Die wichtigsten Punkte
- Die Einführung von KI beschleunigt sich weiter. Dabei verlagert sich der Fokus jedoch zunehmend von der Technologie hin zu Fragen der Wirtschaftlichkeit.
- Der Markt belohnt derzeit noch zyklische Nutznießer der KI-Infrastruktur. Fragen zur künftigen Kapazitätserweiterung, Monetarisierung, Kapitalrendite und Wettbewerbsposition gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung.
- Das unterstreicht die Notwendigkeit eines disziplinierten, langfristigen Ansatzes bei der Aktienauswahl.
Welche Investitionen rechnen sich, welche Unternehmen profitieren vom technologischen Wandel – und welche nicht? Diese Frage war stets mit im Raum, als unser Technologie-Team im Silicon Valley intensive Gespräche mit Führungsteams geführt hat. Diese Reisen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Anlageprozesses: Durch den direkten Kontakt können wir Chancen und Risiken noch umfassender bewerten. Die globale Research-Plattform von Fidelity ist in diesem Prozess ein entscheidender Vorteil. Sie vereint Zugang zu Unternehmen, Branchenexpertise und marktübergreifende Perspektiven entlang der gesamten Technologie-Wertschöpfungskette.
Mehr als 20 Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, Software, Internet und KI haben wir bei dem mehrtägigen Aufenthalt besucht. Für Anleger sind derzeit unserer Meinung nach drei Themenfelder besonders wichtig: Hardware, KI-Nutzung und die Frage nach der künftigen Rolle der Softwarebranche.
1. Hardware: Robuste Nachfrage und zyklische Einflüsse
In den Gesprächen waren die Hardware-Unternehmen wie erwartet optimistisch, dass die Nachfrage nach KI weiterhin stark bleibt. Die anhaltenden Investitionen der großen Cloud-Anbieter (Hyperscaler) führen zu einer robusten Auftragslage entlang der gesamten Technologie-Wertschöpfungskette. Die Führungsteams wiesen auf Engpässe jenseits von CPUs hin – auch Speicher, fortschrittliche Gehäusetechnologien, Substrate und optische Anwendungen sind betroffen. Die Unternehmen reagieren darauf:
- Ein Hersteller von optischen Transceivern sagte uns, dass er seine Kapazität jedes Jahr verdoppeln (!) will.
- Ein Hersteller von Halbleiterausrüstung bestätigte, dass DRAM-Produzenten (Dynamic Random-Access Memory) fast doppelt so viele Aufträge für Anlagen zur Waferfertigung erteilen wie in den vergangenen zwei Jahren.
Anleger sollten dennoch die zyklischen Risiken etwa bei Speichern nicht unterschätzen. Bei hoher Nachfrage können Anbieter die Speicherpreise schnell anheben, doch bei einer zyklischen Wende ist ein drastischer Preisabschwung möglich. Zudem ist die Speicherchip-Herstellung von hohen Fixkosten und schnellem technologischem Wandel geprägt. Die Speicherdichte verbessert sich fortlaufend, und die Produktionskosten sinken tendenziell. Darum halten weder Hersteller noch Kunden übermäßige Lagerbestände – die Speicher von morgen sind in der Regel günstiger als die von heute. So können Phasen der Verknappung schnell in ein Überangebot umschlagen.
2. KI-Einsatz nimmt zu, ROI bleibt herausfordernd
Ein weiteres Thema in unseren Gesprächen war der Wandel vom „Tokenmaxxing“ hin zum „Valuemaxxing“. Zu Beginn des Jahres sahen Firmen einen hohen Token-Verbrauch oft als Maßstab für Innovation und Produktivität an. Mittlerweile blicken sie stärker auf die Kosten und den tatsächlichen Mehrwert.
- Ein Internetunternehmen im Konsumgüterbereich hatte Berichten zufolge sein KI-Token-Budget deutlich früher als erwartet ausgeschöpft. Gewissen Effizienzgewinnen etwa in der Softwareentwicklung standen Fragezeichen bei der Kapitalrendite und den Auswirkungen auf den Umsatz gegenüber. Daher überwacht das Unternehmen die Token-Kosten weiterhin, um die Vorteile binnen Jahresfrist umfassender bewerten zu können.
