Es begann mit einem Fass. Genauer gesagt: Mit 300 Litern Chardonnay, die Sven Ohlinger und Philipp Seeger 2010 im Keller von Knipser heimlich ausbauten. Aus Spaß, wie sie heute sagen. Weil sie einfach mal ihr eigenes Ding machen wollten. Die 400 Flaschen sollten eigentlich nur für den Eigenbedarf sein. Dann kamen die ersten Sternerestaurants. Dann die ersten Fans. Und plötzlich waren es 5.000 Flaschen im Jahr – zu viel für nebenher.

2018 bot sich die Chance. In Bad Dürkheim, klassisches Pfälzer Pflaster mit Tradition und Konkurrenz, suchte ein Weingut einen Nachfolger. Das Weingut Dambach, auslaufend, aber mit Historie. Die beiden ehemaligen Knipser-Lehrlinge griffen zu. Heute, rund sieben Jahre später, stehen sie in ihrem eigenen Keller und ziehen Barriquefässer die Treppe hinunter – per Hand, nicht mit dem Stapler wie früher. Aber das ist ihnen egal. Denn was sie hier in Bad Dürkheim aufbauen, ist mehr als nur ein Weingut. Es ist ein Statement gegen Kompromisse und für eine neue Generation Winzer.

Die Knipser-Schule

Wer bei Knipser lernt, lernt von den Besten. Das VDP-Weingut aus der Pfalz gilt als Pionier für deutsche Rotweine und perfektes Barriquefass-Management. Werner Knipser pflanzte bereits Anfang der 1990er Jahre internationale Rebsorten in Toplagen – Spätburgunder, Chardonnay – und experimentierte mit Holzfassausbau, als andere noch mit dem Kopf schüttelten. „Das war einfach ein Paradies", erinnert sich Philipp Seeger an seine Zeit dort. „Was du mit der Technik im Weinberg und im Keller arbeiten konntest – das war schon besonders."

Sven Ohlinger absolvierte 2001 seine Ausbildung bei Knipser, Philipp Seeger folgte 2004. Sie waren dabei, als das Weingut größer wurde, als die ersten Ernten aus den neuen Toplagen kamen. Sie lernten, was es heißt, nie stehenzubleiben, immer das Perfekte herauszuholen. Man wird vielleicht nicht versaut für Kompromisse, sagt Ohlinger heute diplomatisch, „aber es hilft uns schon, dass wir erfahren haben, wie wichtig es ist, sich immer weiterzuentwickeln."

Die Frage ist nur: Wenn man bei einem solchen Vorbild lernt, wie findet man dann seinen eigenen Weg?

Heilige Kühe schlachten – ohne Angst vor Traditionen

Als Ohlinger und Seeger 2018 das Weingut Dambach übernahmen, war klar: Hier würde sich alles ändern. Die Etiketten? Komplett neu gestaltet. Die Rebsorten? Umstrukturiert, Fokus auf Toplagen. Der Weinstil? Ein Cut. Von den alten Stammkunden blieb genau einer. „Das war uns von vornherein klar", sagt Seeger nüchtern. „Wir machen Weine, wie wir sie möchten. Und das war zu anders."

Die erste heilige Kuh, die sie schlachteten, war die Bewirtschaftung selbst. Seit 2018 wirtschaften sie biologisch, seit 2025 sind sie zertifiziert. „Das war ein wichtiger eigener Schritt", sagt Seeger. „Etwas, das wir so machen können, wie wir es am besten finden." Keine Frage des Marketings, sondern der Überzeugung.

Und dann wäre da noch die Frage nach dem Namen. S.O.P.S. – ihr altes Garagenwein-Projekt – oder Dambach, der traditionsreiche Name, der ihnen eigentlich fremd war? Sie entschieden sich für beides: Sops Dambach. Eine Brücke zwischen junger Energie und alter Tradition. „Wir sind zwei junge Kerle, die ein Weingut übernehmen", sagt Ohlinger, „aber wir greifen auf einen Traditionsbetrieb zurück. Das fanden wir spannend."

Chardonnay über alles – auch über Riesling

Die Pfalz ist Rieslingland. War es zumindest. Doch wer Ohlinger und Seeger nach ihrem Herzwein fragt, bekommt eine überraschende Antwort: Chardonnay. „Obwohl wir natürlich in einer Rieslingregion sind", sagt Seeger, „schlägt unser Herz für Chardonnay noch ein bisschen besonderer."

