Technologie-Aktien „Die These von der Tech-Blase 2.0 ist unpassend“

Smartphone-Apps: „Einige der erfolgreichsten Geschäftsmodelle unserer Zeit weisen relativ moderate Bewertungen auf“, sagt Stefan Rehder. Er ist Gründer der Firma Value Intelligence Advisors, die das Portfoliomanagement der Fonds Value Intelligence Fonds AMI (ISIN: DE000A0YAX80) und Value Intelligence ESG Fonds AMI (DE000A2DJT31) berät.  | © Pixabay

Smartphone-Apps: „Einige der erfolgreichsten Geschäftsmodelle unserer Zeit weisen relativ moderate Bewertungen auf“, sagt Stefan Rehder. Er ist Gründer der Firma Value Intelligence Advisors, die das Portfoliomanagement der Fonds Value Intelligence Fonds AMI (ISIN: DE000A0YAX80) und Value Intelligence ESG Fonds AMI (DE000A2DJT31) berät. Foto: Pixabay

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Stefan Rehder, Value Intelligent Advisors

Unsere positive Einstellung zu ausgewählten Technologieunternehmen wird derzeit nicht von allen Value-Investoren geteilt. Immer wieder werden Stimmen laut, die Parallelen zur Dotcom-Blase der Jahrtausendwende ziehen. Die These von der Tech-Blase 2.0 ist aus mehreren Gründen unpassend. Wir teilen keineswegs die Einschätzung, dass sich in den Kursen sämtlicher großer Tech-Unternehmen unrealistische Erwartungen diskontieren.

Reale Gewinne

Wer die Gewinnentwicklung von Alphabet, Facebook & Co verfolgt wird feststellen, dass die Gewinne real und nicht imaginär wie im Zuge der Tech Hausse 2001 sind. Die Gretchenfrage bleibt, wie nachhaltig die Gewinne sind. Da die Digitalisierung unserer Gesellschaft nach wie vor dynamisch fortschreitet und zahlreiche Branchen revolutioniert, bestehen unseres Erachtens realistische Chancen, dass die operativen Gewinne der dominierenden Tech-Unternehmen noch eine Weile im zweistelligen Bereich pro Jahr wachsen werden.

Hohe Markteintrittsbarrieren

Wir denken zudem, dass Gewinne und Wachstum geschützt sind, da Alphabet, Facebook & Co über sehr hohe Markteintrittsbarrieren verfügen. Im Zuge der Dotcom-Blase war die Begeisterung für das neue Medium Internet so groß, dass dabei vielfach unterschätzt wurde, dass „First Mover“ zu sein keine Garantie für den langfristigen Erfolg eines Geschäftsmodells darstellt. So war es damals für finanzkräftige Nachahmer in der Regel leicht, neue, aussichtsreiche Geschäftsmodelle zu replizieren.

Aus der heutigen Perspektive dürfte es ein aussichtsloses Unterfangen sein, die genannten Tech-Unternehmen in ihrem Kerngeschäft herauszufordern. Eine zentrale Bedeutung haben dabei die starken Netzwerkeffekte, das heißt Skaleneffekte auf der Anwenderseite, die die Geschäftsmodelle der dominierenden Tech-Unternehmen auszeichnen.

Üppige Nettoliquidität

Die hohe Finanzkraft schafft zusätzliche Markteintrittsbarrieren. Alphabet und Facebook verfügen zum Beispiel aktuell über eine üppige Nettoliquidität von 102 beziehungsweise 54 Milliarden US Dollar, die laut Analystenschätzungen im nächsten Jahr auf 133 beziehungsweise 78 Milliarden US Dollar ansteigen soll.

Der Economist berichtete jüngst, dass sich in den Bereichen Online-Suche, Soziale Medien oder E-Commerce Risikokapitalgeber zunehmend zurückziehen, da sie keine Chancen für Start-Ups sehen mit Alphabet & Co zu konkurrieren. Im günstigsten Fall werden sie von den großen Tech-Unternehmen aufgekauft – wenn es ungünstig läuft werden sie kopiert.