Jahrelang hat Sven Stoll für DAS INVESTMENT über die Fondswelt geschrieben. Nun geht er einen Schritt weiter: Zum 1. Oktober 2026 startet der frühere Redakteur mit dem Rooftop Alpha einen eigenen Dachfonds – und will damit einen anderen Weg gehen als die großen Weltfonds.

Vom Dach über die Redaktion in die Fondswelt

Stolls Weg verlief alles andere als geradlinig. Bis 2021 arbeitete er hauptberuflich als Dachdecker in Jena, nebenher schrieb er in seinem Blog „World of Investmentfonds“ über seine Leidenschaft für Fonds. 2015 begann er, als freier Autor für DAS INVESTMENT zu schreiben, 2022 tauschte er Werkzeug endgültig gegen Tastatur und wurde Redakteur. 

2024 wechselte er die Seiten und arbeitet seither als Fondsanalyst und Stratege bei der GSR an Fonds wie dem LI Multi Leaders (ISIN: DE000A0MUW08), dem Portfolio Dynamisch (ISIN: LU0106485211) und dem Top-Dividend (ISIN: DE000A2DL4G4) mit. Nun folgt der nächste Schritt: ein eigenes Produkt, das die Handwerks-Metapher schon im Namen trägt. Stoll nennt es den „Dachdecker-Fonds“.

Rooftop Alpha ist ein aktiv gesteuerter Dachfonds, der sich bewusst nicht an den Länder- und Sektorgewichtungen eines Index orientiert. Der Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die Stoll aus seiner langjährigen Arbeit mit Fonds mitbringt: Viele global anlegende Investoren trügen trotz breiter Streuung ähnliche Risiken im Depot – eine hohe US-Gewichtung, eine starke Konzentration auf einige wenige Schwergewichte und eine ausgeprägte Abhängigkeit von den großen Aktienindizes.

Genau das will Stoll umgehen. Die Länder- und Sektorgewichtungen sollen sich stattdessen aus der Marktlage ergeben. Neben der Trendstärke fließen Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die Dividendenrendite ein, dazu fundamentale Entwicklungen und mögliche Turnaround-Kandidaten. Einzelne Märkte können dadurch zeitweise deutlich stärker gewichtet werden, während Stoll Positionen in Regionen oder Sektoren mit nachlassender Dynamik zurückfährt.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Technologiesektor, der viele Weltfonds prägt. „Klumpenrisiken im Technologiesektor wollen wir bewusst vermeiden“, sagt Stoll. Dabei helfen soll eine hauseigene, KI-gestützte „Momentumampel“, die Trendverhalten und Fundamentaldaten von Regionen, Sektoren und Themen auswertet. Zusätzlich prüft das Team die tatsächlichen Überschneidungen der einzelnen Zielfonds, um versteckte Häufungen zu erkennen. Technologie bleibe investierbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, so Stoll – dauerhaft einem einzelnen Sektor hinterherlaufen wolle er aber nicht.

Konzentriert statt breit gestreut

Das Portfolio soll bewusst überschaubar bleiben. Stoll strebt zwischen 10 und 20 Zielfonds an. Entscheidend sei nicht die Zahl der Positionen, sondern deren Beitrag zur Gesamtstrategie: „Zu viele Fonds verwässern den aktiven Charakter und erschweren eine konsequente Steuerung“, sagt er.

Eine feste Quote für börsengehandelte Indexfonds gibt es nicht. Diese setzt Stoll vor allem in liquiden Standardmärkten sowie für taktische Länder- und Sektorpositionen ein. Aktive Fonds bevorzugt er dort, wo spezialisierte Manager aus seiner Sicht einen echten Mehrwert liefern – etwa bei Nebenwerten, in Schwellen- und Grenzmärkten oder bei Value- und Contrarian-Strategien. Als zentrale Absicherung dient über alle Bausteine hinweg die 200-Tage-Linie: Fällt ein Fonds unter diese Marke oder verliert er an Trendqualität, wird die Position reduziert oder verkauft.

240 Prozent – aber im Musterdepot

Die Zahlen, mit denen Rooftop Alpha wirbt, stammen aus einem Musterdepot und nicht aus dem Fonds. Seit dem 1. Januar 2022 weist dieses Trend- und Turnaround-Depot eine Wertentwicklung von rund 240 Prozent aus, bei einer Volatilität von 9,56 Prozent über drei Jahre. Einen investierbaren MSCI-ACWI-Indexfonds hätte das Musterdepot im selben Zeitraum um mehr als 165 Prozentpunkte übertroffen. Als Erklärung nennt Stoll hier beispielhaft die Gewichtungen: 2022 hätten türkische und indische Aktien eine große Rolle gespielt, 2024 und 2025 unter anderem Rüstungs- und Goldminen-Indexfonds. 

Der Vergleichschart wurde nach Angaben der Fondspräsentation auf dokumentierte Jahres- und Zwischenwerte kalibriert. Der Fonds selbst startet erst und muss seine Systematik im realen Handel noch belegen.

Drei Anteilklassen und eine erfolgsabhängige Gebühr

Rooftop Alpha wird in Euro aufgelegt und schüttet aus. Anleger können zwischen drei Anteilklassen wählen: Die Publikumsklasse R (ISIN: DE000A420700) ist ohne Mindestanlage und sparplanfähig, kostet aber 5 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,26 Prozent laufende Gebühren pro Jahr. Die Klassen I (ISIN: DE000A4207R8) und N (ISIN: DE000A4207S6) richten sich mit Mindestanlagen von 100.000 beziehungsweise 500.000 Euro an größere Anleger, verzichten auf den Ausgabeaufschlag und liegen bei 0,61 respektive 0,31 Prozent laufenden Kosten.

Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Vergütung: Übersteigt die Wertentwicklung eine Hürde von 7 Prozent, behält der Fonds 10 Prozent des darüberliegenden Teils ein, gedeckelt bei 10 Prozent. Die erste Abrechnungsperiode endet im September 2027.