Ulrich Harmssen ist Direktor Investmentfonds beim Maklerverbund Apella.

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Täglicher Marktkommentar

„Der fulminante Ölpreisanstieg ist fundamental schwer zu verstehen“

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Der Ölpreis explodiert heute geradezu – nach oben! Der Euro verliert leicht gegenüber dem US-Dollar und Draghi hatte ja bekanntlich bereits gestern verkündet, man wolle im März prüfen, ob weitere geldpolitsche Lockerungen notwendig seien.

Ergebnis: die Börsen schießen nach oben – aber nicht nur in der Eurozone. Offenbar beflügelt Draghi nun auch in Asien die Phantasie, dass die Bank of Japan noch einmal „zuschlagen“ könnte: der Nikkei 225 steigt um 4,18 Prozent, der Hang Seng um knapp 3 Prozent. Da der Euro heute auch leicht verliert, legt der Eurostoxx 50 mit dem Rückenwind vom steigenden Ölpreis und EZB-Phantasie aktuell 2,56 Prozent zu.

Und auch in den USA geht es an den dortigen Börsen deutlich nach oben: so steigt der S&P 500 aktuell um 1,77 Prozent.

Ölpreisanstieg nur schwer zu verstehen


Der heutige fulminante Anstieg des Ölpreises ist fundamental nur schwer zu verstehen. Die Meldung, die Lagerbestände des schwarzen Goldes in den USA seien nicht so stark gestiegen wie befürchtet, reicht dafür m. E. nicht aus.

Mögliche Erklärung: offenbar hat der Druck am Terminmarkt auf den Ölpreis nachgelassen und Shorties müssen sich nun angesichts steigender Notierungen eindecken.

Ein Wort noch zu Draghi, der ja nicht müde wird zu betonen, es ginge der EZB insbesondere um die Bekämpfung der niedrigen Inflation: die niedrige Inflationsrate in der Eurozone ist überwiegend das Ergebnis drastisch gesunkener Preise für Energie und sinkender Preise für Importgüter. Diese Preise werden durch geldpolitische Maßnahmen der EZB kaum beeinflusst.

Liquidität wird nicht weitergereicht

Und machen wir uns auch an einer anderen Stelle nichts vor: die reichliche und billige Versorgung des Bankensystems mit Liquidität wird eben nicht – wie durch die EZB beabsichtigt – in großem Umfang als Kredite an Unternehmen und Konsumenten weitergereicht, so dass durch eine deutliche Steigerung der Nachfrage beabsichtigte Preisentwicklungen stattfinden können.

Die Wirkungslosigkeit der geldpolitischen Maßnahmen der EZB hinsichtlich der Bekämpfung von deflationären Entwicklungen war im Frühjahr letzten Jahres schon zu beobachten, als kurz zuvor die EZB ihr gigantisches QE – Programm initiierte. Danach sanken die Inflationsraten weiter, einzig eine kräftige Asset Price Inflation stellte sich ein.

Gedankenexperiment: die EZB hat eigentlich nur eine Chance, die Inflationsraten in die gewünschte Richtung zu treiben: statt in großem Umfang Anleihen zu kaufen, könnte sie in großem Stil Rohöl kaufen und horten! Auf diese Art und Weise könnte sie – vielleicht in konzertierter Absprache mit anderen Notenbanken – Preisdruck erzeugen und dann an steigenden Rohölpreisen auch noch trefflich verdienen..!

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