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Zukäufe Warum Fondshäuser zu Multi-Boutique-Managern werden

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Die Boutique-Manager bleiben in vielen Fällen als Teilhaber an Bord. Das ist etwa bei Natixis und AMG der Fall. „Wir kaufen eine Boutique nie zu 100 Prozent, da wir es für sehr wichtig halten, die unternehmerische Kultur und die Kundenausrichtung zu erhalten“, erklärt AMG. Minderheits- sowie Mehrheitsbeteiligungen seien möglich. „Unsere Teams agieren wie Unternehmer – sei es, weil sie noch die Mehrheit am Unternehmen halten, sei es, weil sie stark am Erfolg beteiligt sind – und investieren in wesentlichem Umfang eigenes Geld in ihre Strategien“, so Natixis-Manager Römer. Als großer Konzern verfüge die Gesellschaft aber auch über die Ressourcen, Startkapital bereitzustellen und neuen Ideen Zeit zu lassen.

Warum sich Boutiquen für diesen Weg entscheiden? Matthias Memminger, Partner und Experte für Finanzdienstleistungen bei der Beratungsgesellschaft Bain, sieht dafür vor allem einen Grund: Nach der Weltfinanzkrise seien die Kosten für kleine und mittelgroße Fondshäuser stark gestiegen. Treiber waren die Finanzmarktrichtlinie Mifid II, neue Anforderungen an Investorenschutz und Reporting. Das wirkte sich oft auch auf die IT aus. „Viele kleine Fondshäuser arbeiteten mit alten Systemen und eher rudimentären Programmen“, so Memminger. Damit hätten sich viele Anforderungen gar nicht mehr umsetzen lassen. Für den Bain-Experten auch eine Erklärung dafür, dass das Multi-Boutiquen-Modell in den vergangenen drei Jahren wieder an Popularität gewonnen hat.

Große Gesellschaften verfügen schon über die gesamte IT-Infrastruktur und müssen nur wenig investieren, um einzelne Boutiquen anzubinden. Auch beim operativen Geschäft gebe es Skaleneffekte. Ein Argument dürfte für viele kleine Fondshäuser zudem sein, dass sie – je nach Modell – mehr oder weniger unabhängig bleiben. „Der Vorteil ist, dass man als Fondsgesellschaft Boutiquen gewinnen kann, deren große Stärke ihre Unabhängigkeit ist und man ihnen diese Unabhängigkeit lassen kann“, sagt Memminger. Das Modell ziehe Top-Fondsmanager an, die sich in einem klassischen Konzern nicht wohlfühlen würden, bestätigt etwa Principal Global Investors. Viele Boutique-Manager kommen selbst aus großen Konzernen. Die Gründung sei oft ein bewusster Schritt für mehr Freiheit gewesen, analysiert Philip Kalus von Accelerando Associates.

In der Theorie sehe der Ansatz zwar eine gewisse Eigenständigkeit der Fondstöchter vor, in der Praxis laufe es jedoch häufig anders. „Oft greift der Mutterkonzern doch recht stark ein“, so Kalus. Das gelte nicht nur für die operative Seite, sondern auch beim Portfoliomanagement, etwa wenn die Boutique eine schwächere Phase durchlaufe. Auch hätten viele kleine Fondshäuser ihr eigenes Vertriebsnetzwerk und eigene Investoren-Beziehungen. Wandert der gesamte Vertrieb zum Mutterkonzern, könne das zu Kompetenzgerangel führen. Werde der Boutique dagegen völlig freie Hand gelassen, habe das in der Vergangenheit in einigen Fällen auch zu Problemen geführt. Die Muttergesellschaft müsse gewisse Standards durchsetzen.

„Die Balance zwischen den Interessen zu finden, ist schwierig“, sagt Fondsexperte Kalus. Bei den Boutiquen liege die volle Verantwortung für Investitionsentscheidungen, erklärt dazu Nordea. Dennoch müssten sie sich an gewisse Normen der Fondsgesellschaft halten, etwa beim Thema Nachhaltigkeit.

Boutique-Manager kommen aus einem Start-up ähnlichen, kleinen Unternehmen in eine große Konzernstruktur, sagt auch KPMG-Beraterin Maren Schmitz. Das sei eine Umstellung. „Wichtig ist, dass beide Seiten sich vorher im Klaren sind, worauf sie sich einlassen.“ Dazu gehöre, über die Tiefe der Integration zu sprechen: Bleibt die Boutique weitgehend autark oder wird sie in alle Systeme der Fondsgesellschaft eingebunden? Oft werde darüber im Vorfeld nicht ausreichend gesprochen, weiß die Expertin, die Fondshäuser bei Übernahmen begleitet. „Das löst dann auf allen Seiten meist große Unsicherheit aus.“

Nicht jeder spezialisierte Anbieter wolle sich einer großen Fondsgesellschaft anschließen, sagt Berater Kalus. „Es gibt Boutiquen, die Kaufangebote immer ablehnen.“ Kleinen Fondshäusern, die überzeugt seien, unter der eigenen Führung noch sehr viel erreichen zu können, erscheine die Eigenständigkeit womöglich als der bessere Weg. Umgekehrt gelte aber nicht, dass jede Boutique, die verkauft, nicht mehr an den eigenen Erfolg glaube, stellt Kalus klar. Viele seien zwar auch eigenständig erfolgreich, kommen aber bei der Vertriebskraft an ihr Limit. Mit einem Verkauf könnten diese Boutiquen weiter wachsen. Auch für Boutique-Manager, die ihre Nachfolge regeln wollen, sei ein Verkauf eine Möglichkeit.

Besonders begehrt sind laut Experten derzeit Boutiquen, die sich im Bereich der sogenannten Private Assets tummeln, darunter etwa direkte Unternehmensbeteiligungen. „Ohne Zukäufe schaffen es Fondsgesellschaften nicht schnell genug, bei alternativen Anlagen zu wachsen“, sagt KPMG-Beraterin Schmitz. Diese Anlageklasse werde in den kommenden Jahren die höchsten Erträge bringen. Auch beim Wachstumsthema Impact Investing seien Boutiquen oft führend. Viel spricht daher dafür, dass Multi-Boutique-Manager in den kommenden Jahren weiter zukaufen.

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