Blick über Berlin: Der vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Mietendeckel könnte unerwünschte Folgen haben, befürchtet man bei dem Internetportal Immobilienscout24. | © Pixabay Foto: Pixabay

Studie von Immobilienscout24

Der Berliner Mietendeckel könnte nach hinten losgehen

Ende Januar hat das Berliner Abgeordnetenhaus den sogenannten Berliner Mietendeckel beschlossen. Im Laufe des Februar soll er wirksam werden. Das Gesetz soll den in den vergangenen Jahren stark angestiegenen Mietpreisen entgegenwirken. Bei vielen Vermietern stößt es hingegen auf Kritik. Das Internetportal Immobilienscout24 hat untersucht, wie sich die Mietbegrenzung voraussichtlich auf den Wohnungsmarkt auswirken wird.

Der jetzt abgesegnete Mietendeckel soll die Mieten für rund 1,5 Millionen Berliner Wohnungen fünf Jahre lang einfrieren. Für neu vermietete Wohnungen dürfen Vermieter nur noch jene Miete verlangen, die bereits der Vormieter gezahlt hat - maximal jedoch 3,92 bis 9,80 Euro pro Quadratmeter, abhängig vom Alter des Hauses und der Ausstattung. Bestandsmieter, deren Wohnungen mehr als 20 Prozent über den neuen Obergrenzen liegen, können beantragen, dass ihre Miete auf die Höchstgrenze zurückgestutzt wird. Der Deckel gilt für Wohnungen, die bis 2014 fertiggestellt wurden. Er soll rückwirkend ab dem 18. Juni 2019 angewendet werden.

Bislang geltende Vereinbarungen über Staffelmieten und auch die sogenannte Mietpreisbremse, nach der Neumieter nicht mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete plus 10 Prozent zahlen sollen, werden außer Kraft gesetzt. Vermietern, die gegen das Gesetz verstoßen, droht ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro.

Was das neue Gesetz mit dem Berliner Wohnungsmarkt macht? Laut einer Studie von Immobilienscout24 könnte es einen radikalen Einschnitt bewirken – aber nicht unbedingt in dem Sinne, wie die Gesetzesinitiatoren es sich wünschen.

95 Prozent der betroffenen Mietwohnungen kosteten mehr Miete als die neuen Obergrenzen hergeben, stellt Immobilienscout24 fest. Durchschnittlich 5,92 Euro zu viel zahlten Mieter für den Quadratmeter. In Berlin Mitte liegen alle untersuchten Wohnungen über der Obergrenze, durchschnittlich um stolze 11,62 Euro je Quadratmeter. Nicht viel besser sieht es in Kreuzberg (9,34 Euro über der Grenze) und Prenzlauer Berg (8,79 Euro darüber) aus. Selbst in den Randbezirken Marzahn und Lichtenrade werden 93 Prozent beziehungsweise 78 Prozent der Objekte nach den neuen Regeln zu teuer vermietet.

Mehr zum Thema
Wohnkarte 2019So hoch sind Mieten und Renditen in DeutschlandImmobilienpreise steigen weiterBeste Einstiegschancen in der dritten ReiheRobert Halver über Probleme am Immobilienmarkt„Die Mietpreisbremse ist kein Allheilmittel“