Ulrich Harmssen ist Fondsexperte des Maklerverbunds Apella.

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Täglicher Marktkommentar

Hexensabbat – Großer Verfallstag

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Verursacht werden die Kursausschläge zum so genannten Hexensabbat durch institutionelle Anleger, die durch ihre Orders – insbesondere bei Indexschwergewichten – versuchen, die Preise in jene Richtung zu treiben, zu denen sie an der Terminbörse engagiert sind.

Kein Wunder also, dass an solchen Tagen in der Regel das Handelsvolumen deutlich ansteigt und sich gelegentlich Anleger fragen, wieso sich Kurse plötzlich – und scheinbar ohne Grund - in die eine oder andere Richtung bewegen.

In jedem Fall kann das heutige Börsengeschehen kaum wirklich einsortiert werden, weil der Einfluss der so zustande kommenden Tickets im Markt kaum abzuschätzen ist.

Von Risiken und Nebenwirkungen

Die Notenbanken haben bekanntlich dafür gesorgt, dass Geld immer billiger wird, um die Kreditvergabe an die Wirtschaft anzukurbeln. Eine Nebenwirkung: die Preise für Immobilien – insbesondere in den Metropolen der westlichen Industrieländer – ziehen immer weiter an; mitunter kann man durchaus von einer Immobilienblase reden. Und längst ist dieser Trend auch in China angekommen.

Denn auch dort hat die Zentralbank – nach westlichem Vorbild – Geld immer billiger gemacht. Nun meldet die chinesische Statistik-Behörde, dass die Immobilienpreise in 70 großen Städten im Schnitt um 3,6 Prozent gestiegen sind – auf Monatssicht (!). In Peking, Shanghai und Shenzhen liegt dieser Preissprung zwischen sagenhaften 12,9 und 56,9 Prozent.

Ursachen für fulminante Überhitzung

Die Ursachen für diese fulminante Überhitzung sind in China die gleichen, wie in den westlichen Metropolen:

  • Immer mehr Menschen wollen in die Großstädte
  • Kreditzinsen für den Kauf von Immobilien sind historisch niedrig
  • In einer zinslosen Landschaft mangelt es an „sicheren“ Anlagealternativen

Man sieht schon auf den ersten Blick, dass vieles an der Preisentwicklung von Immobilien vom Zinsniveau abhängt. Sollte der einmal wieder steigen, wird die Zahl der neu gestellten Kreditanträge schrumpfen; außerdem werden etliche Kreditnehmer, die „spitz auf Knopf“ gerechnet haben, bei Prolongation zu anderen Konditionen die Segel streichen müssen.

Platzen der Blasen am Immobilienmarkt?


Zugleich würde die Attraktivität der „sicheren“ Anlagealternativen (Staatsanleihen) steigen. Insgesamt wird so die Nachfrage nach Immobilien entsprechend sinken und es könnte relativ schnell zu einem Platzen der Blasen kommen. Schließlich gilt auch in diesem Bereich: „Die Baisse nährt die Baisse.“

Aber: mit einem schnellen Anstieg der Zinsen ist vorerst nicht zu rechnen. Denn dies würde nicht nur den einen oder anderen „Häuslebauer“ in Schwierigkeiten bringen, sondern auch die hochverschuldeten Staaten der westlichen Welt, die ab einem bestimmten Punkt ihren Schuldendienst kaum noch würden stemmen können.

Auch hier gibt es wieder eine „teure“ Nebenwirkung: nicht nur der Zins für Kredite ist dramatisch gesunken; ebenso gesunken auf mikroskopische Größe der Zins für Einlagen bei Banken. Auch der Garantiezins für klassische Kapitallebensversicherungen sinkt immer weiter. Pensionsfonds und Versorgungswerke sind ebenso vom Niedrigzins betroffen. Private Vorsorge wird – sofern auf Zinserträge angewiesen – so zur Nullnummer und zunehmend sinnlos.

Einkommenseinbußen privater Haushalte

So stellte die DZ Bank im April des vergangenen Jahres fest, dass sich die Einkommenseinbußen privater Haushalte in Deutschland aufgrund des Niedrigzinses in den vergangenen fünf Jahren auf  ca. 190 Milliarden Euro summieren.

Fest steht, dass schon heute immer mehr Rentner sich ihre karge Rente vom Staat aufstocken lassen müssen.

Es gehört wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass anhaltende Niedrigzinsen den Systemen privater Altersvorsorge mit niedrigen Aktienquoten den endgültigen Garaus machen werden. Zuvor werden allerdings in Deutschland viele Millionen Menschen diese Suppe auslöffeln müssen.

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