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Asien – vom Wachstum profitieren

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Anlage-Trends für Asien

„Tech und Premium sind die Zukunft“

Shou Pin Choo, UBS Asset Management

Herr Choo, wie hat sich der asiatische Aktienmarkt im vergangenen Jahr entwickelt?

Shou Pin Choo: 2020 war ein Jahr mit großen Veränderungen und Herausforderungen. Trotz der Auswirkungen von Covid-19 schnitten die Aktienmärkte gut ab, da langjährige Trends wie die Premiumisierung nur kurz in ihrer Entwicklung gehemmt wurden.

Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass Online-Technologien noch mehr in den Fokus gerückt sind. Zu den Gewinnern zählen auch Hersteller von Elektrofahrzeugen und Batterien, für die sich die Netto-Null-Ziele vieler Länder als nützlich erweisen. Trends wie die digitale Transformation oder 5G werden sich auch in diesem Jahr weiter beschleunigen, wobei asiatische Tech-Unternehmen und Finanzdienstleister zu den Hauptprofiteuren zählen werden.

Wie hat sich Ihre Strategie im Laufe des Jahres entwickelt?

Choo: In unseren Portfolios haben wir sowohl Unternehmen, die von den Corona-Trends profitieren, als auch solche, die kurzfristig vor Herausforderungen standen, aber von einer zyklischen Erholung profitieren dürften, sobald die Covid-19-Sorgen abklingen. Dazu gehören beispielsweise Banken, Raffinerien und die Petrochemie. Hier haben wir unser zyklisches Engagement zum Jahresende selektiv aufgestockt, um die bevorstehende wirtschaftliche Erholung zu nutzen.

Wir sind der Ansicht, dass unser Fokus auf langfristige und Asien-bezogene Investmentthemen dazu beitragen dürfte, die durch Handelskonflikte entstehenden Spannungen abzufedern. Wir setzen auf den privaten Verbrauch, die Premiumisierung, Chinas Neuausrichtung auf Dienstleistungen und Konsum, steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Technologie sowie das große Potenzial für eine stärkere Kreditdurchdringung in vielen asiatischen Märkten.

Asia-Tech scheint ein Schlüsselthema zu sein. Können Sie zwei oder drei Trends innerhalb der asiatischen Technologiebranche hervorheben, die für Sie aus Investorensicht attraktiv sind?

Choo: Asiens Status als Produktionsstandort für PCs und Mobiltelefone hat den dortigen IT-Sektor gestärkt. Im Laufe der Zeit sind asiatische Unternehmen in der Wertschöpfungskette aufgestiegen und es haben sich Branchencluster in verschiedenen Regionen gebildet. Einige dieser Konzerne sind heute weltweit führend.

Die digitale Transformation und Disruption wird sich fortsetzen und beschleunigen. Daher sind wir der Ansicht, dass die 5G-Ära neue Anwendungen mit sich bringen und zu einem exponentiellen Anstieg der Datenerzeugung, -verarbeitung, -übertragung und -speicherung führen wird. Dieser Trend wurde durch Covid-19 und geopolitische Handelsspannungen noch beschleunigt, da die Bedeutung von sicheren Lieferketten offenkundig wurde.

Hinzu kommt, dass China aggressiv in die Halbleiterindustrie investiert, um einen höheren Grad an Autarkie zu erreichen. Wir erwarten, dass dadurch die Nachfrage nach Halbleiterchips befeuert wird. Diese werden benötigt, um Rechenleistung für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bereitzustellen oder den Stromverbrauch zu reduzieren. In Asien gibt es eine kleine Anzahl von Unternehmen, die über die technologische Führerschaft verfügen, um solche extrem leistungsfähigen Chips herzustellen. Wir erwarten, dass diese Unternehmen als sogenannte Enabler in der digitalen Transformation gut abschneiden werden.

High-End-Liköre sind ein gängiges Beispiel für die Premiumisierung. Auf welche weiteren Produkte wirkt sich der High-End-Trend aus?

