstum vergangener Jahre anknüpfen wollten. „Die Märkte sind voller wirtschaftlicher Unsicherheiten, und die Technologie verändert die Art und Weise, wie Finanzdienstleister ihre Kunden betreuen, rapide“, so der BCG-Branchenexperte.

Gebühren sinken, Kosten steigen

Eine Herausforderung für die Investmenthäuser: Sinkende Gebühren bei steigenden Kosten. Dafür verantwortlich sei auch die wachsende Beliebtheit passiv gemanagter Fonds, die besonders in den USA massiv Marktanteile gewonnen hätten. In Europa machen ETFs derzeit ein Fünftel des Fonds-Marktes aus, heißt es.

Auch bei aktiven Fonds steige angesichts des großen Angebots der Druck, Produkte günstiger anzubieten, schreiben die Studienautoren. So seien die durchschnittlichen Gebühren seit 2010 um mehr als 15 Prozent gesunken – den Fondsgesellschaften entgingen damit Erträge in Höhe von 55 Milliarden Dollar. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren habe die außerordentliche Markt-Performance die sinkenden Gebühren ausgleichen können – diese Zeiten seien aber vorbei.

 

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Zudem monieren die Studienautoren, dass Produkt-Innovationen der Branche oft ins Leere liefen. Anleger greifen demnach lieber auf etablierte Produkte zurück. So seien 75 Prozent des weltweiten Gesamtvermögens von Investmentfonds in Produkten angelegt, die mindestens zehn Jahre alt seien. Weniger als 40 Prozent aller Fonds, die in den vergangenen zehn Jahren aufgelegt wurden, seien noch am Markt.

Fondsbranche muss sich wandeln

Reagieren Asset Manager nicht auf die Marktveränderungen, so die Prognose von BCG, werde sich ihr jährliches Gewinnwachstum – verglichen mit dem Branchendurchschnitt der vergangenen Jahre – von 10 auf 5 Prozent halbieren. Um an alte Erfolge anzuknüpfen, müssten Vermögensverwalter ihre Kosten insgesamt um 20 Prozent senken und ihren Umsatzmix so verändern, dass sie mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit margenstärkeren Produkten erzielen, heißt es von BCG.

Die Branchenexperten der Unternehmensberatung halten drei Themen dabei für entscheidend:

  • Rentabilität: Die Fondsgesellschaften müssten rentabler werden. Basis dafür sei eine umfangreiche Analyse aller Kosten, zudem sollte der Fokus laut BCG auf Kostenoptimierung statt reiner Ausgabenkürzung liegen.
  • Private Märkte: Investmenthäuser sollten auf wachstumsstarke alternative Anlagen setzen. Entsprechende Investments machten bereits die Hälfte der weltweiten Erträge der Branche aus – Tendenz steigend. Unternehmen, die in den Bereich einsteigen wollen, könnten dies auf vier Wegen tun: einen solchen Bereich intern aufbauen, mehrere Unternehmen kaufen und eine Tochtergesellschaft oder Boutique-Struktur nutzen, ein in diesem Bereich tätiges Unternehmen kaufen und es unabhängig betreiben oder Partnerschaften eingehen.
  • Personalisierung: Fondshäuser sollten sich Technologien zunutze machen, die personalisierte Kundenansprache und Produkte möglich machen, heißt es. Mit auf Kunden abgestimmten Vertriebs- und Marketingmaßnahmen ließen sich Umsätze deutlich steigern, heißt es in der Studie.

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