Das ist kein Zufall. Ihre Knipser-Zeit prägte sie – Spätburgunder, Chardonnay, Barriquefass-Ausbau. Das ist ihre DNA. Und das spiegelt sich in ihren Weinen wider. Der große Chardonnay vom Weingut Dambach ist kein Mainstream-Chardonnay, sondern ein Wein mit Haltung: im Holzfass ausgebaut, nicht zu dominant, mit Struktur und Finesse. „Großes Kino", nennt es Podcast-Host Oliver Morath.

Und dann ist da noch der Viognier – eine Rebsorte, die in Deutschland eher selten ist. Vier, fünf Reihen in Herxheim am Berg, 15 Jahre alte Reben, reiner Kalkfels. „Das macht den Wein besonders", sagt Ohlinger. „Das Alter der Reben, die Toplage, der Kalkboden." Ausgebaut im Tonneaux, nicht zu neu, damit das Holz nicht zu dominant wird. Das Ergebnis: ein Viognier mit Mineralik, dezenter Röstnote und schöner Frucht. 500 Liter pro Jahr, mehr nicht.

Zwei Kumpels, keine Würfel

Zwei Freunde, ein Weingut – das klingt romantisch. Aber wie löst man Konflikte, wenn einer sagt „links" und der andere „rechts"? „Meistens sind wir uns einig", sagt Ohlinger. „Und wenn nicht, muss man manchmal zurückstecken." Keine Würfel, keine Abstimmungen. Stattdessen: Diskussion, Austausch, gegenseitiges Vertrauen. „Wenn man alleine wäre, würde man betriebsblind", sagt er. „Zu zweit ergänzt man sich."

Philipp Seeger ist der Mann fürs Finanzielle, die Buchhaltung, die Zahlen. Sven Ohlinger ist der Kellermeister, der im Keller die Ideen hat. Aber wenn es um Verschnitte geht, um Entscheidungen im Weinberg, dann besprechen sie alles gemeinsam. „Bisher kam es noch nicht zu einer Fehlentscheidung", sagt Ohlinger schmunzelnd. „Noch sehr harmonisch."

Die VDP-Frage: Elite oder eigener Weg?

Viele Winzer träumen vom VDP-Adler. Ohlinger und Seeger sind vorsichtig mit der Antwort. „Natürlich ist das die Spitze Deutschlands", sagt Ohlinger. „Wer schaut da nicht ein bisschen drauf?" Sie orientieren sich an VDP-Betrieben, an deren Klassifikationen, an deren Fokus auf Toplagen. „Wir wollen uns mit solchen Betrieben vergleichen können."

Ob sie aufgenommen werden? „Ein enger Kreis", sagt Ohlinger zurückhaltend. „Aber die Grundlagen, die wir erschaffen wollen, gehen in die Richtung." Übersetzt: Sie tun alles, um sich zu qualifizieren. Wehren würden sie sich nicht.

Kein „Geschafft", nur „Weiter"

Wo sehen sie sich in fünf Jahren? „Jetzt haben wir es geschafft – das wird nie kommen", sagt Seeger. „Wir wollen nicht stehenbleiben." Neue Visionen, neue Ideen, immer weiter. Das ist die Knipser-Schule, die sie verinnerlicht haben. Perfektion ist kein Ziel, sondern ein Prozess.

Gab es Momente des Zweifels? Punkte, an denen sie dachten: Warum nicht einfach bei Knipser bleiben? „Gott sei Dank noch nicht", sagt Seeger. „Das macht nach wie vor Riesenspaß. Und das muss es auch."

Und Social Media? Marketing? „Da tue ich mich schwer", gibt Ohlinger zu. „Wir sind leidenschaftliche Winzer, die gerne im Weinberg und im Keller sind." Aber er weiß: Es gehört dazu. Alles, was sie produzieren, muss verkauft werden. Also gibt es Newsletter, gelegentliche Updates, Hoffeste. Kein Dauerbombardement, aber genug, um die Fans bei Laune zu halten.

Fazit: Garagenwein, erwachsen geworden

Was mit 300 Litern im Garagenkeller begann, ist heute ein Boutique-Weingut mit klarer Haltung. Bio-Anbau, Burgunder-Fokus, kompromisslose Qualität – und zwei Winzer, die wissen, was sie tun. Sie haben von den Besten gelernt, aber sie gehen ihren eigenen Weg. Ohne Angst vor heiligen Kühen. Mit viel Herzblut. Und mit Weinen, die zeigen: Perfektion ist anstrengend. Aber verdammt lecker.

Ein Wein ist für sie nur dann perfekt, sagt Philipp Seeger, „wenn er leer getrunken wird." Und genau das passiert mit ihren Weinen immer häufiger.

Hören Sie hier die gesamte Podcast-Episode zum Weingut Dambach