Choo: Das veränderte Konsumverhalten gehört zu den prägnantesten und nachhaltigsten Trends in der Region. Da sich die asiatischen Volkswirtschaften entwickeln und wohlhabender werden, verlagern sich die Konsum- und Ausgabenmuster weg von Gütern des Grundbedarfs hin zu Luxusgütern und Dienstleistungen. Wir sehen, dass sich die Nachfrage in einzelnen Produktkategorien außerdem in Richtung höherwertiger und hochwertiger Marken verlagert.

Die wachsende Beliebtheit von Premium-Spirituosen ist ein etablierter Trend, der sich mittlerweile auf eine Vielzahl von Lebensmitteln und Körperpflegeprodukte ausgeweitet hat. Ähnliche Entwicklungen beobachten wir in Asien inzwischen auch bei hochpreisigen Produkt- und Dienstleistungskategorien wie Autos und Bildung. Kurz gesagt: Tech und Premium sind die Zukunft.

Chinesische Aktien haben ohne Zweifel großen Anteil an der asiatischen Wachstums-Story. Aber auch Südostasien wächst rasant. Wo sehen Sie in diesem Bereich Chancen?

Choo: Die südostasiatische Freihandelszone ASEAN bietet relativ gute demografische Voraussetzungen und damit interessante Chancen am Aktienmarkt, insbesondere in Indonesien und Thailand. Die Einwohnerzahl der ASEAN-Gruppe ist mit 668 Millionen Verbrauchern größer als die der Europäischen Union mit nur 448 Millionen. Das unlängst unterzeichnete RCEP-Abkommen (Regional Comprehensive Economic Partnership) wird die südostasiatischen Länder auch aufgrund der Handelsspannungen zwischen den USA und China als Produktionsregionen noch attraktiver machen. Gemessen am BIP ist das RCEP das größte Handelsabkommen der Welt. Es macht Asien als regionales Fertigungszentrum noch vielversprechender, da es die Barrieren für die Bewegung von Zwischenprodukten zwischen den Ländern senkt und die Effizienz der asiatischen Lieferketten steigert.

Was halten Sie vom vietnamesischen Aktienmarkt?

Choo: Auch Vietnam ist ein Nutznießer des RCEP. Wir erwarten, dass Vietnam in den nächsten Jahren eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der Region sein wird. Trotz der Auswirkungen der Pandemie verzeichnete das Land 2020 ein Wirtschaftswachstum von 2,91 Prozent und konnte ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar anziehen. Hinsichtlich der Anzahl an Möglichkeiten, Liquidität und Transparenz befindet sich der vietnamesische Aktienmarkt allerdings noch in der Entwicklung. Neben der direkten Investition in vietnamesische Aktien können Investoren auch über regionale Unternehmen, die Produkte an vietnamesische Verbraucher und Unternehmen verkaufen, am schnellen Wachstum Vietnams teilhaben.

Wie unterscheiden Sie zwischen Marktrauschen und Marktsignalen, die für Ihr Portfolio von Bedeutung sind?

Choo: Der Schlüssel zur Unterscheidung von Marktrauschen und relevanten Faktoren ist eine gut recherchierte, langfristige Anlagethese zu einem Unternehmen. Langfristiges Denken hilft uns, Marktrauschen von strukturellen Veränderungen in Branchen und Unternehmen zu unterscheiden.

Während Sell-Side-Broker und andere eher kurzfristig orientierte Investoren sich auf die Gewinne des nächsten Jahres und manchmal des nächsten Quartals konzentrieren, achten wir darauf, wohin sich das Unternehmen und die Branchen mittel- bis langfristig entwickeln. Die Marktineffizienz, die wir ausnutzen, könnte man als „Zeitarbitrage“ bezeichnen. Diese hilft uns dabei, im Verlauf der Zeit wachsende Werte für unsere Portfolios zu erwirtschaften.

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