Stephan Simon

Stephan Simon

Tagesgeld: Geldvernichtung oder strategische Entscheidung?

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„Cash ist fesch“, so denken im Moment viele Anleger und parken seit Monaten hohe Geldbestände in Fest- und Tagesgeldern. Und sie liegen damit voll im Trend, parken doch auch die europäischen Großbanken mit rund 775 Mrd. Euro so viel Liquidität wie noch nie bei der Europäischen Zentralbank, zu Minizinsen.

Der Grund hierfür liegt in der seit zwei Jahren andauernden Schuldenkrise in Europa und den damit verbundenen starken Kursschwankungen an den Börsen. „Mit meinem Festgeld kann ich wenigstens kein Geld verlieren“, so ein Anleger. Doch stimmt das wirklich?

Zum einen sollte bei der Wahl des Kreditinstitutes die Bonität beachtet werden. Zum anderen ist zu bedenken, dass die Einlagensicherung nach europäischer Richtlinie auf TEU 100 beschränkt ist und Ansprüche (bei ausländischen Banken) gegebenenfalls im Ausland geltend gemacht werden müssen, was mit Aufwand und Kosten verbunden sein kann.

Nicht zuletzt sollte der Anleger das Thema Inflation nicht aus dem Auge verlieren, auch wenn im Moment andere Themen in den Medien Vorrang genießen. Mit der am 21. März diesen Jahres erfolgten Neuauflage einer inflationsgeschützen Anleihe durch die Deutsche Finanzagentur (Laufzeit 11 Jahre, Kupon 0,10 Prozent!!), kann sich dies jedoch durchaus ändern.

Im Normalfall erhält der Investor von Anleihen oder in Festgeld einen Inflationsausgleich in Form höherer Zinsen. Da die Zinsen derzeit (nicht nur in Europa) jedoch durch die Notenbanken wegen der europäischen Verschuldungskrise künstlich niedrig gehalten werden, befinden wir uns aktuell in einem Umfeld negativer Realzinsen, d.h. die Inflation liegt höher als die aktuelle Rendite. Und das wird wohl auch noch einige Zeit so bleiben.

So liegt die aktuelle Inflationsrate im Euroraum gemäß Statistik der Europäischen Zentralbank bei 2,7 Prozent und damit seit rund 14 Monaten über dem 2 Prozent Zielkorridor. Hatte früher die Deutsche Bundesbank bereits mit höheren Zinsen reagiert, um ihrem Ziel der Geldwertstabilität gerecht zu werden, erfolgte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Paradigmenwechsel. Man druckt Unsummen von Geld, um damit Staatsanleihen der europäischen Nachbarländer aufzukaufen und einen Kollaps in der Europäischen Währungsunion zu vermeiden. Im Moment gelangt die extrem hohe Liquidität noch nicht in den Wirtschaftskreislauf, doch bildet sie den idealen Nährboden für eine höhere Inflation. Eine Perspektive, die den hoch verschuldeten Staaten durchaus gelegen kommt, können sie doch auf diese Art und Weise einen Teil ihrer Schulden „weginflationieren“.

Freilich ist dabei noch zu bedenken, dass die persönliche Teuerung auf einem viel höheren Niveau liegen kann, als die von der EZB veröffentlichten 2,7 Prozent. Denn die EZB misst die Teuerung mit einem Warenkorb, der vom persönlichen Konsumverhalten deutlich abweichen kann. Dies merken Sie nicht nur beim Tanken (Energiepreise +9,2%), sondern auch bei der täglichen Tasse Kaffee (+12,5 Prozent) oder einem guten Glas Weißwein zu edlem Fisch (+2,9 Prozent bzw. +4,2 Prozent). Billiger geworden ist hingegen elektrisches Equipment im Bereich der Unterhaltungselektronik, aber wer kauft sich schon jedes Jahr einen neuen Fernseher?

Der Weg aus der Schuldenkrise wird Zeit benötigen und letztlich neben einer Umverteilung zu Gunsten der Krisenländer, nur durch eine höhere Inflation zu bewältigen sein.

Für den Festgeldanleger bedeutet dies seit Monaten einen realen Geldverlust, und das wird voraussichtlich auch künftig so sein. Anleger sollten also dringend handeln und nur den Teil ihres Vermögens liquide halten, den sie als kurzfristige Reserve tatsächlich benötigen.

Der Rest sollte je nach Anlagezielen und Risikobereitschaft breit diversifiziert investiert werden. Dies vorzugsweise in Sachwerten, wie Aktien oder Immobilien. Auch Anleihen mit einem Inflationsausgleich guter Emittenten und Gold können eine sinnvolle Beimischung sein.

Die Allokation des Vermögens sollte dabei neben der strategisch langfristigen Ausrichtung flexibel auf veränderte Faktoren angepasst werden und von einem  aktiven Risikomanagement begleitet werden. Kriterien, die professionelle bankenunabhängige Vermögensverwalter aktiv verfolgen und erfolgreich umsetzen und somit das Ziel verfolgen, das Vermögen ihrer Kunden real, also nach Inflation, nicht nur zu erhalten, sondern auch zu vermehren. Eine transparente und faire Preisgestaltung auf Honorarbasis, die völlig unabhängig vom Vertrieb margenstarker Bankprodukte ist, bildet dabei die beste Basis für eine lösungs- und zielorientierte Beratung.

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