Quelle: Ökorenta

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Sustainability Congress: Alles wird grün

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Gleich zu Beginn des fünften Sustainability Congress im Bonner Bundeshaus sorgte Ulrich Hauschild für Heiterkeit. In seiner Eröffnungsrede scheiterte der Bonner Bürgermeister mehrmals an der Aussprache des Begriffs Sustainability, englisch für Nachhaltigkeit. Wenn auch ungewollt, wies Hauschild damit auf ein großes Dilemma der verantwortungsvollen Geldanlage hin: Viele Sparer können den Begriff Sustainability kaum aussprechen und auch mit der deutschen Übersetzung meist nur wenig anfangen. Warum also sollten sie investieren? Weil es sich lohnt, so die einhellige Meinung auf dem von Drescher & Cie. initiierten Kongress. Rund 600 Besucher trafen im alten Wasserwerk auf Nachhaltigkeitsexperten, Fondsmanager, Waldforscher und insgesamt 26 Aussteller. Themen waren unter anderem: Wie verhalten sich nachhaltige Investmentstrategien in der derzeitigen Finanzmarktsituation? Wie haben sich ausgewählte Fonds im schwierigen Marktumfeld 2008 behauptet? Wohin geht vor diesem Hintergrund die Reise im Markt der Beteiligungen? Welche Bedeutung bekommen nachhaltige Versicherungslösungen? Grüne Fonds sind die Krisengewinner Nachhaltigkeitsfonds konnten sich von der Abwärtsbewegung an den Kapitalmärkten nicht abkoppeln. Man war sich jedoch einig: Sie dürften als Gewinner aus der Krise kommen. Grund dafür sind unter anderem die grün gestrichenen Konjunkturprogramme. Es wird massiv Geld in diese Märkte gepumpt. So fließen satte 32,3 Prozent des chinesischen Rettungspakets in den Umwelt- und Klimaschutz, in Europa sind es 13,3 Prozent und in den USA 11,5 Prozent. Am Beteiligungsmarkt scheint die Sonne Auch der Beteiligungsmarkt färbt sich zunehmend grün. Von den Marktteilnehmern wurden vor allem die Themen erneuerbare Energien, speziell Solar, und Wald in den Vordergrund gerückt. Ökorenta stellte den Zukunftsenergien I vor, noch diese Woche rechnet der grüne Finanzvertrieb mit der Zulassung. Der Private-Equity-Fonds investiert direkt in Unternehmen, die in den Bereichen Umwelttechnologien und erneuerbare Energien erfolgreich sind und Geld für weiteres Wachstum benötigen. Gemanagt wird er von Sarasin Sustainable Investment, einem der Pioniere auf dem Markt für Grünanlagen, und Remaco, einem Spezialisten für das Zusammenbringen  von Unternehmen und Investoren.

Warum der Sektor erneuerbare Energien vor einer sonnigen Zukunft steht, erklärte Matthias Fawer von Sarasin in seinem Vortrag „Erneuerbare Energien – Stürmische Zeiten vor dem nächsten Hoch“. Die große Hoffnung komme dabei aus den USA. „Das US-Stimuluspaket enthält rund 66 Milliarden US-Dollar an Steuererleichterungen und Krediten für erneuerbare Energien, Stromnetze und Energieeffizienz und die Kapazitäten sollen innerhalb von drei Jahren verdoppelt werden“, erklärte Fawer. Und die europäische Solarbranche strebe an, bis 2020 rund 12 Prozent des europäischen Strombedarfs aus Solarenergie zu decken. „Die langfristigen Fundamentalfaktoren wie Klimawandel und der steigende Ölpreis bleiben zudem weiterhin bestehen“, so Fawer.
Grüne Dämmerung auf dem Versicherungsmarkt „Die grüne Versicherung wird Mainstream“, ist sich Tjark Goldenstein sicher. Der Gründer und Vorstand des grünen Maklerpools Ökorenta Finanz AG mahnt jedoch, die Dinge nicht zu überstürzen. „Wer zu viel auf einmal will, bekommt oft gar nichts.“ Man müsse bei Null anfangen und den Zuständigen in den Versicherungen überhaupt erst einmal erklären, was Nachhaltigkeit bedeute. „Die meisten haben sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt“, so Goldenstein. Dennoch ist er überzeugt: „Jeder Versicherer wird früher oder später ein grünes Produkt im Angebot haben.“ Das geschehe nicht immer aus Überzeugung, sondern schlichtweg, weil es vom Markt gefordert wird. „Keiner kann es sich leisten, den Zug zu verpassen“, sagt Goldenstein.

Dass die Versicherungen ihren gesamten Deckungsstock oder zumindest einen Teil nachhaltig investieren, ist erst recht noch Zukunftsmusik. Nur einige wenige Ausnahmen haben sich in homöopathischen Dosen vorgewagt. Nur wenige Anbieter werden das Thema durchgehend in ihre Geschäftspolitik einfließen lassen, glaubt auch Goldenstein.

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