Studie: Vorstandschefinnen beflügeln Aktienkurse

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Frauen in Führungspositionen sorgen für bessere Renditen, so das Ergebnis einer Studie des Credit Suisse Research Institute. Die Forscher untersuchten die Entwicklung von knapp 2.400 Unternehmen weltweit ab dem Jahr 2005 – und stellten einen positiven Einfluss von Frauen im Vorstand oder Aufsichtsrat auf die Unternehmensgewinne fest.

So schnitten Aktien von Firmen, die mindestens eine Frau in den obersten Führungsetagen vorweisen können in den vergangenen sechs Jahren deutlich besser ab als der Rest. Bei den Firmen mit einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden US-Dollar betrug die Differenz 26 Prozent, bei den kleineren Unternehmen immerhin noch 17 Prozent.

Vor allem nach der Finanzkrise im Jahr 2008 lagen die von beiden Geschlechtern geleiteten Unternehmen besonders weit vorne. Die Forscher führen das auf das defensivere Profil zurück, das die von gemischt geschlechtlichem Top-Management geführten Firmen aufweisen.

Darüber hinaus wiesen Unternehmen mit Frauen an der Spitze höhere durchschnittliche Eigenkapitalrenditen, weniger volatile Erträge und niedrigeren Verschuldungsgrad auf. Vielfalt führt zu besseren Leistungen - und Ergebnissen

Die Forscher nennen in ihrem Bericht sieben mögliche Gründe, um den starken Zusammenhang zwischen Vorstands- oder Aufsichtsratschefinnen und einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung zu erklären:

1. Eine größere Vielfalt an der Spitze fördert den Unternehmenserfolg. So weisen mehrere Forschungsarbeiten darauf hin, dass auch Leitungsmitglieder, die einer Mehrheit angehören, bei der Zusammenarbeit mit einer Minderheit ihre Leistungen steigern. Das dürfte laut den Forschern auch für die Geschlechtervielfalt gelten.

2. Die Geschlechtervielfalt geht mit einem besseren Mix von Persönlichkeitseigenschaften und damit Führungsqualitäten einher. So zeigen Untersuchungen wie beispielsweise eine McKinsey-Studie, dass sich Chefinnen eher um Mitarbeiterentwicklung kümmern, häufiger mit Belohnungen arbeiten und mehr Entscheidungen im Team treffen. Als Ergebnis setzen Mitarbeiter die vereinbarten Ziele besser und schneller um. Darüber hinaus neigen Frauen laut Studien eher dazu, klare Verantwortlichkeiten festzulegen.

3. Wer sich bei der Führungskräfte-Suche ausschließlich auf männliche Kandidaten fokussiert, hat weniger Auswahlmöglichkeiten. Schließlich ist ungefähr die Hälfte aller Hochschulabsolventen weiblich. In Studiengängen wie Jura und Betriebswirtschaft, die heute als Voraussetzung für Managementpositionen gelten, sind Frauen mittlerweile zahlenmäßig mindestens gleich oder sogar anteilig höher vertreten. Für das Jahr 2015 rechnet das Statistische Bundesamt damit, dass 55 Prozent aller Studierenden weiblich sein werden. Wer bei der Manager-Suche also auf alle potenziellen Top-Kandidaten zugreift und nicht von vorn herein die Hälfte außer vor lässt, hat bessere Chancen auf eine perfekte Stellenbesetzung. Verständnis für Konsumenten und Mitarbeiter

4. Da Frauen in der Regel über die Haushaltsausgaben entscheiden, haben sie oft besseres Verständnis für Konsumenten und deren Vorlieben, was ihnen auch im Geschäftsleben zugutekommt.

5. Wie mehrere Untersuchungen zeigen, sorgen Frauen in den Chefetagen dafür, dass Firmen sich eher an die Prinzipien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) halten und ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.

6. Wie die Analyse des Credit Suisse Research Institute zeigt, sind Unternehmen mit Frauen an der Spitze weniger hoch verschuldet als Firmen mit ausschließlich männlichen Chefs.

7. Die Forscher räumen jedoch auch ein, dass ein Zusammenhang nichts über Ursache und Wirkung aussagt. Es könnte also auch sein, dass erfolgreiche Unternehmen eher bereit sind, Frauen in die Geschäftsleitung zu berufen.

Mit ihren Ergebnissen bestätigen die Credit-Suisse-Forscher eine Reihe früherer Studien. So konnte die Unternehmensberatung McKinsey, die vor einigen Jahren zum gleichen Thema forschte, eine ähnliche Entwicklung beobachten. In der McKinsey-Studie übertrafen Firmen, die mindestens drei Frauen in der Vorstandsetage hatten, ihre von männlichen Vorständen geleiteten Wettbewerber in puncto Kapitalrendite, operatives Ergebnis und Aktienkursanstieg.

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