Suchen, fördern, transportieren

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Investment- und Zertifikate - häuser zeigen Anlegern schon lange, dass man sich über einen steigenden Ölpreis auch freuen kann. Jetzt suchen immer mehr Emissionshäuser nach Ölinvestments – und entdecken ganz neue Möglichkeiten

Autofahrer grollen über hohe Spritpreise, Ökonomen warnen angesichts des Rekord- Ölpreises von 110 Dollar pro 159-Liter- Fass vor negativen Folgen für die Wirtschaft. Anleger indes können mit den richtigen Produkten vom teuren schwarzen Gold profitieren. Nach einzelnen Projekten in der Vergangenheit gibt es erstmals in größerer Zahl geschlossene Fonds, die rund ums Thema Öl investieren – von einer Erkundungsplattform über Plattformversorgerschiffe hin zu Pipelines und Förderrechten. Ein Vorteil aus Anleger- und Vertriebssicht ist, dass mit MPC Capital, HCI Capital, der Oltmann- Gruppe und Nordcapital inzwischen große Initiatoren in den Markt eingestiegen sind.
Die Initiatoren eint die Annahme, dass die globale Nachfrage nach Öl steigen wird, angetrieben von den aufstrebenden Wirtschaften Indiens und Chinas. So soll der Weltölverbrauch nach der jüngsten Prognose der Internationalen Energie-Agentur bis 2030 um 40 Prozent zunehmen und der gesamte Energieverbrauch um 55 Prozent. Dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) zufolge dürfte der Rohstoff also auch 2030 mit 32 Prozent wichtigster Energieträger bleiben.

Mehr Öl aus Tiefwasser

Überdies geht das HWWI davon aus, dass sich die Fördergebiete vom Land über die Küstenregion zum Tiefwasser entwickeln werden. Michael Bräuninger, Leiter des Bereichs Wirtschaftliche Trends: „Die traditionellen Ölgebiete sind relativ gut erforscht, neue große Funde an Land oder in flacheren Gewässern sind unwahrscheinlich. Zudem versperrt die Ressourcenpolitik der Förderländer den westlichen Ölfirmen den Zugang zu vielen dieser Quellen.“ Deshalb richtet sich die Suche nach neuen Vorkommen zunehmend auf bislang wenig oder noch nicht untersuchte Gebiete, und das sind vor allem die Ozeane. Technischer Fortschritt macht es möglich, immer tiefer zu bohren. Und diese Entwicklung steht Bräuninger zufolge erst am Anfang: „Liegt der Anteil des Tiefseeöls an der gesamten Offshore-, also Wasserförderung derzeit unter 10 Prozent, so wird erwartet, dass er bis 2015 auf 25 Prozent steigt.“
Die Fondsobjekte lassen sich grob einteilen in Aktivitäten zu Lande und zu Wasser. Größtes Projekt mit einem Eigenkapitalvolumen von rund 220 Millionen Dollar ist der von MPC und HCI gemeinsam aufgelegte Deepsea Oil Explorer. Der Fonds investiert in eine Erkundungsplattform, die es erlaubt, Öl und Gas in der Tiefsee und in flacherem Gewässer zu suchen.

MPC und HCI auf Ölsuche

Die Plattform soll 2010 abgeliefert werden und ist für sieben Jahre an die staatliche brasilianische Ölgesellschaft Petrobas verchartert, die eine Verlängerungsoption für weitere sieben Jahre hat. Der Vertrag läuft relativ lang, marktüblich sind nur ein bis fünf Jahre, und bringt 317.500 Dollar pro Tag. Zum Vergleich: Eine ähnliche Plattform, die ab 2010 für fünf Jahre verchartert ist, erzielt eine Rate von 365.000 Dollar täglich. Die Initiatoren nehmen also einen Preisabschlag in Kauf. „Bei einem Projekt mit so hohem Investitionsvolumen wollten wir Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum haben“, sagt Michael Silies, Fondskonzeptionist bei MPC Capital. Vorgesehen ist, die Plattform nach rund 17 Jahren für voraussichtlich 60 Prozent der Anschaffungskosten zu versilbern. Eine Alternative zur Plattform ist ein Investment in Versorgerschiffe, die Materialien und Geräte zu einer Bohrinsel bringen. Sie heißen Platform Supply Vessels oder kurz PSVs. Daneben gibt es Ankerziehschlepper (Anchor Handling Tugs, AHT), die Plattformen zu anderen Orten schleppen. Die Anchor Handling Tugs Supply (AHTS) übernehmen beide Aufgaben, sie schleppen und versorgen. Genau wie herkömmliche Schiffe können auch Versorger unter der für Anleger günstigen Tonnagesteuer fahren, sodass die Ausschüttungen der Fonds nahezu steuerfrei sind.
Mehrere Initiatoren sind in diesem Bereich aktiv: So offeriert Nordcapital zurzeit eine Beteiligung an drei PSVs und wird im zweiten Quartal einen Fonds mit zwei PSVs und einem AHTS auf den Markt bringen. HCI hat einen Fonds mit vier PSVs und vier Tankern aufgelegt. Und die Oltmann-Gruppe plant fürs zweite Halbjahr ihren zweiten PSV-Fonds. Geschäftsführer André Tonn: „Insgesamt wollen wir zwei oder drei Fonds mit zirka acht Plattformversorgern auflegen, die in einem Pool fahren.“ Der Pool soll das Risiko für Anleger senken, schwanken doch die Charterraten am Spotmarkt stark.
In der nächsten Dekade sollen die Charterraten eher sinken – so lautet zumindest die Prognose der Experten von Ocean Shipping Consultants. Dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) zufolge gab es im Oktober 2007 weltweit 2.820 PSVs und AHTS, in den Orderbüchern standen 257 PSVs und 372 AHTS. „Die Charterraten waren 2007 rückläufig, wenngleich auf hohem Niveau. Da immer mehr Öl unter dem Meeresgrund gefördert werden wird, bin ich zuversichtlich für diesen Schiffstyp“, sagt Burkhard Lemper, Professor am ISL.

