Giovanni Gay, Geschäftsführer von Union Investment Privatfonds: "Selbst unter den lebenserfahrenen älteren Menschen und denjenigen mit höherem Einkommen fühlt sich nur eine Minderheit in Finanzangelegenheiten sattelfest." (Foto: Union Investment)

Giovanni Gay, Geschäftsführer von Union Investment Privatfonds: "Selbst unter den lebenserfahrenen älteren Menschen und denjenigen mit höherem Einkommen fühlt sich nur eine Minderheit in Finanzangelegenheiten sattelfest." (Foto: Union Investment)

Studie zum Anlegerverhalten

Deutsche Sparer interessieren sich nicht für Geldanlagen

Die meisten Deutschen beschäftigen sich ungern mit dem Thema Geldanlage, deshalb reagieren sie kaum auf das derzeitige Niedrigzinsniveau. Stattdessen halten sie am guten alten Sparbuch fest – ungeachtet dessen, dass dieses nur geringe Erträge oder sogar real Verluste einbringt. So lautet das Ergebnis des aktuellen Anlegerbarometers von Union Investment, einer Studie zum Anlageverhalten von privaten Haushalten.

In Zahlen bedeutet dies: 69 Prozent der Befragten kümmern sich nicht um ihre Ersparnisse. Lediglich 31 Prozent überprüfen ihre Geldanlagen. Gründe dafür seien Desinteresse und mangelndes Wissen. So setzen sich nur 19 Prozent der Befragten gerne mit Finanzangelegenheiten auseinander, 53 Prozent gehen diesem Thema aus dem Weg. Nur jeder Fünfte meint sich auszukennen und 39 Prozent der Befragten geben an, keine Ahnung von Geldanlagen zu haben.

Für besonders ahnungslos halten sich junge Erwachsene im Alter von 20 bis 29 Jahren. Nur 14 Prozent glauben, über gute Finanzkenntnisse zu verfügen. Unter den 40- bis 49-Jährigen sind es 16 Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen immerhin 24 Prozent.

Ein Blick auf das monatliche Haushaltsnettoeinkommen zeigt, je höher das Einkommen, desto mehr Finanzwissen ist nach eigener Einschätzung vorhanden. Liegt das Einkommen unter 1.300 Euro pro Monat, geben 3 Prozent an, gute Kenntnisse aufzuweisen. Bei einem Einkommen von 2.300 bis 3.100 Euro sind es 14 Prozent, bei über 4.100 Euro 34 Prozent.

Deutsche Anleger legen mehrheitlich nach dem Kriterium Sicherheit an – das gilt für 63 Prozent der Befragten. Jedem Vierten ist es wichtig, über das Geld frei verfügen zu können und nur für jeden Zehnten steht der Gewinn im Vordergrund. Lediglich 30 Prozent möchten zumindest einen kleinen Teil der Ersparnisse breiter anlegen. Die beliebtesten Geldanlagen der Deutschen sind das Sparbuch mit 73 Prozent, der Bausparvertrag  mit 54 Prozent und die Kapitallebensversicherung mit 51 Prozent.

In Anbetracht des geringen Finanzwissens wiegt das Wort des Bankberaters für die Befragten umso schwerer. 40 Prozent legen Wert auf die konkreten Empfehlungen ihrer Bank - insbesondere die 20- bis 29-Jährigen haben Beratungsbedarf (47 Prozent). Der Anteil derjenigen, die ihre Anlageentscheidung eigenständig trifft, beträgt 33 Prozent. Letztendlich kommt es für 71 Prozent der Befragten aber darauf an, dass sie bei ihrer Finanzentscheidung ein gutes Bauchgefühl haben.

Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, folgert aus den Antworten der Studienteilnehmer: „Das fehlende Finanzwissen und die hohe Risikoaversion der Anleger sind ein Indiz dafür, dass noch eine Menge Aufklärungsarbeit in Sachen optimale Vermögensstrukturierung geleistet werden muss.“ Und weiter: „Dabei muss gerade die junge Generation angesichts sinkender Renten in chancenreichere Anlagen, wie beispielsweise Aktien, investieren.“

Union Investment untersucht zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das zweite Quartal erhob Forsa die Daten vom 2. bis 9.Mai 2014.

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