Ein griechischer Bürger protestiert gegen die<br>Rentenreformen. Foto: Getty Images

Ein griechischer Bürger protestiert gegen die
Rentenreformen. Foto: Getty Images

Studie: Die Länder mit dem größten Reformbedarf beim Rentensystem

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AGI hat die finanzielle Nachhaltigkeit staatlicher Rentensysteme in 44 Ländern miteinander verglichen. Ergebnis: Der Reformdruck ist in Griechenland am höchsten. Obwohl das Land wegen des politischen Drucks aus Europa schon Reformen im Rentensystem auf den Weg gebracht hat, ist das durchschnittliche Rentenalter zu niedrig und die Höhe der gesetzlichen Rente im Vergleich zum vorherigen Arbeitseinkommen zu hoch. Das größte Problem der Griechen ist der Altenquotient: Der Anteil der über 65-Jährigen ist im Vergleich zur Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren sehr hoch.

„Die verschlechterten Staatsfinanzen, starke Alterung der Gesellschaft und ein trotz erster Reformen immer noch zu großzügiges Rentensystem sind verantwortlich für die Verschlechterung Griechenlands in dem Ranking“, sagt Brigitte Miksa, Leiterin Internationale Pensionen bei AGI. Andere Probleme haben Indien, China und Thailand. „Im Gegensatz zu Griechenland deckt das staatliche Rentensystem Indien und China nur kleine Teile der Bevölkerung ab, und die Reformschritte gehen noch nicht so weit in diesen Ländern, die Situation zu verändern“, so Miksa. „Thailand hat den vierthöchsten Reformbedarf mit einer sporadischen Rentenversorgung und einem mit 55 Jahren extrem niedrigen Renteneintrittsalter.”

Ihre Sache gut machen dagegen Australien, Schweden, Dänemark, Neuseeland und die Niederlande. „Australien ist mit seinem zweigliedrigen System mit einer schlanken staatlichen Rente auf der einen und einer weit entwickelten kapitalgedeckten Rente auf der anderen Seite am besten im Hinblick auf Belastungen der öffentlichen Haushalte vorbereitet und weist daher den geringsten Reformbedarf auf“, sagt Miksa. Auch in Schweden, Dänemark, Neuseeland und den Niederlanden ist die Bedeutung der kapitalgedeckten Renten hoch.

Deutschland ist zu alt

Deutschland sei auf dem richtigen Weg mit den bisherigen Reformen. Vor allem mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters werde die Belastung der öffentlichen Haushalte gemildert. Trotzdem gehört Deutschland nicht zur Spitzengruppe, weil es zu den Ländern gehört, die die höchsten Altenquotienten haben und auch in 40 Jahren zu den ältesten Ländern gehören wird. „Negativ wirkt sich auch die vergleichsweise hohe derzeitige Belastung aus dem Rentensystem aus sowie eine vergleichsweise hohe Verschuldung“, sagt Brigitte Miksa.

Obwohl also in vielen Ländern Handlungsbedarf besteht, gehen die Reformen aktuell nur schleppend voran. „Die negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf Altersvorsorgevermögen und Volkswirtschaften hat die Entschlossenheit vieler Regierungen im Hinblick auf die Umsetzung von Reformen beeinträchtigt“, sagt Renate Finke, Senior Economist bei AGI und Autorin der Studie. „Einige Länder haben sich in Mittel- und Osteuropa angesichts der dramatisch gestiegenen Verschuldungsquoten bei den Pensionsfonds bedient.“

Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien hätten das Finanzierungsmodell für das Rentensystem wieder geändert und Beiträge von der privat finanzierten zweiten Säule wieder in das Umlageverfahren umgeleitet, um den Staatshaushalt zu stützen. „Wenn diese Maßnahmen den Staatsfinanzen auch kurzfristig Erleichterung verschaffen, so haben sie gleichzeitig die für künftige Rentenzahlungen angesparten Mittel verringert und die langfristige Nachhaltigkeit des Rentensystems geschwächt“, sagt Finke.

So macht man’s richtig

„Die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist zwar kein Patentrezept, scheint aber eine wesentliche Stellschraube zur Verbesserung der finanziellen Nachhaltigkeit von Rentensystemen in vielen Ländern zu sein“, sagt Andreas Hilka, Leiter Europäische Pensionen bei Allianz Global Investors. Und: „Nachhaltige gesetzliche Renten gehen einher mit starken kapitalgedeckten privaten Altersvorsorgekomponenten.“

Hintergrund: Der Pension Sustainability Index (PSI) analysiert den aktuellen Zustand und die Entwicklung staatlicher Rentensysteme anhand von Faktoren wie demografischer Entwicklung, Staatsfinanzen und Gestaltung des Rentensystems. Ein Land mit einem Wert von eins hätte keinen Reformbedarf, ein Wert von zehn bedeutet, dass Reformen unbedingt notwendig sind. Den PSI veröffentlicht AGI seit 2004. Dieses Jahr hat das Fondshaus die Zahl der Länder von 37 auf 44 erweitert. Neu dabei sind Kanada, Neuseeland, Russische Föderation, Türkei, Zypern, Luxemburg und Malta.

Zur ausführlichen Studie geht es hier.

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