Pipelines per Zertifikat

Neben Versorger- und Plattformbeteiligungen gibt es Fonds, die auf die Förderung zu Lande und den Transport setzen. So zum Beispiel der Energieversorgung 1 von Nordcapital. Der Fonds investiert in Master Limited Partnerships (MLPs). Das sind börsennotierte, steuerbefreite US-Kommanditgesellschaften, die vor allem im Pipeline-Geschäft in den USA tätig sind. Nordcapital hat fünf MLP-Manager ausgewählt, die die Anlegergelder auf unterschiedliche MLPs verteilen. Die wichtigsten 50 MLPs sind im Alerian MLP Index gelistet, und sie haben ihren Wert seit 1996 um durchschnittlich 17 Prozent im Jahr gesteigert. Die fünf MLP-Manager aus dem Nordcapital-Portfolio haben den Markt sogar um 2 Prozentpunkte übertroffen. Seit Mitte 2007 ist der Index allerdings auf Talfahrt. Damit der Investor keine Steuererklärung in den USA abgeben muss, investiert der Fonds über ein Zertifikat der Deutschen Bank. Auf diese Weise fallen die Erträge unter die ab 2009 geltende Abgeltungssteuer. Interessant könnte der Fonds für die Anleger sein, die eine hohe Abhängigkeit vom Ölpreis scheuen. Nordcapital- Geschäftsführer Florian Maack: „Im Gegensatz zu einem Offshore-Investment hängt der Energieversorgungsfonds nur mittelbar am Ölpreis. Denn das Öl muss transportiert werden, gleichgültig, was es kostet.“ Drei weitere Häuser, nämlich Northern Energy Invest, KSH Capital Partners und L’or capital fine art, bieten Beteiligungen an Öl- und Gasförderrechten an. Verdienen soll der Anleger am Verkauf der Rohstoffe und später am Verkauf der Rechte. Alle Fonds sind jedoch Blindpools, zudem sind die Initiatoren nicht sonderlich bekannt. Anleger und Berater benötigen also eine Menge Vorschussvertrauen.
Der KSH-Fonds hatte bis Mitte März noch keine Förderrechte gekauft, der VSG Primärenergie von L’or immerhin acht Stück. Der Fonds will 10 Millionen Euro einsammeln, was für 40 bis 45 Förderrechte reichen soll. Nach der siebenjährigen Fondslaufzeit darf der US-Partner TOG Texas Oil & Gas Project die Förderrechte bevorzugt erwerben zu dann erzielbaren Marktpreisen – der Initiator kalkuliert hier mit einem Restwert von 50 Prozent des Kaufpreises.
Während die Wettbewerber in erster Linie auf die Ölförderung schielen, bevorzugt Christian G. Harreiner die Gasbefeuerung. „Der Wirkungsgrad ist etwa doppelt so hoch wie beim Dieselöl, sprich, das Verhältnis von Brennwert und kalorischer Ausbeutung pro eingesetztem Kubikmeter Erdgas. Außerdem ist die Schadstoffbelastung bei Gasbefeuerung deutlich geringer als beim Dieselöl“, erklärt der Geschäftsführer von DBM Fonds Invest.
Sein Haus plant einen Fonds, der in ein nach US-Umweltvorschriften geführtes Gasturbinenkraftwerk in Mexiko investiert. Der Bau soll 2008 beginnen, Anleger tragen also ein Projektentwicklungsrisiko. Ab 2010 sollen erste Turbinen in Betrieb gehen, und nach Abschluss des Baus sollen zwei Drittel des Stroms Süd-Kalifornien und Arizona versorgen, der Rest Sonora in Mexiko.
Nachdem erneuerbare Energien mittlerweile zu einer Randerscheinung im Beteiligungsmarkt zusammengeschrumpft sind, sollen fossile Energien jetzt neue Investmentmöglichkeiten liefern. Ob das Anlagethema von Dauer ist oder nur eine Modeerscheinung, hängt auch am Öl- und Gas - preis, genau wie der Erfolg der meisten neuen Fonds.