Technologie-Aktien Wie Hightech-Riesen den Alltag der Chinesen prägen

Shopping-Mall in Hongkong: Die Chinesen sind sehr konsumfreudig und nutzen in immer stärkerem Maß auch E-Commerce-Plattformen. | © Getty Images

Shopping-Mall in Hongkong: Die Chinesen sind sehr konsumfreudig und nutzen in immer stärkerem Maß auch E-Commerce-Plattformen. Foto: Getty Images

Sherry Qin, Analystin bei Fidelity International

Chinesen können ihren kompletten Tagesablauf übers Smartphone organisieren. „Die Chinesen leben immer mehr online“, bestätigt auch der Fidelity-Analyst Jonathan Tseng im Interview. Konsequenz: Bereits heute ist beispielsweise die E-Commerce-Durchdringung in der chinesischen Bevölkerung doppelt so groß wie in den USA, zeigen Fidelity-Analysen vom Januar 2019.

Bemerkenswert: Viele der Anwendungen und Unternehmen, mit denen Chinesen jeden Tag zu tun haben, sind hierzulande völlig unbekannt. Und im Gegensatz zu den großen Anbietern der Hightech-Branche aus den USA konzentrieren sich die chinesischen Technologie-Unternehmen nicht auf wenige spezielle Anwendungen, etwa Social Media oder die Internet-Suche. Der chinesische Technologiekonzern Tencent betreibt beispielsweise mit QQ.com das größte Instant-Messaging-Netzwerk Asiens, mit WeChat Chinas wichtigsten Chat-Dienst, die Suchmaschine SoSo, die Bezahldienste PaiPai und Tenpay sowie den Webbrowser Tencent Traveller. Der Konzern ist damit noch breiter aufgestellt als die US-Giganten Facebook oder Google. Ähnlich umfassende Dienstleistungen für das Netz betreibt die Alibaba Group. Und so surfen Chinesen völlig anders als Konsumenten im Westen. Einige der wichtigsten Portale und Unternehmen im Porträt:

WeChat – Eine App für alles

Fast eine Milliarde Chinesen nutzen den Dienst, den Zhang Xiaolong 2011 als WhatsApp-Kopie ins Leben gerufen hat. WeChat gehört zum Internetriesen Tencent. Mit 540 Milliarden US-Dollar hatte WeChat im Januar 2018 kurzzeitig einen höheren Börsenwert als Facebook, rechnete die FAZ vor. Anfang Februar 2019 lag die Marktkapitalisierung von Tencent nach Berechnungen von Thomson Reuters bei umgerechnet 422 Milliarden US-Dollar gegenüber 475 Milliarden US-Dollar bei Facebook. Inzwischen können Nutzer mit WeChat weitaus mehr als nur chatten: In der App sind 580.000 Miniprogramme von Drittanbietern installiert, mit denen Anwender alles tun können, was im Internet möglich ist. Zum Beispiel bargeldlos bezahlen, Nachrichten lesen oder ein Taxi buchen. Eine App für alles – das ist natürlich bequem.

Allerdings können die chinesischen Behörden auf alle Daten der WeChat-Nutzer zugreifen. Regierungsfeindliche Nachrichten kommen bestenfalls nicht beim Empfänger an, schlimmstenfalls bringen sie den Sender ins Gefängnis. Neu im Repertoire ist die „Deadbeat-Map“ – eine Anwendung, die jedem Nutzer zeigt, wer in seiner direkten Umgebung seine Schulden nicht bezahlt hat. Die Idee: Druck durch das soziale Umfeld soll die Schuldner zum Zahlen bewegen. Da wundert es nicht, dass die App beim Test von Amnesty International in puncto Datensicherheit mit 0 von 100 Punkten durchgefallen ist, wie die FAZ berichtete. Dennoch probt das Unternehmen seine Expansion gerade auf deutschem Boden. Am Münchener Flughafen können Kunden bereits mit WeChat bezahlen. Vorerst richte sich das Angebot primär an chinesische Touristen, schrieb die FAZ zum Marktstart vor rund einem Jahr.