Ulrich Harmssen

Ulrich Harmssen

Täglicher Marktkommentar

Das verblüffende Verhalten der europäischen Aktienbörsen

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In der Eurozone ist im Jahresvergleich die Inflationsrate weiter gesunken. Da kommt man schnell auf die Idee, dies allein auf die gesunkenen Kosten für Energie zurückzuführen. Allerdings: auch die Kernrate (ohne Energie, Lebens- und Genussmittel) ist gesunken!

Der Logik der letzten Jahre folgend, darf man nun getrost annehmen, dass die EZB mit dieser Entwicklung ganz und gar nicht zufrieden sein wird, entfernt man sich doch mit der aktuellen Inflationsentwicklung weiter weg vom Inflationsziel 2%.

Die EZB dürfte mit diesen neuen Zahlen zur Inflationsentwicklung weiter Munition für ihre Überlegungen erhalten haben, weitere geldpolitische Lockerungen vorzunehmen, damit – so ihre Logik – mehr Kredite ausgereicht werden für Investitionen und Konsum, um so Inflationstendenzen zu erzeugen. 

Das hat in der jüngeren Vergangenheit schon wenig funktioniert, und es besteht m. E. auch kein Grund anzunehmen, dass derartige Maßnahmen in Zukunft die erhoffte Wirkung entfalten.

Gleichwohl wird die EZB wohl wieder – quasi reflexartig – in naher Zukunft agieren und entsprechende Lockerungen verkünden.

An den Währungsmärkten wird diese m. E. sehr wahrscheinliche geldpolitische Entwicklung in der Eurozone bereits antizipiert: der EUR notierte gegenüber dem USD vor einigen Tagen noch bei etwas über 1,13 – aktuell (14:56) steht der Kurs bei etwas über 1,08.

Einigermaßen verblüffend ist das heutige Verhalten der europäischen Aktienbörsen: angesichts des heute kräftig – gegenüber dem USD – gefallenen EUR (heute morgen um 9 Uhr stand der Kurs noch bei 1,0958) hätte man mit diesem Impuls mit eher steigenden Kursen gerechnet. Stattdessen auf breiter Front Verluste...

Vielleicht wirken heute aber noch die „Ergebnisse“ des am Wochenende beendeten G20 Treffen in Shanghai nach, das im Ergebnis nicht mehr als sattsam Bekanntes lieferte und daher – mangels wirklicher Neuigkeiten – enttäuschte...

Unterdessen hat die chinesische Notenbank zur Stützung der heimischen Wirtschaft den Mindestreservesatz gesenkt; dies soll Banken die Kreditvergabe schmackhaft machen. 

Das kommt mir so bekannt vor...!   

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