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Alternative zum Tagesgeld
Warum Geldmarktfonds auch für private Anleger sinnvoll sind
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Alternative zum Tagesgeld Warum Geldmarktfonds auch für private Anleger sinnvoll sind

Karnevalsauftakt in Köln: Auch für Privatkunden lohnen sich Experten zufolge Geldmarktfonds
Karnevalsauftakt in Köln: Auch für Privatkunden lohnen sich Experten zufolge Geldmarktfonds | Foto: Imago Images / Panama Pictures

Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank verfügt die Hälfte der Deutschen über ein Vermögen von mehr als 106.000 Euro pro Kopf. Selbst wenn auf das reine Geldvermögen geschaut wird, hat die Hälfte der Menschen in Deutschland mehr als 60.000 Euro Geldvermögen. Aktien spielen allerdings nach wie vor keine große Rolle bei deutschen Sparern, nur ein Achtel der freien Liquidität ist dort investiert. Das meiste Geld liegt einfach nur rum, vornehmlich in bar oder auf nicht verzinsten Girokonten.

Abwarten kostet Geld

Leider ist mit den Zinsen auch die Inflation gestiegen. Sein Geld einfach nur herumliegen zu lassen, ist mittlerweile teuer geworden. Aktive Anleger suchen ihr Glück im Tagesgeld. Vor allem Direktbanken bieten hier auf den ersten Blick attraktive Konditionen. Häufig werden steigende Zinsen dann aber nur mit großer Verzögerung weitergegeben. Wer viel Zeit hat, versucht sich im Zinshopping, aber es ist schon etwas aufwendig, alle paar Monate ein neues Tagesgeldkonto zu eröffnen. Dabei gibt es eine liquide Alternative, die den aktuellen Marktzins gut abbildet – den Geldmarktfonds.

 

Hier finden Sie alle Geldmarktfonds im Überblick.

Geldmarktfonds sind Investmentfonds, die in kurzfristige, hochliquide Schuldtitel investieren. Hauptziel ist der Erhalt des Kapitals und die Gewährleistung von Liquidität, wobei gleichzeitig eine moderate Rendite erzielt werden soll. Die EU hat 2017 in einer Verordnung über Geldmarktfonds genau festgelegt, worin ein Geldmarktfonds investieren darf. Dazu zählen vor allem die sogenannten Geldmarktinstrumente.

Das sind zum Beispiel Schatzanweisungen, Termingelder oder Einlagenzertifikate von Banken, Unternehmen oder Staaten. Geldmarktfonds streuen das Risiko durch Investitionen in verschiedene Instrumente und Emittenten. Sie gelten als relativ sicher, da sie in hochwertige Schuldtitel mit kurzer Laufzeit investieren. Allerdings gibt es keine absolute Sicherheitsgarantie. Marktschwankungen und Kreditrisiken der Emittenten können das Kapital beeinflussen.

Geldmarktfonds investieren direkt auf dem sogenannten Geldmarkt. Dieser dient Banken, Unternehmen oder Staaten dazu, sich kurzfristig Geld zu beschaffen oder überschüssiges Geld kurzfristig anzulegen. Dazu vergeben sich die Akteure gegenseitig Kredite mit einer sehr kurzen Laufzeit. Für diese Kredite fließen Zinsen, deren Höhe eng an den aktuellen Leitzins der Zentralbank gekoppelt ist. Mit diesen Zinsen erzielt ein Geldmarktfonds seine Rendite. Durch den Anstieg der Zinsen seit Sommer 2022 sind Geldmarktfonds wieder attraktiver geworden. Sie haben in der Regel eine hohe Liquidität. Anteile können jederzeit an der Börse verkauft oder an die Fondsgesellschaft zurückgeben werden.

Geldmarktfonds bilden den aktuell gültigen Zins ab

Geldmarktfonds bieten in der Regel eine höhere Flexibilität und potenziell höhere Renditen, tragen aber ein leicht höheres Risiko. Im Vergleich zum beliebten Tagesgeld machen sie weniger Arbeit. Denn sie bilden den aktuell gültigen Geldmarktzins jederzeit gut ab. Ein Zinshopping wie beim Tagesgeld entfällt. Das Tagesgeld ist über die Einlagensicherung nur bis 100.000 Euro abgesichert. Bei Anlage einer höheren Summe ist die Differenz bei einer Bankenpleite nicht gesichert.

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Ein Geldmarktfonds dagegen zählt zum Sondervermögen der Fondsgesellschaft. Sollte diese bankrott sein, wäre das Geld immer noch sicher. Entscheidend für die Sicherheit bei einem Fonds ist der Inhalt. Während der Finanzkrise 2008 gerieten auch viele Geldmarktfonds in Schwierigkeiten, denn sie hatten in Schuldverschreibungen von Lehman Brothers investiert. Als Lehman Brothers bankrott ging, führte dies zu enormen Verlusten in diesen Fonds. In Reaktion auf diese Ereignisse und die Probleme, die sie für das Finanzsystem insgesamt aufzeigten, haben Regulierungsbehörden die Regeln für Geldmarktfonds verschärft, um deren Sicherheit und Stabilität zu erhöhen und ein ähnliches Szenario in der Zukunft zu verhindern.

Die Kostenquote fällt sehr niedrig aus

Zwar müssen Anleger berücksichtigen, dass für eine Anlage in Geldmarktfonds auch Verwaltungsgebühren fällig werden. Allerdings liegen die Kosten bei Geldmarktfonds mit aktiver Portfoliosteuerung häufig bei unter 0,2 Prozent pro Jahr. Im Gegenzug erhält man jedoch bei einer längeren Anlagedauer immer das aktuelle Geldmarktniveau. Gute Geldmarktfonds liegen aktuell bei einer Wertentwicklung von um die vier Prozent pro Jahr. Dafür muss man derzeit bei Tagesgeldangeboten schon lange suchen.

Ein Geldmarktfonds ist Schadensbegrenzung

Es kann sich also lohnen sich an preußische Tugenden zu erinnern und aufzuräumen. Keiner sollte sein Geld unverzinst herumliegen lassen. Denn die Inflation nagt unerbittlich an der Liquidität. Anleger sollten sich auch immer darüber im Klaren sein, dass ein Geldmarktfonds keine langfristige Geldanlage ist. Denn am Geldmarkt arbeitet das Geld nicht wirklich hart. Die Inflation hat die Nase vorn und bleibt höher. Wie das Tagesgeld fällt auch der Geldmarktfonds in die Kategorie Schadensbegrenzung. Langfristig ist damit kein Vermögensaufbau möglich. Dazu sind Aktien dann doch besser geeignet.

 

 


Über den Autor:

Markus Richert ist Certified Financial Planer (CFP) und Seniorberater bei Vermögensverwalter Portfolio Concept mit Sitz in Köln.

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