LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in FondspolicenLesedauer: 7 Minuten
Headphones
Artikel hören
Geförderte Altersvorsorge
Kosten bei Rürup-Renten: „Produktinformationsblatt zeichnet ein Zerrbild“
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt.

Geförderte Altersvorsorge Kosten bei Rürup-Renten: „Produktinformationsblatt zeichnet ein Zerrbild“

Ruhestand im Urlaubsland
Ruhestand im Urlaubsland: Manche Rürup-Sparer können mit einer höheren Zusatzrente rechnen als gedacht, denn laut einer aktuellen Studie müssen die Anbieter im Produktinformationsblatt teilweise unrealistisch hohe Angaben zu ihren Kosten machen. | Foto: Susanne Weitzhofer / Pixabay

Für die staatlich geförderten Produkten zur ergänzenden Altersvorsorge schreibt der Gesetzgeber eine maximal zweiseitige Information für Verbraucher vor: das Produktinformationsblatt (PIB). Neben einer individualisierten Version gibt es zusätzlich als Muster-PIB, dem Standarddaten zugrunde liegen. Sie weisen jeweils die Effektivkosten eines Produktes aus. Dieser Wert zeigt, wie stark sämtliche enthaltenen Kosten die Rendite drücken – also, was unter dem Strich übrigbleibt. 

Ralf Korn
Ralf Korn © Fraunhofer ITWM

Diese Pflichtangaben zu den privaten Rentenversicherungen allerdings zeichnen kein realistisches Bild der Kosten, mit denen Vorsorgesparer im wirklichen Leben rechnen müssen. Stattdessen zeigen sie theoretische Extremfälle auf, ergibt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM). Die Forscher aus Kaiserslautern haben hierfür verglichen, inwieweit sich die gesetzlich vorgeschriebenen Kostenausweise von den tatsächlichen Ausgaben unterscheiden. 

Auftraggeber der wissenschaftlichen Studie ist der Finanzvertrieb MLP, der Privatkunden unter anderem zur Geldanlage und Altersvorsorge mit Lebensversicherungen berät. Das Unternehmen aus Wiesloch hat auch die erforderlichen Daten von fünf repräsentativen Produktpartnern bereitgestellt. Auf den Prüfstand kamen Basisrenten mit 80-prozentiger Beitragsgarantie beziehungsweise ohne Garantie. Um deren Effektivkosten zu berechnen, wurde eine laufende Beitragszahlung unterstellt. 

Anbieter Produkt Bruttobeitragsgarantie
Allianz Basisrente Investflex  keine
  Basisrente Investflex  80 Prozent
Alte Leipziger AL Fonds-Basis Tarif FR70 keine
  AL Fonds-Basis Tarif FR75 80 Prozent
Nürnberger NFX3208T keine
  NFX3208T 80 Prozent
Stuttgarter Basisrente Performance+ keine
  Basisrente Performance+ 80 Prozent
Volkswohl Bund BFR (Fondspur) keine
  BGR (80%-Beitragsgarantie)  80 Prozent
Quelle: Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM)

 

Das Ergebnis: Die nach den Vorgaben des Bundesfinanzministeriums berechneten Kosten übersteigen die realistischen Werte deutlich. Im Muster-PIB wurde das jeweilige Produkt stets deutlich teurer dargestellt – mitunter sogar bis um das Dreifache überhöht. Denn die Anbieter sind dazu verpflichtet, kostensenkende Effekte auszublenden. Ein Beispiel hierfür sind die häufig vorkommenden Erstattungen von Fondsgesellschaften an den Versicherer, die diese an die Kunden weitergegeben. 

 

Außerdem müssen die Lebensversicherer immer mit den Daten des teuersten Investmentfonds rechnen. Für ihre Vergleichszahlen aus der Praxis verwendeten die ITWM-Forscher hingegen jeweils den iShares Core MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983). Denn dieser ETF wurde von allen Anbietern als meistverkaufter freier Fonds angegeben. Bei den Basisrenten ohne Beitragsgarantie rechneten sie mit jährlichen Fondskosten von 0,2 Prozent und keinen Rückerstattungen von zu viel gezahlten Kosten. 

Hallo, Herr Kaiser!

Das ist schon ein paar Tage her. Mit unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Versicherungen“ bleiben Sie auf dem neuesten Stand! Zweimal die Woche versorgen wir Sie mit News, Personalien und Trends aus der Assekuranz. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

Beispielrechnung zeigt große Unterschiede 

Was das konkret in der Praxis bedeuten kann, zeigt die Studienautoren an einem Beispielfall: Wer beispielsweise einen monatlichen Beitrag von 200 Euro in seinen Rürup-Vertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren einzahlt, dürfte beim Ansatz realistischer Kostensätze eine um bis zu 57.000 Euro höhere Ablaufleistung erhalten als im Muster-PIB angegeben. Bei 40 Jahren Laufzeit würden sich demnach sogar bis zu 127.000 Euro mehr als offiziell ausgewiesen ergeben. 

 

Für ihre Vergleichsrechnung nahmen die Analysten eine Wertentwicklung vor Kosten von 5 Prozent jährlich an. Dies führe bei einer tatsächlichen Kostenbetrachtung zu einer Gesamtablaufleistung von ungefähr 134.000 Euro nach 30 Jahren beziehungsweise 235.000 Euro nach 40 Jahren Laufzeit. Die Effektivkosten liegen demnach bei üblichen 1,23 Prozent bei 30 Jahren Vertragsdauer beziehungsweise 1,03 Prozent bei einer Laufzeit von 40 Jahren. 

„Muster-PIB zeichnen schnell ein Zerrbild“ 

Das für das PIB geltende Maximalprinzip führt aber dazu, dass dort die höchstmöglichen Kosten ausgewiesen werden müssen. Das gilt insbesondere für sogenannte Hybrid-Produkte und fondsgebundene Policen. „Die bestehenden Muster-PIB zeichnen schnell ein Zerrbild – insbesondere bei nicht fachlich versierten Kunden sowie Marktteilnehmenden. Sie eignen sich keinesfalls für allgemeine Aussagen zur tatsächlichen Kostenbelastung von Produkten“, erklärt Ralf Korn, wissenschaftlicher Leiter der Studie. 

Kritik an Studien von Verbraucherschützern 

Der Professor an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik ist, bezweifelt daher die Aussagekraft mehrere Studien von Verbraucherschützern zu Riester-Produkten. Die Autoren vom Bund der Versicherten oder Verbraucherzentrale Bundesverband hätten „auf Basis von Muster-Produktinformationsblättern eigene Berechnungen und Interpretationen zu den Produktkosten vorgenommen“. Das Problem: „Dabei entsteht der Eindruck, es handele sich um tatsächliche Kosten – dies ist aber nicht der Fall.“  

 

„Wir schlagen daher dringend das Erweitern des Kostenausweises vor. So haben Verbraucher die Chance, zwischen theoretischer Obergrenze und realistischem Fall zu unterscheiden“, erklärt Versicherungs- und Finanzmathematiker Korn. „So wäre eine bessere Beurteilungsgrundlage gegeben. Unsere Analyse zeigt Wege auf, wie die Branche und die Politik das konkret umsetzen können. Sie ermöglicht dem Gesetzgeber, kurzfristig sinnvolle Ergänzungen und Anpassungen vorzunehmen.“  

Was ist bei der Altersvorsorge am wichtigsten?

Rendite
0%
Sicherheit
0%
Flexibilität
0%
Nachhaltigkeit
0%
keine Angabe
0%
Tipps der Redaktion