Warum die „Glorreichen 7“ nicht die einzigen Aktien sein werden, die die Aktienmärkte beeinflussen, erläutern die Pictet Asset Management-Experten Arun Sai, Multi-Asset-Stratege, und Gertjan Van Der Geer, Investment-Manager.

Beim bemerkenswerten Aufschwung des US-Aktienmarktes haben die „Glorreichen 7“, die Technologieriesen, eine Hauptrolle gespielt. Das Narrativ, das sie umgibt, ist verlockend. Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla sind in den letzten drei Jahren zusammen fast 50 Prozent der gesamten Kursgewinne des S&P 500 Index zuzuschreiben.

Bei näherer Betrachtung ist jedoch nicht ganz klar, ob die Silicon Valley Heroes überhaupt jemals die alleinigen Protagonisten waren – oder sein werden. Es gibt zwei weitere Gruppen von Unternehmen, die einen erheblichen Einfluss auf die Renditen der Aktienmärkte hatten und auch weiterhin haben werden.

Die „Terrific 20“ überholen die Technologieriesen – mit Vorbehalt

Die Rede ist von den „Terrific 20“, einer Gruppe von Mega-Caps, deren Aktienkursentwicklung in den letzten fünf Jahren derjenigen der „Glorreichen 7“ entsprach, und von den „Forgotten 50“, zu denen – wie der Name schon sagt – hochrentable Unternehmen gehören, die aus undefinierbaren Gründen in Ungnade gefallen sind. Beide Gruppen verdienen es, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Schauen wir uns zunächst die „Terrific 20“ an. Die Aktienrenditen dieser Gruppe – alles Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung, die nicht nur im Technologiesektor, sondern in einer Vielzahl anderer Branchen wie Konsumgüter, Finanzen, Industrie und Energie tätig sind – haben die Renditen der „Glorreichen 7“ im Jahresverlauf 2025 um etwa 12 Prozent übertroffen.

Grafik 1 – „Glorreiche 7“ über einen Zeitraum von 5 Jahren nicht die Top-Performer

Quelle: MSCI, LSEG, Pictet Asset Management; Daten für den Zeitraum 31.12.2020–16.10.2025. Zu den „Forgotten 50“ gehören: Eli Lilly, Salesforce, ServiceNow, Progressive Ohio, MercadoLibre, American Tower, Newmont, Equinix, Marvell Technology, Snowflake, Chipotle Mexican Grill, Digital Realty Trust, Allstate, Fortinet, Workday, MSCI, Copart, Veeva Systems, Resmed, Datadog, Xylem, Arch Capital, Dexcom, Ventas, Brown & Brown, Atlassian, Live Nation Entertainment, Tyler Technologies, Trade Desk, T Rowe Price Group, SBA Communications, Hubspot, Insulet, Pinterest, Liberty Media Formula One, Godaddy, Expand Energy, First Solar, Zoom Communications, Mongodb, Deckers Outdoor, Illumina, Okta, Twilio, Docusign, Dynatrace, Incyte, Neurocrine Biosciences und Biomarin Pharmaceutical.

Zu den „Terrific 20“ gehören: Broadcom, JPMorgan, IBM, Berkshire Hathaway, Visa, Netflix, ExxonMobil, Mastercard, Costco, Walmart, Oracle, AT&T, GE Aerospace, Home Depot, Wells Fargo, Bank of America, Palantir Technologies, Chevron, Philip Morris International und Goldman Sachs.

Ihre anhaltende Rally ist der Hauptgrund dafür, dass die Bewertungen des S&P 500 Index nach dem inflationsbedingten Ausverkauf im Jahr 2022 den zyklischen Höchststand – KGV von 23 – erreicht haben. Auf den ersten Blick ist dies eine positive Entwicklung, weil sie darauf hindeutet, dass die Rally am US-Markt nun viel solider abgestützt ist und sich nicht mehr nur auf Nvidia, Microsoft und die fünf anderen Technologieriesen stützt.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Die außergewöhnliche Entwicklung der „Terrific 20“ gibt Anlass zur Sorge, denn ihre Kursgewinne gehen nicht mit einer Verbesserung ihrer Ertragslage einher.

Wenngleich US-Unternehmen deutlich rentabler sind als in der Vergangenheit – die Eigenkapitalrendite beim S&P 500 liegt derzeit bei 19 Prozent gegenüber dem langfristigen Durchschnitt von 15 Prozent – spiegeln hohe Aktienbewertungen tendenziell die Erwartung wider, dass sich das Gewinnwachstum entweder beschleunigt oder die Rentabilität bei immer mehr Umsatz konstant bleibt. Und bei diesen Kennzahlen haben die „Terrific 20“ nicht geliefert, zumindest noch nicht.

Im Gegensatz zu ihren glorreichen Rivalen, deren Kursgewinne mit einem ausßerordentlichen Gewinnwachstum einhergingen, sind die Erträge der Terrific 20 bisher eher unspektakulär. Zwar sind ihre Aktienbewertungen in nur zwei Jahren um 60 Prozent gestiegen, aber ihr Beitrag zum Gesamtgewinn des S&P 500 ist von knapp 20 Prozent vor zehn Jahren auf 15 Prozent gesunken.

Hinzu kommt, dass die Konsenserwartungen der Analysten für die Gewinne der „Terrific 20“ seit 2020 um 15 Prozent pro Jahr gestiegen sind, nur geringfügig über der Prognose für den Gesamtmarkt, aber deutlich unter den 26 Prozent für die „Glorreichen 7“. All dies hat weitreichende Folgen für Aktieninvestoren.