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Fonds der Woche - Interview
Tech-Investor Rolando Grandi: „Die KI-Story hat gerade erst begonnen“
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Fonds der Woche - Interview Tech-Investor Rolando Grandi: „Die KI-Story hat gerade erst begonnen“

LFDE-Manager Rolando Grandi
LFDE-Manager Rolando Grandi: Der Bolivianer bezeichnet sich selbst gerne als "Geek" und kombiniert seine mehrjährige Erfahrung als Analyst mit seinem exzellenten Wissen über die Technologie- und KI-Branche. | Foto: LFDE / Sven Stoll mit Canva

Der in Bolivien geborene Rolando Grandi ist ein bekennender Technologiefan und arbeitet seit 2017 für die französische Fondsgesellschaft La Financière de l’Echiquier (LFDE). Nach einem herausfordernden Jahr 2022 konnte der von ihm verwaltete Echiquier Artificial Intelligence in diesem Jahr von der aufkommenden Begeisterung für künstliche Intelligenz profitieren und um fast 50 Prozent zulegen.

Rund 30 Unternehmen, von denen der Fondsmanager besonders überzeugt ist, bilden das Portfolio des Fonds. Die vier größten Positionen, der Chiphersteller Nvidia, der Cybersicherheitsanbieter Crowdstrike, der Onlinehändler Amazon und der Anbieter von Cloud-Computing-Plattformen Servicenow, machen derzeit 20 Prozent des Portfolios aus. Wir sprachen mit dem Manager über die Chancen und Herausforderungen.

DAS INVESTMENT: Herr Grandi, sie investieren mit ihren Fonds in wachstumsstarke Technologiewerte. Wie sehr treibt es sie um, dass viele Privatanleger auf dem Hochpunkt 2021 in den Fonds eingestiegen sind und heute auf hohen Verlusten sitzen?

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Rolando Grandi: Unser Fonds litt insbesondere unter seiner Ausrichtung auf hohes Wachstum und dem Engagement in unrentablen Unternehmen, die im aktuellen makroökonomischen Umfeld erhebliche Verluste hinnehmen mussten. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir das Portfolio natürlich angepasst und uns auf die Qualität des Geschäftsmodells, die Rentabilität und die Bewertung konzentriert. Wir sind nach wie vor vom Potenzial der Thematik überzeugt.

Als langfristig orientierter Investor konzentrieren wir uns auf die Wertschöpfung über eine empfohlene Haltedauer von fünf Jahren. Die Ergebnisse zwischen Ende 2021 und Ende 2022 waren natürlich nicht zufriedenstellend. Es handelte sich jedoch um eine Ausnahmeperiode, die nicht das volle Potenzial unserer Strategien widerspiegelt.

Einer der Hauptgründe für diese vorübergehende Underperformance war der rasche wirtschaftliche Paradigmenwechsel mit hoher Inflation und steigenden Zinsen. Dieses Umfeld, unter dem die Finanzmärkte und insbesondere Wachstumsaktien litten, hat viele Anleger überrascht. Mit unserem angepassten Ansatz verfolgen wir drei Ziele: Zunächst geht es darum, an unseren starken Überzeugungen wie beispielsweise Nvidia, Tesla, Servicenow, Mercadolibre und Microsoft festzuhalten und diese noch stärker zu gewichten. Der nächste Schritt besteht darin, das Engagement in unprofitablen Unternehmen zu reduzieren. Die dritte Komponente besteht darin, in wachstumsstarke Unternehmen mit hoher Rentabilität zu investieren, wie wir es beispielsweise bei Alphabet, MSCI und Constellation Software getan haben.

 

Technologieaktien galten damals als teuer, weshalb viele Anleger zuletzt in unterbewertete Value-Aktien investierten. Wie steht es nun um die Bewertung von Technologie?

Grandi: Das Jahr 2022 war von sinkenden Bewertungen geprägt. Die durchschnittliche Bewertung einer Aktie in der Cloud-Branche lag im Jahr 2021 bei mehr als dem 20-fachen des erwarteten Unternehmenswerts beziehungsweise Umsatzes. Ende 2022 war sie auf das Fünffache zurückgefallen. Anfang dieses Jahres konnte also niemand mehr behaupten, Technologieaktien seien teuer. Der Durchbruch der künstlichen Intelligenz (KI) kommt den Technologieunternehmen zugute, da mehr in diesen Bereich investiert wird. Halbleiterhersteller und die Schwergewichte der Cloud-Computing-Branche waren die ersten, die davon profitierten, so dass sich die Performance auf eine Handvoll Unternehmen konzentrierte. Diese sich abzeichnende Technologie-Rallye dürfte sich im nächsten Jahr fortsetzen, sofern die Technologieinvestitionen weiter steigen, sich die Zinssätze stabilisieren und der Einsatz künstlicher Intelligenz weiter zunimmt.

Einige Experten gehen davon aus, dass die Zinsen länger als erwartet hoch bleiben könnten. Das ist kein gutes Umfeld für Wachstumsaktien. Wie agieren Sie in diesem Kontext?

Grandi: Nicht nur das absolute Zinsniveau, sondern auch die Veränderungsrate hat einen entscheidenden Einfluss auf Wachstumsaktien. Der spektakuläre Zinsrückgang zwischen 2019 und 2020 war ein wichtiger Auslöser für die starke Performance von Wachstumsaktien, während der Anstieg im Jahr 2022 das Gegenteil bewirkte.

Wir gehen davon aus, dass die stabile Geldpolitik eine Outperformance der Wachstumsaktien ermöglichen wird, da sie es den betreffenden Unternehmen ermöglicht, ihr Wachstum trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds fortzusetzen. Bloomberg prognostiziert für unsere KI-Strategie Echiquier Artificial Intelligence für die nächsten drei Jahre ein moderates jährliches Wachstum des Gewinns pro Aktie von plus 38 Prozent. Die Fähigkeit, schnell zu wachsen, während der Rest der Wirtschaft in die Rezession abrutscht, dürfte ein wichtiger Performancefaktor für den Fonds sein.

Darüber hinaus wird ein Rückgang der Zinssätze im Zuge einer Normalisierung der Inflation die Wertentwicklung des Fonds aufgrund der höheren Bewertungskennzahlen noch weiter verstärken. Zudem haben sich die Unternehmen auf dieses Umfeld eingestellt, indem sie sich auf ein effizienteres Wachstum konzentrieren. Die operativen Margen steigen rasch. Bei unseren Anlagethemen KI und Raumfahrt sehen wir eine beschleunigte Entwicklung hin zur Profitabilität sowie eine starke Margenausweitung bei bereits profitablen Unternehmen.

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