Studie zu kulturellen Unterschieden: So ticken US-Amerikaner, Europäer und Afrikaner beim Anlegen

Studie zu kulturellen Unterschieden

So ticken US-Amerikaner, Europäer und Afrikaner beim Anlegen

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Skandinavier und Deutsche sind geduldiger beim Investieren. Osteuropäer haben weniger Angst vor dem Risiko. Und in den USA gibt es mehr Ego-Trader als anderswo. Andere Länder, anderes Anlageverhalten: Der kulturelle Hintergrund von Menschen hat Einfluss auf ihr Anlageverhalten. Das hat eine Studie der Universität Zürich herausgefunden.

Demnach sind etwa osteuropäische Anleger bereit, weniger für Value-Aktien auszugeben als etwa Anleger aus Nordeuropa. Die wiederum sind geduldiger und weniger risikoscheu als etwa Menschen in Litauen, Rumänien und Russland.

Anleger in angelsächsischen Ländern wie Großbritannien und den USA sind bereit, mehr für Aktien zu zahlen als Anleger in anderen Ländern. Das machen die Forscher unter anderem an der niedrigen Aktienrisikoprämie fest. Die beschreibt die zusätzliche Rendite, die Anleger von einer Aktie – verglichen mit einem risikofreien Finanzinstrument – erwarten. In Schwellenländern und Osteuropa ist diese Prämie am höchsten.

Je individualistischer die Menschen eines Landes sind, desto dynamischer verhält sich ihr Markt, weil es auch mehr sogenannte Ego-Trader gibt, die schnelle Gewinne erzielen wollen. Ein Beispiel dafür: Die USA. Nur Anleger in Afrika sind noch ungeduldiger.

Beschaulicher geht es in Skandinavien und Deutschland zu. Hier warten die Anleger eher geduldig ab, denn hier gibt es eher Value-Trader, die mehr Wert legen auf höhere Rendite als auf schnelle Gewinne.

Und: Afrikanische Anleger scheuen das Risiko genauso wenig wie Amerikaner – und sind genauso ungeduldig. Überrascht hat den Leiter der Studie, Professor Thorsten Hens, dass Amerikaner so ungeduldig sind. Denn immerhin leben sie in einer organisierten und vergleichsweise wohlhabenden Gesellschaft.



Finanzinstitute können für ihren Beratungsprozess aus den kulturellen Unterschieden lernen. So delegieren europäische Kunden etwa ihre Anlagen gern und entscheiden sich für Vermögensverwaltungsmandate. Asiaten bevorzugen dagegen Beratungsmandate.

In der Studie untersuchten die Wissenschaftler vom Swiss Finance Institute der Universität Zürich, wie geduldig und risikobereit Anleger weltweit sind. Dafür befragten sie zwischen 2000 und 2009 etwa 7.000 VWL-Studenten in 52 Ländern weltweit.