Studie von Cofinpro Wo es bei der Mifid-II-Umsetzung noch hakt

Es sind einige bittere Brocken, die eine Studie des Beratungsunternehmens Cofinpro zutage fördert: Demnach lässt Mifid II den Wertpapierabsatz hierzulange insgesamt schrumpfen. Das Angebot an Anlageprodukten habe sich seit Verbindlichwerden der Regeln Anfang 2018 verringert. Der Dokumentationsaufwand beim Kauf von Finanzprodukten, eigentlich angedacht als Verbraucherschutzmaßnahme,  sorgt vor allem für genervte Kunden. Und: Als Konsequenz haben Kundenbetreuer aus Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften die Anlageberatung eingeschränkt.

Cofinpro hat für seine Erhebung 57 Experten aus Banken und Fondsgesellschaften zum Online-Interview gebeten. Die Befragten zeichnen insgesamt ein trübes Bild von den Regeln, die seit dem 3. Januar 2018 in ihren Arbeitsalltag hineingrätschen. So finden 70 Prozent der Befragten, dass sich die Qualität von Finanzberatung nach den neuen Spielregeln nicht verbessert habe. Anlageprodukte seien heute weder besser auf den Kunden zugeschnitten noch seien sie günstiger geworden.

Dafür litten alle Seiten unter dem ausufernden Drum und Dran, das seither den Finanzvertrieb prägt: Die zusätzlichen Produktinformationen verwirrten Kunden in erster Linie, finden fast neun von zehn Befragten. Rund ebenso viele glauben, dass sich Kunden über das Mehr an Dokumentation vor allem ärgerten.

Inwiefern hat sich die Auswahl der Produkte geändert, die Kunden nach Mifid II angeboten werden?

Quelle: Cofinpro AG

Auch die Beraterseite hat zu knabbern: So finden 95 Prozent der Befragten die gesetzlichen Anforderungen, die sich aus Mifid II ergeben, zu komplex. Das tägliche Geschäft sei aufwendiger geworden. Als Konsequenz sei das Produktangebot geschrumpft. „Statt dem Kunden eine breite Produktpalette anbieten zu können, sind die Berater durch Systemvorgaben deutlich eingeschränkt, um Fehler in der Beratung zu vermeiden“, erläutert Daniel Spitschan, Senior-Berater bei Cofinpro. Komplexe Produkte fielen  aus dem Angebot heraus.

Mehr als jeder dritte Befragte sieht Probleme bei der Übersetzung von Mifid II in den Alltag. Drei von vier Experten sind unsicher, ob die neuen Regeln im eigenen Haus auch rechtssicher umgesetzt werden, und sehen Nachbesserungsbedarf. „Unsicherheit herrscht vor allem bei der Zielmarktprüfung und den neuen Geeignetheitsanforderungen“, sagt Melanie Konrad, Senior-Beraterin bei Cofinpro.

Ein Lichtblick immerhin: Rund jeder Zweite hält zumindest das von Mifid II angestrebte Ziel, Finanzprodukte für Privatkunden durchschaubarer zu machen, für erreicht. Insgesamt stellen die Umfrageteilnehmer der Regulatorik jedoch ein mieses Zeugnis aus: Drei von vier Befragten beschreiben die Auswirkungen der europäischen Finanzmarktrichtlinie als „negativ“ oder sogar „sehr negativ“ für den hiesigen Finanzanlagenhandel.

Dem Umfrageinitiator Cofinpro dürften die Ergebnisse in die Karten spielen. Das Unternehmen berät Finanzdienstleister und verspricht, Geschäftsprozesse verbessern zu helfen, auch im Zusammenhang mit Mifid II. Es gibt also noch viel zu tun.

Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit einer Erhebung, die kürzlich der Sparkassen- und Giroverband DSGV vorgenommen hat. Hier berichteten auch viele Sparkassenvertreter von unzufriedenen Kunden: Deren Unmut entzünde sich vor allem an der neuen Pflicht zur Aufzeichnung telefonischer Beratungsgespräche, verlängerten Wertpapierorderprozessen und unverständlichen Produktinformationen.