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Südeuropa-Aktien Herr Gobron, wieso sind Anlagen in Spanien und Griechenland eine gute Investmentidee?

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Müssen Sie in der Regel lange warten, bis Ihre Zielvorstellung erreicht ist?

Gobron: Gewöhnlich dauert es zwei bis drei Jahre, bis eine Unternehmensstrategie trägt. Wenn meine Analyse dann richtig war, dauert es ungefähr zwei Jahre bis mein Zielpreis erreicht ist. Ich investiere normalerweise in ein Unternehmen, wenn ich ein Potenzial von 50 bis 100 Prozent sehe. 10 bis 12 Prozent pro Jahr sollte das Portfolio im Durchschnitt für gewöhnlich erreichen.

Um ein Beispiel zu nennen: Griechische Unternehmen bekommt man praktisch umsonst. Der griechische Gesamtmarkt hat eine Marktkapitalisierung von nur 14 Milliarden Euro – sechsmal weniger als einige deutsche Unternehmen wie BMW oder Daimler allein haben.

Auch wenn der Fonds die Märkte übertrumpfen kann: Wieso sollte man überhaupt in Länder investieren, die momentan schlecht performen?

Gobron: Die südeuropäischen Märkte haben sich in den vergangenen drei Jahren schwach entwickelt, das ist richtig. Wir waren unglücklicherweise der Zeit ein bisschen voraus. Aber da Wirtschaft und Politik in diesen Ländern wieder in der Spur sind um Wachstum zu generieren, sind wir zuversichtlich, dass sich die Märkte gut entwickeln werden. Mit unserem guten Track-Record und unserer Kenntnis dieser Länder sehen wir uns gut gerüstet, um die besten Investments in der Region finden zu können. Hinzu kommt, dass der GIS European Equity Recovery gut geeignet ist, um ein Portfolio zu diversifizieren. Wenn man 80 Prozent in Deutschland investiert hat, möchte man vielleicht auch in Italien, Spanien oder Griechenland anlegen. Das ist eine gute Art, um Risiken zu streuen und die Performance zu verbessern.

Welche Art Investoren wollen Sie anziehen?

Gobron: Wir sprechen Investoren an, die sich der Volatilität bewusst sind, deshalb ist ein langer Anlagehorizont wünschenswert. Bei uns investieren Pensionsfonds oder auch Privatbanken mit ihren Kunden, in Deutschland auch Dachfondsmanager.

Können Privatkunden ganz einfach in den Fonds investieren?

Gobron: Ja, das ist möglich. Sie können entweder direkt investieren, oder über ihre Berater, Dachfonds oder Banken.

Wenn Sie auch hohe Verluste so klaglos hinnehmen, erwarten Sie sich in Zukunft aber bestimmt eine viel bessere Performance?

Gobron: Die wirtschaftliche Erholung in Südeuropa wird voranschreiten. In  Spanien passiert das bereits, in Italien oder Griechenland noch nicht. In Griechenland gab es einige politische Probleme und 2015 musste das Land sich entscheiden,  ob es in der Eurozone bleibt oder nicht. Nach einem turbulenten Jahr mit zwei Regierungswechseln, einem Referendum und einer dreimonatigen  Bankschließung hat man sich entschieden, in der EU zu bleiben und das Land zu restrukturieren. Die neue Regierung ist marktorientierter als zunächst erwartet. Die wirtschaftlichen Probleme werden gelöst, trotz der früheren Versprechen, die Austeritätsmaßnahmen zu lockern. Es wird dauern, aber wir sind auf einem guten Weg. Dabei sollten wir auch nicht vergessen, dass fast 20 Milliarden Euro EU-Gelder jedes Jahr nach Griechenland fließen.

Hängt Ihr Geschäft nicht unverhältnismäßig stark an politischen Rahmenbedingungen,  an Dingen, die Sie nicht beeinflussen können?

Gobron: Viele Menschen glauben, dass Faktoren wie der Euro-Dollar-Wechselkurs, die Inflation oder die politische Situation maßgeblich seien. Ich meine aber, vor allen Dingen wichtig ist die Art, auf die ein Unternehmen sein Geld verdient. Hat es die richtigen Produkte, genug Kunden und Lieferanten und eine solide Kapitalbasis? Hat es Preissetzungsmacht? Wechselkurs, Inflation oder politische Entscheidungen  können ein Unternehmen zwar beeinflussen, aber nicht so stark wie die anderen Faktoren. Ich könnte Ihnen für jedes Unternehmen, in das ich investiere, drei, vier oder fünf Parameter nennen, die ihre Hauptperformancetreiber sind. Ich versuche Unternehmen zu meiden, die zu stark von politischen oder regulatorischen Entscheidungen abhängen.

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