Superwahl-Sonntag: Sparkurs in Gefahr
Rückhalt in der Bevölkerung erodiert
Der deutliche Zuwachs der kleineren Parteien in Griechenland erschreckt. Nicht nur dass die linksradikale Syriza zweitstärkste Partei wird, die rechtsradikale Chryssi Avgi zieht ebenfalls ins Parlament ein. Lediglich die beiden grossen Parteien PASOK und Nea Dimokratia unterstützen den von der EU geforderten Sparkurs. Beiden Parteien könnte es jedoch zu einer Koalitionsbildung reichen. Die linksradikale Syriza lehnt die Sparprogramme der EU und des IWF ab. Eine mögliche Regierung zwischen ND und PASOK wird auf wackeligen Beinen stehen. Der Gegenwind der Extremisten ist groß. Neue ehrgeizige
Sparprogramme dürften nicht mehr durchsetzbar sein. Die Reformen verlieren den Rückhalt in der Bevölkerung und gefährden den sozialen Frieden. Der Sieg von François Hollande in Frankreich ist ähnlich zu interpretieren. Während Nicolas Sarkozy die deutsche Forderung nach einem rigiden Sparkurs unterstützte, möchte Hollande nicht einseitig auf Ausgabenkürzungen setzen, sondern auch Wachstumsimpulse mittels Investitionsprogrammen verankert wissen.Wachstumsschwächung durch Sparprogramme
Als Grundvoraussetzung für finanzielle Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) mussten Irland, Griechenland und Portugal drastische Sparprogramme aufgleisen. Aber auch Spanien und Italien treiben die Haushaltskonsolidierung voran, um die Refinanzierung am Kapitalmarkt zu einigermaßen tragbaren Zinsen nicht zu gefährden. Drastische Sparmaßnahmen gehen aber zu Lasten des Wachstums, weshalb die Bestrebungen der Staaten derzeit mit gemischten Gefühlen betrachtet werden:
- Alle Peripherieländer befinden sich erneut in einer teils tiefen Rezession. Die ambitionierten Sparprogramme werden den Rückgang der Wirtschaftsleistung erhöhen.
- Alleine die Sparprogramme der Peripherie werden das BIP der Eurozone voraussichtlich um 0,8% im Jahr 2012 reduzieren – ohne Multiplikatoreffekte durch verunsicherte Konsumenten und Produzenten.
Wir senken deshalb unsere Wachstumsprognose für die Eurozone und erwarten neu einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1% im Jahr 2012.
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