Helge Rehbein

Xetra-Gold Sturmschutz im Goldfischglas

Symbol für Glück und Wohlstand
Symbol für Glück und Wohlstand: Wer auf Gold als Investment setzt, sollte es nach Möglichkeit physisch besitzen
© IMAGO / blickwinkel

Obwohl der Goldpreis derzeit schwächelt, gewinnen Asset Manager zunehmend Interesse am Edelmetall als Beimischung. So reiht sich im Flaggschiff-Fonds des Vermögensverwalters Eyb & Wallwitz, dem Phaidros Funds Balanced A (Fondsvolumen: 1,5 Milliarden Euro, ISIN: LU0295585748), unter den Top-Positionen nach Pinterest, PayPal, Mercado Libre und JD.com seit einiger Zeit auf Platz 5 Xetra-Gold mit einer Gewichtung von 2,24 Prozent ein.

Bis August 2020 kannte der Goldpreis seit dem Jahreswechsel 2015/16 nur eine Richtung – nach oben. Anfang August 2020 überstieg das Edelmetall die Marke von 2.000 US-Dollar pro Feinunze, um danach in einer ausgedehnten Abwärtsbewegung bis zum März 2021 auf rund 1.700 US-Dollar zu fallen. Seit Ende März geht es wieder aufwärts; Gold notiert derzeit bei rund 1.750 US-Dollar.

Gold als Inflationsschutz unabdingbar

Hintergrund der neuen Kursavancen sind stärker als erwartete US-Wirtschaftsdaten, die darauf hindeuten, dass die Inflation in den kommenden Monaten schneller als erwartet anziehen könnte. Doch insgesamt überrascht die Schwäche von Gold in einem Umfeld, in dem der Preis eigentlich durch die Decke gehen müsste: Die Notenbanken halten die Geldschleusen weiterhin weit offen und die Regierungen sorgen mit fiskalpolitischen Stimuli, darunter Helikoptergeld in den USA, dafür, dass die Inflation eigentlich anziehen müsste. Offensichtlich scheint den Anlegern der Gedanke an Inflation im jetzigen Umfeld abwegig zu sein. Auch Fed-Chef Jerome Powell unterstrich jüngst, dass es sich bei steigenden Anleiherenditen angesichts in der Breite anziehender Preise nur um ein vorübergehendes Phänomen handeln dürfte.

Dennoch, das zeigt die neu aufgenommene Goldbeimischung bei Eyb & Wallwitz, gilt es wachsam zu sein: Das Edelmetall könnte zukünftig wieder stärker im Interesse stehen. So sieht der Vermögensverwalter Flossbach von Storch Gold „als eine Art Feuerversicherung, die uns vor Krisen des Finanzsystems schützt, möglicherweise ausgelöst durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Die Geldpolitik wird locker bleiben, das Risiko eines Versicherungsfalls also nicht kleiner, sondern unseres Erachtens eher größer.“ Das Fondshaus weist darauf hin, in einem Umfeld lockerer Geldpolitik Gold als „Versicherung“ keinesfalls kündigen zu wollen, vor allem auch, weil es sich seit Tausenden von Jahren als verlässlicher Inflationsschutz bewährt hat.

Xetra-Gold ist jederzeit handelbar

Viele Portfoliomanager setzen gern auf Xetra-Gold. Warum? Unter den Möglichkeiten, in Gold zu investieren, kommt Xetra-Gold Barren und Münzen am nächsten, denn es handelt sich um eine mit physischem Gold unterlegte Schuldverschreibung. Jederzeit wie ein Wertpapier handelbar, ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs minimal. Gleichzeitig entfällt bei Xetra-Gold die leidige und kostenintensive Lagerproblematik, da es im Wertpapierdepot geführt wird. Bankschließfächer oder Tresorschutz sind damit nicht nötig. Somit erfreut sich das liquide Gold als Langfristanlage bei privaten und institutionellen Anlegern großer Beliebtheit: Mehr als 220 Tonnen des Edelmetalls werden in den hermetisch gesicherten Kellern der Deutschen Börse Commodities, dem Emittenten, in Frankfurt vorgehalten. Xetra-Gold gilt daher als das bekannteste Goldinvestment mit physischer Hinterlegung in Deutschland.

Grundsätzlich bietet Xetra-Gold Anlegern auch die Möglichkeit, sich das entsprechende physische Gold ausliefern zu lassen. Eine Auslieferung rechnet sich allerdings erst ab größeren Mengen.

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Xetra-Gold bleibt steuerfrei

Was sich auf jeden Fall rechnet, ist die Vereinnahmung von Gewinnen bei Xetra-Gold: Sie bleiben weiterhin steuerfrei. Bundesfinanzminister Olaf Scholz musste seinen ursprünglichen Plan zurückziehen, die beliebte Anlage steuerlich wie Aktien zu behandeln.

Die Idee aus dem Bundesfinanzministerium: Kursgewinne bei Xetra-Gold sollten besteuert werden, unabhängig davon, ob die Haltefrist von zwölf Monaten eingehalten wurde. Scholz wollte auch bei Xetra-Gold die Abgeltungssteuer durchsetzen, also 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Dazu wäre dann gegebenenfalls noch die Kirchensteuer gekommen.

Doch der Regierungsentwurf zum Jahressteuergesetz vom Herbst 2020 stellte sich diesem Ansinnen entgegen. Damit wird Xetra-Gold steuerlich weiter so behandelt wie Anlage-Gold, also Barren und Münzen.

Trotz der vielen Vorteile sollten Anleger jedoch nicht vergessen: Emittent von Xetra-Gold ist die Deutsche Börse Commodities GmbH. Wie bei jeder Anleihe besteht grundsätzlich beim Emittenten ein Ausfallrisiko. Wer auf Nummer sicher gehen will, packt daher die kleinen Barren mit hohen Nennwerten lieber zwischen die Kieselsteine im Goldfischglas.

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