Taugen Aktienfonds zur Altersvorsorge?

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Grafik 1: Kursverlauf des Deutschen Aktienindex (Dax) von 1988 bis 2009

Keine Frage: Aktienfonds bieten Chancen. Aber sie sind auch riskant. Das weiß jeder, der schon einmal einen Langfrist-Chart des Deutschen Aktienindex (DAX) betrachtet hat. Anfang 1988 mit 1.000 Punkten gestartet, stieg der Index in den folgenden Jahren auf zeitweise mehr als 8.000 Punkte, fiel aber danach sogar unter die Marke von 2.500 Punkten zurück. Lässt sich auf einer solchen Berg- und Talfahrt eine sichere private Altersvorsorge aufbauen?



Grafik 2: Rollierende 30-Jahres-Renditen deutscher Aktienfonds-Sparpläne

Wer nach einer seriösen Antwort sucht, muss zuvor eine andere Frage beantworten. Wie funktioniert private Altersvorsorge? In der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle so: Aus dem laufenden Einkommen fließen über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg regelmäßig kleinere Sparbeträge, die sich summieren und inklusive Zins und Zinseszins im Alter die Basis für eine monatliche Zusatzrente bilden.

Ein heute 30- oder 35-jähriger, der 30 Jahre lang jeden Monat einen festen Betrag in einen Fonds für deutsche Aktien einzahlt, kauft seine Anteile wegen der hohen Schwankungen (siehe Grafik 1) mal zu höheren, mal zu niedrigeren Preisen. Dadurch entsteht ein Durchschnittskosteneffekt, neudeutsch Cost Average genannt.

Wie beide Faktoren – Zeit und Cost Average – zusammenwirken, zeigt Grafik 2. Sie stellt für den Zeitraum Dezember 1991 bis Dezember 2009 rollierend alle stichpunktbezogenen Sparplan-Resultate nach einer 30-jährigen Laufzeit dar. Zwei Lesebeispiele: Wer Ende Juni 1995 seinen im Juli 1965 begonnenen Sparplan beendete, erzielte dabei eine Rendite von 8,4 Prozent. Die dem 31. Dezember 2004 zugeordnete Schlussrendite 7,6 Prozent wiederum bezieht sich auf einen am 1. Januar 1975 begonnenen Sparplan.

Was sagt Grafik 2 im Kern aus?

Erstens: Kein Anleger, der zwischen 1961 und 2009 dreißig Jahre lang regelmäßig einen gleichbleibenden Betrag in einen deutschen Aktienfonds eingezahlt hat, hat dabei Geld verloren.

Zweitens: Die Bandbreite der durchschnittlich erzielten Renditen schwankte zwischen 5,2 Prozent (März 2009) und 12,9 Prozent (März 2000).

Drittens: Phasen mit eher niedrigen Durchschnittsrenditen folgten schon bald Phasen mit höheren Renditen und umgekehrt.

Niemand kann mit Gewissheit vorhersagen, wie sich ein 2010 für 30 Jahre abgeschlossener Aktienfondssparplan entwickeln wird. Doch wie hat es der französische Schriftsteller André Malraux einmal so treffend formuliert: Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schlussrendite irgendwo zwischen 5,2 und 12,9 Prozent liegen wird, ist deshalb recht hoch.

Wer einen eher ungünstigen Ablaufzeitpunkt erwischt, darf zudem auf einen Nachschlag hoffen. Vorausgesetzt natürlich, er lässt sein Geld noch eine Weile im Fonds weiterarbeiten. Bei einer Ablaufsumme von knapp 196.000 Euro, die sich beispielsweise bei einer über 30 Jahre lang gezahlten Monatsrate von 200 Euro bei 6 Prozent Rendite ergibt, sollte das aber ohne weiteres möglich sein: Kein 65-jähriger gibt diesen Betrag, der ihm zu einer privaten Zusatzrente verhelfen soll, innerhalb weniger Jahre komplett aus.

Grafik 3: Wie aus monatlich 200 Euro in 30 Jahren 98.000 Euro werden – oder 616.000 Euro

Was macht es nun für einen Unterschied, ob ein über 30 Jahre abgeschlossener 200-Euro-Sparplan mit einem Sparbuchzins von 2 Prozent oder mit 12 Prozent rentiert? Einen gewaltigen, wie Grafik 3 zeigt: Im ersten Fall stehen am Ende 98.415 Euro auf dem Konto, im zweiten mehr als 616.000 Euro.

Auch wenn mit dem letztgenannten Betrag niemand kalkulieren sollte – 8 Prozent Rendite erscheinen, ein flexibles Ablaufmanagement vorausgesetzt, keineswegs unrealistisch. Ein Schlussbetrag von 283.523 Euro wiederum, anschließend bewusst konservativ zu 4 Prozent angelegt, erlaubt 30 Jahre lang den Bezug einer monatlichen Zusatzrente von 1.342 Euro. Wer das Sparbuch für die private Altersvorsorge nutzt und dieser Anlage auch in der Auszahlphase treu bleibt, kommt nur sieben Jahre lang in den Genuss einer solchen Rate – oder muss die monatliche Auszahlung mit 363 Euro fast 1.000 Euro niedriger ansetzen.

Damit dürfte nicht nur die Frage beantwortet sein, ob Aktienfonds zur Altersvorsorge taugen. Sondern angesichts der künftig deutlich niedrigeren gesetzlichen Renten auch die Frage, ob ein heute 30 oder 35 Jahre alter Vorsorgesparer überhaupt an Aktienfonds vorbeikommt, wenn er seinen Lebensstandard im Alter aufrechterhalten will. Nein, kommt er nicht.