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Studie des FvS Research Institute zum Sparverhalten Deutsche wollen das Richtige und tun das Falsche

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Jeder zweite will mehr als 3 Prozent Rendite im Jahr

Die Renditeerwartung der Sparer spiegelt die Vorliebe für die Geldanlage in Nominalwerte hingegen nicht wider. Geht man im aktuellen Marktumfeld von einem Zinssatz für Nominalwerte wie Sparbuch, Festgeld oder Bundesanleihe von etwa 0,5 Prozent jährlich aus, ergibt sich ein großer Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 75 Prozent der Befragten erwarten eine Rendite auf ihre Ersparnisse von über 2 Prozent pro Jahr. In dieser Gruppe von 75 Prozent der Befragten wünschen sich wiederum zwei Drittel eine Rendite von über 3 Prozent im Jahr – das sind in der Gesamtmenge mehr als die Hälfte aller Sparer.

Dax-Dividenden gehen zumeist auf ausländische Konten

„Milliarden Euro liegen auf zinslosen Konten, jahrelang ungenutzt“, so Thomas Mayer vom Flossbach von Storch Research Institute. Angesichts der außerordentlich hohen Sparbuch- und Girokonto-Rücklagen der Deutschen macht er eine einfache Rechnung zu den volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser mangelnden Balance bei der privaten Vermögensaufteilung auf: „Laut Bundesbank liegen aktuell gut 2,16 Billionen Euro auf gering verzinsten Sparkonten. Weitere 208 Milliarden Euro horten die Deutschen als Bargeld. In der Summe sind das fast 800 Milliarden Euro mehr als noch vor zehn Jahren. Wenn die deutschen Sparer nur die Hälfte ihrer Geldreserven in deutsche Aktien investieren würden, könnten sie den gesamten Aktienbestand aller im Dax gelisteten Unternehmen kaufen. Dann wären die Deutschen im Besitz eines nennenswerten Anteils des Produktivvermögens ihres Landes.“

Doch schon seit Jahren ist die Mehrzahl der Dax-Aktien im Besitz von Investoren aus dem Ausland. Somit gehen die Dividendenausschüttungen der 30 Dax-Konzerne, die 2018 erneut auf ein Rekordhoch gestiegen sind, am Gros der deutschen Anleger vorbei: Rund 37 Milliarden Euro zahlen die Unternehmen ihren Aktionären in diesem Jahr; 15 Prozent mehr als 2017. Im Frühjahr 2019 dürften die Dax-Konzerne trotz schwächelnden Welthandels sogar rund 38 Milliarden Euro – und damit eine Milliarde Euro mehr als zuletzt – ihren Aktionären überweisen.

Verhängnisvolle Vorliebe für Nominalwerte

Deutsche Geldanleger haben eine verhängnisvolle Präferenz für Nominalwerte, die sich auch im zehnten Jahr der Niedrigzinspolitik nur ansatzweise verändert hat. Risiko in der Geldanlage wird mit Volatilität gleichgesetzt. Paradox ist in dieser Situation die Erwartungshaltung einer jährlichen Rendite bis zu 3 Prozent, trotz erhöhter Inflation. Thomas Mayer kann sich diese Diskrepanz nur mit einem mangelnden Wissen über grundsätzliche Zusammenhänge auf dem Finanzmarkt erklären: „Der deutsche Geldanleger hat nicht nur ein Umsetzungsproblem, sondern vor allem ein Erkenntnisproblem.“

Seiner Einschätzung nach sind die Studienergebnisse vor allem auch deshalb so alarmierend, weil vorrangig diejenigen Anleger renditeschwache Anlageklassen bevorzugen, die eigentlich auf die Erträge aus ihren Ersparnissen angewiesen wären. Frauen etwa, die laut Statistischem Bundesamt im Schnitt weniger als Männer verdienen und geringere Rentenansprüche erwerben. Oder Berufseinsteiger: Sie sehen sich mit unsicheren staatlichen Altersvorsorgemodellen konfrontiert, könnten aber im Verlauf von Jahrzehnten erhöhte Kursschwankungen von renditestarken Anlagen aussitzen. Nicht zuletzt lassen auch Geringverdiener die Chance auf eine Verbesserung ihrer Finanzausstattung verstreichen.

Fazit: Jeder kann Vermögen aufbauen und sich absichern

„Der langfristige Vermögensaufbau wird in erster Linie im Kopf und nicht im Portemonnaie entschieden“, fasst Thomas Mayer sein Resümee zur Studie des Flossbach von Storch Research Institute zusammen. Tatsächlich lassen die Daten der Umfrage den Schluss zu, dass vielen Menschen das notwendige Wissen über grundsätzliche Zusammenhänge fehlt. Deshalb erhoffen sie sich nachhaltigen Anlagerfolg und Sicherheit mit Geldanlagen in Nominalwerten wie Sparbuch oder Girokonto. Doch in einem Umfeld minimaler Zinsen und schleichender Geldentwertung durch Inflation bleibt diese Hoffnung trügerisch.

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