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Studie: Pflege ist eine tickende Zeitbombe

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Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Weil Zukunft Pflege braucht“ der R+V Versicherung auf Basis einer repräsentativen bundesweiten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. „Das Thema Pflege ist eine tickende Zeitbombe und hat eine genauso große Sprengkraft wie das viel diskutierte Thema Altersarmut“, sagt Tillmann Lukosch, Vorstandsmitglied der R+V Krankenversicherung. „Gerade Frauen sind von Altersarmut und vom Pflegerisiko am stärksten betroffen."

Pflege findet vor allem in der Familie statt: 62 Prozent der Deutschen, die pflegebedürftige Angehörige haben, kümmern sich selbst um die Betreuung – meist sind es Frauen. Eine typische Pflegende ist laut R+V-Studie 61 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, pflegt länger als drei Jahre und ist nicht berufstätig.

Frauen stecken beruflich zurück

Frauen stecken im Beruf also oft zurück – mit entsprechenden Konsequenzen für ihre eigene Altersversorgung. Aktuell sind nur 42 Prozent der Frauen, die Angehörige pflegen, überhaupt berufstätig, vorwiegend in Teilzeit. Und von diesen hat die Mehrheit ihre Arbeitszeit reduziert oder flexibler gestaltet, zusammen 52 Prozent. Beträgt die Dauer der Pflege drei Stunden täglich oder mehr, sind es sogar 69 Prozent, die Kompromisse im Job machen.

Immerhin 73 Prozent der berufstätigen Frauen, die Angehörige pflegen, treffen bei ihrem Arbeitgeber auf Verständnis. Trotzdem findet es über die Hälfte der pflegenden Frauen (55 Prozent) schwer, die Pflege mit dem Beruf zu vereinbaren.

Für die meisten Frauen ist Pflege so arbeitsintensiv wie ein Halbtagsjob: 53 Prozent der pflegenden Frauen verbringen täglich drei Stunden und mehr mit der Pflege. Doch auch bei berufstätigen Frauen sind es noch 37 Prozent, die diesen Pflegeaufwand jeden Tag zusätzlich leisten. Und das häufig jahrelang: 40 Prozent der pflegenden Frauen sind schon zwischen drei und zehn Jahren mit Pflege beschäftigt, 9 Prozent sogar länger als zehn Jahre.

Konkrete Wünsche an die Politik


Bei diesen Ergebnissen ist es kein Wunder, dass sich in der Studie 60 Prozent aller Deutschen eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wünschen – und damit knapp die Hälfte mehr als noch vor zwei Jahren (41 Prozent). Und die Bundesbürger sagen auch klar, von wem sie sich dabei Hilfe erwarten: Vor allem vom Staat (78 Prozent), aber auch von den Unternehmen (55 Prozent).

Pflegende Frauen haben an die Politik ganz konkrete Erwartungen – vor allem bei der häuslichen Pflege: An erster Stelle steht eine bessere Unterstützung für Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen (88 Prozent). Dahinter folgen der Wunsch, dass der Staat die Qualität von Pflegeheimen überprüft (80 Prozent), sowie bessere Möglichkeiten, Pflege und Beruf zu vereinbaren (74 Prozent).
Auf der Wunschliste stehen auch eine Erhöhung der Pflegesätze (66 Prozent) und mehr Pflegeheimplätze (47 Prozent).

Sorge ums Vermögen

Die Mehrheit der Frauen, die demnächst mit einem Pflegefall in der Familie rechnet, will auf Erspartes zurückgreifen: 61 Prozent auf das des Pflegebedürftigen, 34 Prozent auf das eigene Sparbuch, 25 Prozent bitten weitere Familienangehörige zur Kasse. Rund ein Drittel (32 Prozent) rechnet damit, dass sie sich wegen der künftigen Pflegekosten finanziell einschränken müssen. Allerdings: 42 Prozent dieser Frauen gehen davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung alles abdeckt.

Dabei wird auch deutlich, dass viele Bürger die gesetzliche Pflegeversicherung mit der freiwilligen privaten Zusatzversicherung verwechseln. 23 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sie bereits eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. In den meisten Fällen dürfte es sich dabei jedoch um die gesetzliche Pflegeversicherung handeln, denn nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherung haben erst rund zwei Prozent der Bundesbürger tatsächlich eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. „Hier ist dringend Aufklärung nötig“, so Lukosch.

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