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Studie von Schroders Europäer legen seltener nachhaltig an

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Nachhaltigkeit und Rendite – Gegensätze oder Partner?

Insgesamt halten 42 Prozent der weltweiten Anleger es für wahrscheinlich, dass nachhaltige Kapitalanlagen zu höheren Renditen führen. In Deutschland und Österreich ist diese Ansicht weniger weit verbreitet: Hier denken dies lediglich 37 Prozent beziehungsweise 38 Prozent. Die Hauptmotivation für nachhaltige Investments liegt jedoch in den positiven gesellschaftlichen Effekten: Rund 47 Prozent global, 51 Prozent in Deutschland und sogar 60 Prozent in Österreich gaben an, dass nachhaltiges Investieren wegen seiner generellen Auswirkungen auf die Umwelt für sie interessant ist.

Sachkundige oder fortgeschrittene Anleger weltweit attestieren nachhaltigen Kapitalanlagen das größte Potenzial für höhere Renditen (44 Prozent). Auch hier wurden sowohl für Deutschland (36 Prozent) als auch Österreich (42 Prozent) etwas geringere Werte gemessen. Gleichzeitig rechnen diese erfahreneren Anlegerschichten weniger damit, dass entsprechende Kapitalanlagen sie letztlich enttäuschen (9 Prozent global, 13 Prozent in Deutschland und 23 Prozent in Österreich).

„Es ist erfreulich zu sehen, dass viele Anleger heute überzeugt sind, dass nachhaltiges Investieren nicht zulasten der Wertentwicklung gehen muss“, sagt Carolina Minio-Paluello, globale Leiterin für Produkte, Lösungen und quantitative Strategien bei Schroders. „Die Kommunikation ist deshalb entscheidend: Anleger müssen verstehen, was nachhaltiges Investieren wirklich bedeutet und beinhaltet.“

Eine Frage der Information

Tatsächlich besitzt die Kommunikation laut der Studie eine entscheidende Bedeutung: 93 Prozent der weltweit Befragten sowie 89 Prozent der deutschen und 87 Prozent der österreichischen Investoren wünschen sich mehr Informationen, um sicherzugehen, dass ihre Kapitalanlagen wirklich nachhaltig sind.

Darüber, woher diese Informationen kommen sollen, gehen die Meinungen der Anleger allerdings auseinander. Weltweit sehen 34 Prozent, in Deutschland 33 Prozent und in Österreich 43 Prozent der Umfrageteilnehmer dies als Aufgabe unabhängiger Dritter an. 26 Prozent global, 19 Prozent in Deutschland und 20 Prozent in Österreich erwarten dagegen, dass die Anbieter von Kapitalanlagen selbst für Klarheit sorgen.

Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit in Europa

Lediglich 44 Prozent der europäischen Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie Kapital in nachhaltigen Investmentfonds anlegen – der Rest investiert in Fonds, bei denen Nachhaltigkeitsfaktoren nicht berücksichtigt werden. Dieser Prozentsatz liegt unter dem von Anlegern in Nord- und Südamerika (52 Prozent) sowie Asien (49 Prozent) und steht im Gegensatz zu der allgemeinen Auffassung, die Bereitschaft, nachhaltig zu investieren, sei bei europäischen Anlegern am größten.

Unter deutschen Anlegern investiert ein Anteil von 49 Prozent und unter österreichischen Anlegern von 33 Prozent immer oder häufig in nachhaltige Fonds. Weitere 32 Prozent in Deutschland und 40 Prozent in Österreich tun dies zumindest gelegentlich. Selten oder nie legen lediglich 19 Prozent in Deutschland und 27 Prozent ihr Österreich ihr Kapital in Nachhaltigkeitsstrategien an.

„Unsere Studie zeigt: Nachhaltiges Investieren ist auf dem Vormarsch – sowohl global als auch in Deutschland und Österreich. Dennoch gibt es hierzulande noch Aufholpotenzial gegenüber anderen Märkten“, sagt Achim Küssner, Leiter der deutschen Schroders-Niederlassung. „Wir bei Schroders beurteilen Nachhaltigkeit als überaus wichtigen Aspekt unserer Arbeit, der Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung ist. Darüber hinaus sehen wir in ESG jedoch auch eine Möglichkeit, noch stärkere Renditen für unsere Anleger zu erzielen. Denn: Diejenigen Unternehmen, die nachhaltig agieren, werden langfristig zu den größten Gewinnern zählen – und bieten aus Investorensicht die interessantesten Wertsteigerungsmöglichkeiten.“

Ausschlüsse oder Engagement?

Auseinander gehen die Meinungen auch darüber, wie Asset Manager diejenigen Herausforderungen angehen sollten, die im Zusammenhang mit fossilen Energieträgern stehen. Nur etwas mehr als ein Drittel der globalen Anleger (36 Prozent) ist der Meinung, dass Asset Manager zugehörige Gelder abziehen sollten, um dem Wachstum dieser Branche entgegenzuwirken. In Deutschland sowie in Österreich wurden hierzu mit jeweils 41 Prozent höhere Werte gemessen. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) weltweit ist jedoch der Überzeugung, dass solche Investments beibehalten werden sollten, um in Form der Miteigentümerschaft Veränderungen zugunsten gesteigerter Nachhaltigkeit aktiv herbeizuführen. In Deutschland vertreten 24 Prozent und in Österreich 26 Prozent diese Ansicht.

Als die drei wichtigsten Faktoren nannten die Investoren weltweit gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln, die Beachtung von Umweltschutzaspekten und den Umgang mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Darauf sollten sich die Unternehmen ihnen zufolge am stärksten konzentrieren. Diese Meinung teilen auch die Anleger in Deutschland und Österreich.

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