- Ähnliche Aussagen haben wir auch von anderen Führungsteams gehört. KI trägt zu verkürzten Softwareentwicklungszyklen bei, verbessert die Automatisierung des Kundenservice und macht interne Arbeitsabläufe effizienter. Nur sehr wenige Unternehmen können diese Vorteile allerdings bislang quantifizieren. Mehrere Führungsteams räumten ein, dass Aussagen zur Kapitalrendite derzeit eher Tendenzen benennen als echte Messungen wiedergeben.
Diese Unsicherheit werden wir genau im Blick behalten. Derzeit treiben Testnutzung und subventionierte Nutzung die Nachfrage mit an. Hinzu kommen aggressive Preismaßnahmen, da Anbieter die Akzeptanz fördern und Marktanteile verteidigen wollen. Softwareunternehmen und Entwickler nutzen Token derzeit, um zu experimentieren und neue Anwendungen zu entwickeln. Viele Endnutzer nehmen KI-Dienste stark in Anspruch, weil diese kostenlos oder stark subventioniert sind. Wenn diese Phase endet, könnten Fragen nach der Nachhaltigkeit der Nachfrage und der letztendlichen Kapitalrendite lauter werden.
3. Software: Disruption für die einen, Chance für die anderen
Wie wirkt sich die KI auf die Softwarebranche aus? Das war ein weiteres zentrales Thema während unserer Reise. KI macht das Schreiben von Code schneller und kostengünstiger. Doch Software ist weit mehr als nur Code: Wer effektive Anwendungen entwickeln will, muss Geschäftsprozesse, Arbeitsabläufe und Kundenbedürfnisse tief verstehen. Zudem muss die eingesetzte Software integriert, gesichert und langfristig gewartet werden.
- Der Markt stellt den Wert vieler Softwareunternehmen zunehmend infrage. Für einige Kategorien mag dies zutreffen, doch die Realität dürfte differenzierter aussehen.
- Unternehmen mit wiederkehrenden Umsatzmodellen, geschäftskritischen Produkten und tief verwurzelten Kundenbeziehungen könnten die Markterwartungen deutlich übertreffen. Finanzen, Ressourcenplanung, das Management von Kundenbeziehungen: Dabei geht es auch um Vertrauen, Integration und langjährige Beziehungen. Solche Aspekte bestimmen die Kaufentscheidungen oft ebenso sehr wie die zugrunde liegenden Technologien.
Hier kommt der fundamentalen Analyse eine besondere Bedeutung zu. Breite Marktindizes und passive Strategien behandeln Software oft als eine einzige Kategorie. In der Realität dürften die Auswirkungen der KI sehr unternehmensspezifisch sein. Ein fundamentaler Ansatz (Bottom-up) ist als Basis für eine differenzierte Titelauswahl unerlässlich. Disruptionen könnten einige Geschäftsmodelle belasten – und diejenigen stärken, die KI in bestehende Kundenbeziehungen und Arbeitsabläufe integrieren können.
Fazit
Immer mehr Kapital fließt in das KI-Ökosystem. Weiteren Treibstoff für anhaltende Investitionen liefern jüngste Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung – darunter Aktien- und Anleiheemissionen großer Technologieunternehmen und die Aussicht auf einen großen Börsengang. Dieser Kapitalzufluss mag zwar kurzfristig dazu beitragen, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Er weckt jedoch auch Bedenken hinsichtlich einer Verwässerung der Renditen dieser Investitionen.
Kurzfristig beobachten wir zudem eine auffällige momentumgetriebene Marktdynamik: Die Kursentwicklung bei einigen qualitativ minderwertigeren Unternehmen ist besser als bei hochwertigeren Firmen mit dominanten Marktpositionen. Diese Dynamik unterstreicht, wie wichtig ein disziplinierter und selektiver Ansatz ist. Wir sehen große Chancen im Technologiesektor, und KI hat viel langfristiges Potenzial. Doch Anleger sollten die zyklische Natur des Marktes im Blick behalten – und die Nachhaltigkeit der Renditen im gesamten Ökosystem.
Fondsmanager-Update: Insights zu KI
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Stand, soweit nicht anders angegeben: August 2026. MK17708
