Studie zum Pensions-Management: Risiko-Kontrolle wird zur Chefsache

Studie zum Pensions-Management: Risiko-Kontrolle wird zur Chefsache

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Deutsche Unternehmen zeigen sich im Vergleich zu 2010 bei ihrem Pensions-Management noch deutlich risikobewusster. Das ergab die Studie „Pensions-Risk-Management und Anlage von Pensionsvermögen“ von Towers Watson. Das Forschungsinstitut untersucht seit 2009 jedes Jahr das Pensions-Management der führenden deutschen Unternehmen. Die Studienteilnehmer halten insgesamt 95 Milliarden Euro an Plan-Assets* – dies entspricht etwa 60 Prozent der gesamten Plan-Assets deutscher Dax-Unternehmen.

Regulatorische Veränderungen und das Bilanzrisiko sind größte Gefahren

Als eine große Gefahr für die Pensionsansprüche ihrer Mitarbeiter sehen viele Firmen (76 Prozent) die regulatorischen Veränderungen. Die Inflationsrisiken stufen gut zwei Drittel der Befragten als eine mögliche Gefährdung ein; 26 Prozent der Plan-Assets deutscher Unternehmen sind gegen die Inflation abgesichert.

Der Anteil der Firmen, die sich gegen Zinsrisiken absichern, ist im Vergleich zu 2010 erneut gestiegen – von 38 auf 44 Prozent. Die Hälfte der befragten Unternehmen sichern Währungsrisiken ab.

Noch bedeutender für die Befragten ist das Bilanzrisiko: 85 Prozent sehen den stark schwankenden Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverbindlichkeiten als zentrales Problem. Die Studien zum Bilanzstruktur-Management, sogenannter Asset-Liability-Modeling-Studien (ALM-Studien) sind bei deutschen Pensions-Management-Verantwortlichen längst Pflichtlektüre.

Darüber hinaus greifen Unternehmen immer häufiger auf dynamische Ansätze für das Management der Pensionsvermögen zurück. So haben 39 Prozent der befragten Unternehmen haben dynamische Anlagestrategien für ihre deutschen Pläne umgesetzt, 28 Prozent planen dies für die Zukunft.

Immobilien- und Aktien-Anteil erhöht


Bereits 60 Prozent der Pensions-Manager haben Maßnahmen zur Diversifizierung ihrer Portfolios umgesetzt, weitere 35 Prozent planen dies für die Zukunft. Dabei gewinnen vor allem Sachwerte – insbesondere Immobilien – an Bedeutung. Die Immobilienquote stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte auf nunmehr 6 Prozent.

Trotz aller Risikoscheu steigerten deutsche Pensions-Manager aber auch ihren Aktienanteil von 16 Prozent im Vorjahr auf aktuell 21 Prozent. Bei den Rentenpapieren, die mit 59 Prozent nach wie vor den Großteil der Portfolios der Studienteilnehmer ausmachen, hat eine Gewichtverschiebung stattgefunden. So setzten die meisten verstärkt auf Staatsanleihen bester Bonität, während sie sich aus Rentenpapieren europäischer Peripherie-Märkte massiv zurückziehen. Auch Unternehmens- und Schwellenmarkt-Anleihen gewinnen zunehmend an Bedeutung.

"Insgesamt zeigt die Studie deutlich, dass das Risikomanagement für die befragten Unternehmen hohe Priorität besitzt“, erklären die Forscher. So wurden die Risikomanagement-Kapazitäten durchgehend weiter ausgebaut und die relevanten Kennzahlen nun regelmäßiger geprüft: 80 Prozent der Unternehmen betrachten mindestens quartalsweise die zukunftsgerichteten Kennzahlen für ihre Assets, 50 Prozent für ihre Verpflichtungen. Ferner werden modellgestützte Risikoanalysen immer häufiger durch Szenario- und Stresstests unterstützt, um Extremrisiken und deren Auswirkungen auf die Anlage frühzeitig transparent zu machen.

Auch die Unternehmensführung beteiligt sich immer mehr an strategischen, aber auch operativen und taktischen Fragestellungen: Bei 79 Prozent der befragten Unternehmen ist der Vorstand in Themen der Kapitalanlage stark eingebunden. Auch externe Berater werden immer häufiger zu dem Pension-Asset-Management hinzugezogen, um die internen Abteilungen zu unterstützen.


* Plan-Assets: Versorgungsvermögen, also Versorgungsansprüche, die den einzelnen Versicherten zustehen.

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