Technologie-Aktien „Die These von der Tech-Blase 2.0 ist unpassend“

Seite 2 / 2

Bewertungen im Rahmen, teilweise moderat

Naturgemäß sind hohem Wachstum irgendwann Grenzen gesetzt. Die Wachstumsmöglichkeiten der Tech-Unternehmen, zum Beispiel in Bereichen wie E-Commerce oder der digitale Werbung, wurden aber bisher eher unterschätzt und könnten zumindest mittelfristig weiterhin positiv überraschen. Die fundamentalen Bewertungen sind vor diesem Hintergrund nicht zwangsläufig übertrieben hoch.

Im Gegensatz zu früheren Kursblasen weisen einige der Tech-Unternehmen zudem stark sinkende Kursmultiples auf. Absolutes Niveau sowie die aktuelle Dynamik der Bewertungen sind somit mitnichten pauschal vergleichbar mit den stark inflationierten KGVs zu Zeiten der „Nifty-Fifty“ oder im Zuge der Dot-com Blase.

Setzt man die aktuellen Bewertungen ins Verhältnis zu einem anhaltend dynamischen Wachstum auf der Umsatz- und Ergebnisebene und berücksichtigt zudem die herausragende Bilanzqualität, so kann man durchaus zu der Erkenntnis gelangen, dass einige der erfolgreichsten Geschäftsmodelle unserer Zeit nach wie vor sogar relativ moderate Bewertungen aufweisen.

Qualitative Analyse wichtiger denn je

Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass höhere Multiples ebenso wenig ein sicheres Indiz für eine Überbewertung darstellen wie niedrige Multiples für eine Unterbewertung. Investoren, die die These von der Überbewertung der Technologiewerte allein mit dem schlichten Hinweis auf den bisherigen Kursverlauf oder der Höhe des KGVs begründen, machen es sich sehr einfach und gehen potentiell selbst hohe Risiken ein.

Wer sich mit den Geschäftsmodellen von Amazon, Alphabet & Co nicht eingehend im Rahmen einer qualitativen Analyse auseinandergesetzt hat, wird sich im Zeitalter der Digitalisierung auch mit der realistischen Einschätzung zahlreicher traditioneller Geschäftsmodelle schwer tun - und damit zwangsläufig anfälliger für „Value Traps“ sein.

Risiken

Risiken drohen den dominierenden Technologieunternehmen primär durch staatliche Regulierung. Allerdings zeigen die ersten Regulierungsversuche, zum Beispiel im Rahmen der neuen Datenschutzrichtlinien, dass Alphabet & Co davon eher profitieren, da sie bei der Einholung von Genehmigungen weitaus höhere Erfolgsquoten erzielen als kleinere Konkurrenten.

Risiken könnten sich zudem sich ergeben, wenn Amazon, Alphabet, Facebook & Co. sich noch stärker als bisher gegenseitige Konkurrenz machen.

Unstreitbar ist, dass die Kurse der großen Technologieunternehmen von einer liquiditätsgetriebenen Hausse profitiert haben, der Markt insgesamt sehr hoch bewertet ist und deutliche Kursrückschläge früher oder später wahrscheinlich sind. Es würde uns aber nicht überraschen, wenn insbesondere Value Investoren in der Tradition Warren Buffetts diese Volatilität eher als Chance und weniger als Indiz für hohes Risiko interpretieren werden.

“I don’t think the FANGs or the tech stocks are frothy at all. I think relative to the rest of the market, never have stocks been that cheap.”
Julian Robertson, 85, CNBC, Juni 2018

Fazit

Die positive Einschätzung des 85-jährigen Julian Robertson zu den Tech-Unternehmen mag für manchen Value Investor provokativ klingen – wir halten die Meinung des legendären Gründers von Tiger Management gerade im Sinne eines modernen, von Warren Buffett geprägten, qualitätsaffinen Value Stils, für durchaus plausibel.

Mehr zum Thema
Asset Management„Faktor-Investing schlägt langfristig den Markt“ DWS-Fondsmanager„Dax mit 40 oder mehr Aktien wäre besser“ ANZEIGENeil Goddin über E-Bikes„Eine bisher unterbewertete Anlagechance“