Fondsmanager Jacques-Aurélien Marcireau: „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob das Internet heute schon ausgereift ist.“ | © EdRAM Foto: EdRAM

Technik, die begeistert

„Tik-Tok ist ein perfektes und präzises Marketing-Werkzeug“

Haben Sie ein aktuelles und einschlagendes Beispiel für Künstliche Intelligenz auf dem heutigen Stand?

Jacques-Aurélien Marcireau: Das vom chinesischen Unternehmen Byte-Dance entwickelte Tik-Tok ist eine globale Erfolgsgeschichte. Die App für Kurzvideos, nicht länger als 15 Sekunden, ist bei der Generation Z enorm populär. Die Künstliche Intelligenz funktioniert in zweierlei Hinsicht: Auf Zuschauerseite lernt sie die Vorlieben, indem sie erteilte Likes, Kommentare und sogar das Ansehverhalten auswertet. Also wie lange man Videos schaut, und wie oft. Auf Urheberseite schlägt die App trendige Hintergrundmusik und Filtereffekte vor, für die sie Videokategorien, Schlagworte und Aufrufe in Echtzeit analysiert. Damit können auch Amateure populäre Videos drehen. Diese Automatismen machen Tik-Tok zum perfekten und präzisen Marketing-Werkzeug. Der durchschnittliche Nutzer verbringt täglich 52 Minuten mit der App und sieht sich 200 Videos, inklusive Werbung an. Tik-Tok hat 500 Millionen aktive Nutzer und liegt damit vor Linkedin, Twitter und Snapchat.

Ein Wissenschaftler sagte einmal, dass Big Data ohne KI sinnlos ist, weil man die Daten sonst gar nicht verarbeiten kann. Was von beidem ist derzeit besser ausgereift?

Marcireau: Der Begriff „Maschinelles Lernen“ stammt eigentlich aus den 50er Jahren. Aber erst seit Kurzem wird er in Bezug auf KI regelmäßig benutzt. Denn wir haben heutzutage endlich genügend Computerkapazität, um die nun ausreichend verfügbaren Daten zu verarbeiten. Wobei alles noch immer in einem frühen Stadium ist. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob das Internet heute schon ausgereift ist.

Welches Geschäft wird später das lukrativere sein?

Marcireau: Big Data ist die Grundlage für sämtliche KI-Anwendungen. Es ist schwierig abzuschätzen, was von beidem lukrativer sein wird, weil auch die Grenze nur schwer abzustecken ist. Ich zweifle aber nicht daran, dass die Geschäftsmodelle und das regulatorische Umfeld heutzutage hervorragende Voraussetzungen bieten, dass das Geschäft mit Big Data Produktivität und Konkurrenzfähigkeit steigern wird.

Wie verdient man mit KI überhaupt Geld?

Marcireau: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Das eingangs erwähnte Beispiel von Tik-Tok mit seinem präzisen Marketing ist der direkte Weg. Eine höhere Klickrate je angezeigtem Werbebanner, die Click-Through-Rate, schlägt sich sofort in höheren Werbeeinnahmen nieder. Außerdem versuchen mehr und mehr andere Unternehmen das Modell zu übernehmen, um ihre Kunden besser kennenzulernen und dadurch mehr Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Das betrifft den Einzelhandel, insbesondere im Internet, sowie Banken und Versicherer.

Mehr zum Thema
Megatrend-InvestmentsAuf E-MissionCyber-Medizin2.721 Milliarden US-Dollar für die GesundheitEdmond de Rothschild AMNeues Fondsmanager-Duo übernimmt Bond Allocation Fund