Immer mehr Verbraucher vertrauen nicht mehr ihrem <br>Finanzberater und nehmen die Geldanlage in <br>die eigene Hand. Quelle: Fotolia

Immer mehr Verbraucher vertrauen nicht mehr ihrem
Finanzberater und nehmen die Geldanlage in
die eigene Hand. Quelle: Fotolia

Studie: Verbraucher entscheiden zunehmend selbst über ihre Geldanlagen

Noch denken Anleger zunächst an Banken, Versicherungen und andere Berater, wenn sie einen professionellen Rat für ihre Geldanlage einholen. Doch das könnte sich bald ändern. Laut einer aktuellen Studie ist das Vertrauen in die Finanzdienstleister seit Mitte 2008 immer weiter gesunken. Immer mehr Anleger entscheiden selbst über ihre Finanzanlagen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die zweite repräsentative Studie zur Qualität der Finanzberatung, die TNS Sofres im Auftrag von Fidelity Worldwide Investment unter mehr als 12.000 Privatanlegern in 14 europäischen Ländern durchgeführt hat.

Demnach hat die Finanzkrise europaweit deutliche Spuren hinterlassen. In Deutschland gaben mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) an, dass sie ihrem Finanzberater heute weniger vertrauen als 2008. Damit ist das Vertrauen in die Finanzberatung in Deutschland stärker zurückgegangen als im Durchschnitt der untersuchten europäischen Länder (31 Prozent).

Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Gaben vor einem Jahr noch 16 Prozent der deutschen Anleger an, dass sie ihrem Finanzberater voll vertrauen, sind es mittlerweile nur noch 13 Prozent. Umgekehrt erklärt mittlerweile ein Fünftel der Befragten, dass sie ihrem Berater nur noch wenig oder gar nicht mehr vertrauen.

Ursache dafür ist laut Studie vor allem mangelnde Aufmerksamkeit für die konkreten Bedürfnisse der Kunden sowie fehlende Initiative, etwa durch aktive Ansprache der Kunden. Zwei von drei Anlegern sind zudem überzeugt, dass ihr Berater in erster Linie seine eigenen Interessen verfolgt oder dass diese bei seinen Empfehlungen zumindest eine Rolle spielen. Lediglich ein Drittel glaubt hingegen, dass ihr Berater ausschließlich im Interesse seiner Kunden handelt.

Die wichtigsten Ratgeber

Noch ist professioneller Rat gefragt: Rund zwei Drittel der deutschen Anleger lassen sich bei der Geldanlage beraten. Mit einem Anteil von 56 Prozent sind Banken dabei die wichtigsten Partner bei der Geldanlage. Online-Broker mit einem Anteil von 15 Prozent in Deutschland spielen bereits heute eine wichtigere Rolle als in vielen anderen europäischen Ländern. 9 Prozent der deutschen Anleger bevorzugen unabhängige Finanzberater – ein Wert, der im europäischen Durchschnitt liegt.

Obwohl sie Beratung weiterhin schätzen, lassen sich Anleger die Entscheidung über ihre Geldanlage jedoch kaum aus der Hand nehmen. 63 Prozent der deutschen Anleger treffen nach vorheriger Beratung die endgültige Entscheidung selbst. Ein gutes Drittel verzichtet mittlerweile sogar ganz auf professionelle Beratung und nimmt die eigene Geldanlage - von der Recherche geeigneter Finanzprodukte bis hin zum Kauf - komplett selbst in die Hand.

Mehr Transparenz im Markt

„Die Vermutung liegt nahe, dass den Anlegern heute bessere und leichter verständliche Informationen zur Verfügung stehen. Dazu passt, dass sie sich seltener als vor einem Jahr über unverständliche Fachausdrücke und das Kleingedruckte in Produktinformationen beschweren. Die Bestrebungen, die Anleger durch Transparenz und Klarheit zu informierten Entscheidungen zu befähigen, zahlen sich aus“, kommentiert Christian Wrede, Vorsitzender der Geschäftsführung von Fidelity Worldwide Investment in Deutschland.

Fazit: Die Anleger trauen sich mehr zu und bewegen sich selbständiger im Finanzmarkt. Damit steigen allerdings auch ihre Erwartungen an den Mehrwert, den Finanzberater liefern sollten. Entspricht dieser nicht ihren Erwartungen, wechseln sie rasch. Jeder zweite Deutsche kann sich inzwischen vorstellen, den Berater auszutauschen. Fast jeder Zehnte sieht sogar kaum noch einen Grund für den Verbleib.

Hintergrund: Im Auftrag von Fidelity Worldwide Investment hat TNS Sofres für die repräsentative Studie 12.000 volljährige Sparer und Anleger befragt. Die Umfrage fand im Juli 2011 in 14 europäischen Ländern statt.

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